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Mi, 16.09.2009 | Rouven RidderKein Kommentar

Antichrist – Wovor hast Du am meisten Angst?

Der Teufel muss Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) geritten haben, als er in der ZEIT soviel über den Film „Antichrist“ preisgab. Anderswo hätte es eine Spoilerwarnung gegeben. Ich konnte leider nicht anders, hatte den Artikel gelesen und ging trotzdem rein. Mit ein bisschen Angst, zugegeben. Und das Gesehene musste ich dennoch erst mal ein paar Tage sacken lassen.

Ich hingegen werde den Teufel tun und zuviel über Lars von Triers neuen Film verraten. Vielleicht nur soviel zur Handlung: Frau (Charlotte Gainsbourg) und Mann (Willem Dafoe) gehen sich zunächst wollüstig an die Wäsche, später geraten sie sich vehement in die Wolle. Anlass bildet der Tod des gemeinsamen Sohnes, über den beide trauern, aber die Frau wird mit der Schuld nicht fertig. Der Mann als „Psychologe“ beschließt, sie selbst zu therapieren. Diese Vereinnahmung seiner Frau wird ihm vom Zuschauer zunächst nicht gerade mit Symphatie quittiert. Aber das wird noch zu seinen Gunsten umkippen, spätestens dann, wenn es brutal wird.

Von Triers Film dreht sich nur um diese beiden Personen und er wirkt von Anfang an schwer bedrückend. Keine leichte Kost für Leute mit Hollywood-Sehgewohnheiten also. Aber das ist von diesem Regisseur auch nicht anders bekannt. Hinzu kommt aber, dass er gekonnt mit den typischen Horror-Effekten arbeitet: Dunkles Licht, hämmernde bis kreischende Soundcollagen, das alles verstärkt diese Bedrückung noch. Hinzu kommt, dass der weitestgehende Teil des Films in einem Wald spielt, bei dessen Entwurf Caspar David Friedrich und Tim Burtons Gestalter des Waldes aus „Sleepy Hollow“ zusammengearbeitet haben könnten.

Einzelne der Gewaltszenen habe ich so noch nicht einmal in Splatterfilmen gesehen. Immerhin in diesem Punkt tut Kehlmann gut an seiner Zurückhaltung, wenn er schreibt: „ [...] er [Anm.: der Film]enthält eine Verstümmelungsszene, die man, hat man sie gesehen, lieber nicht gesehen hätte, [...]“.

Im Anschluss habe ich überlegt, was für Lesarten der Film zulässt. Diejenigen, die ihn bereits gesehen haben, können mir eventuell zustimmen, dass er durchaus Provokationen an die Adresse von Feministinnen enthält. Schließlich wird die Frau dort so dargestellt, als sei sie innerlich zerrissen und dass es in der Vergangenheit durchaus seine Berechtigung hatte, wenn sie unterdrückt wurde. Wie geschrieben: Als Provokation. Ich bin gespannt, was die Emma dazu schreiben wird, wenn sie es tut.

Dann fiel mir aber auf, dass es noch einen ganz anderen Ansatz gibt. Zu Beginn erlebt die Frau nämlich die wirrsten, waberndsten Albträume, die sie sich nicht erklären kann. Der Mann unternimmt einen Versuch, indem er sie fragt, wovor sie am meisten Angst habe. Er wollte ihre Ängste anhand einer Pyramidengrafik einordnen. Doch die Antwort darauf fiel ihr schwer. Am meisten Angst! Wovor denn?

An der Stelle fing ich auch an zu überlegen. Wovor hab ich denn am meisten Angst? Vor dem Tod? Vielleicht. Aber, ehrlich gestanden, weiß ich das nicht so genau.

Und: Muss man das überhaupt wissen? Damit man Ängsten besser aus dem Weg gehen kann? Oder soll man sich gerade mit ihnen konfrontieren?

Link:
Imdb.de – Antichrist

(Bild: katutaide, Lizenz)

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