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Sa, 22.08.2009 | Rouven Ridder5 Kommentare

Hertz 87,9 darf nicht sterben

Was aktuelle Popmusik angeht, bin ich seit Langem nicht mehr so bewandert wie zum Beispiel Mischa. Darum mag ich es sehr gerne, wenn einige Musiksender mit gutem Programm auch über ein Angebot verfügen, mit dem sich die dort gespielten Songs ermitteln lassen. Bei Radio Hertz 87,9 funktioniert das ganz ausgezeichnet. Im dortigen Stream wird eingeblendet, welche Musik im jeweiligen Moment gerade läuft. Der Rest (per iTunes kaufen) ist dann nur noch Nebensache.

Ab und an bemerke ich via Twitter beziehungsweise blip.fm, wie sehr mir das passt:

Aber mal sehen, ob das Programm von Radio Hertz demnächst immer noch so gut ist wie bisher, denn deren Archiv lagert ab jetzt in Umzugskartons, die wiederum in Räumen des Studierendenparlaments untergebracht sind. Der “Facility Manager” war nämlich da. “Facility Management” ist eines dieser neumodischen Worte, mit denen Leute wichtiger klingen sollen. Wenn ein Hausmeister unter Minderwertigkeitskomplexen leidet, druckt er sich das auf die Visitenkarte. In der Uni heißt das komplette Dezernat für Hausverwaltung so.

Die Uni leidet unter Platzmangel: Excellenzinitiativen und -cluster, dazu noch anstehende Sanierungsmaßnahmen sorgen für knappe Luft in der Denkfabrik. Da werden alle Ressourcen ausgeschöpft. Im betroffenen Raum…

…C01-205 soll nach Informationen von Hertz 87.9 ein Labor für einen Professor eingerichtet werden.

…heißt es in der Pressemitteilung des Campusradios. Die Hochschulleitung hätte der Redaktion mit Schreiben vom 17. Juni mitgeteilt, den Raum bis 17. Juli “besenrein” räumen zu müssen, sonst würden “allfällige Kosten in Rechnung” gestellt werden. Jetzt steht die Redaktion da und wundert sich natürlich darüber, dass vorab keine Kommunikation hierüber stattfand:

Mit dieser [der Redaktion] wurde vorab kein Gespräch gesucht. So ist wohl auch zu erklären, dass Christian Schepers [Leiter Dezernat "Facility Management"] den Raum für einen Aufenthaltsraum hielt, [...]

Selbst die NW weiß mittlerweile, dass der Raum für mehr als das genutzt wurde:

Die studentischen Radiomacher arbeiten in Räumen im Gebäudeteil C. Dazu gehört ein großer Raum, der laut Hertz 87.9 für das CD-Archiv, PC-Schnittplätze, Lagerung technischer Geräte, Redaktionssitzungen und das Kinderprojekt Hertz junior genutzt wurde. Mitte Juli musste das Campusradio räumen.

Wer sich einmal in den engen Räumlichkeiten von Hertz 87,9 aufgehalten hat, weiß: Wenn die Leute dort das volle Programm in den übrigen Zimmern durchziehen, müssen sie sich dort stapeln. “Willkommen im siebeneinhalbten Stockwerk!”, sozusagen. Die Chefredakteure Denis Sasse und Patrick Füngerlings fordern zu Recht eine Ersatzlösung, einen anderen Raum. Sonst müssten sie ab dem 21. September den Sendebetrieb einstellen. Das stelle man sich einmal vor: Keine gute Musik mehr. Keinen Hörsaal und, oh Gott, keine Texternte!

Eigenartigerweise widersprechen sich die Aussagen. In der NW redet der – übrigens sehr patente und nette – Uni-Sprecher Ingo Lohuis davon, dass …

Das Dezernat [...] im übrigen nach Gesprächen mit dem Radio und dem Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) davon ausgegangen [sei], dass es eine Lösung gibt und das Thema vom Tisch ist.

Wie jetzt? Man hat doch mit dem Radio gesprochen?

Entweder, wir haben es hier mit einem herben Missverständnis zu tun und uni-intern sollte mal dringend an der Kommunikation gearbeitet werden. Oder aber die Unileitung setzt in der Raumnot einseitige Prioritäten. Zugunsten des Exzellenzgedöns. Aber gegen exzellentes, fremdfinanziertes und preisgekröntes Radio.

Hertz 87,9 darf nicht sterben!

Links:
Radio Hertz 87,9-Pressemitteilung: Kein Platz für Hertz an der Uni Bielefeld
Neue Westfälische: Streit ums Campus-Radio

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  1. Ihr werdet alle sterben. Alle!
  2. Fußball im Radio ist wie Musikfernsehen. Oder: Internet kills the radio star.

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5 Kommentare »

  • Randy said:

    Vermutlich paßt den Damen und Herren von der Uni-Verwaltung das Programm nicht. Da werden ja auch so unnütze Sachen zur Hochschulpolitik gebracht.

  • vert said:

    die “studentenvertreter” haben selbstredend keinen “ersatzraum angeboten”, man hat ermöglicht, die sachen trocken unterzustellen, damit sie nicht in der fahrstraße verklappt werden.
    diese interpretation ist eine frechheit.
    und leider auch eine schlamperei der nw.

    es ist nicht aufgabe der studierendenschaft für diese scheiße geradezustehen. ein projekt mit außenwirkung, mit dem sich die uni schmückt, das anerkannte praktikumsplätze anbietet uswusf…
    die studierendenschaft bezahlt schon einen großteil des laufenden sendebetriebs, für solche maßnahmen mit der brechstange gibt es dort kein verständnis.

  • Rouven (author) said:

    @vert: Ich musste jetzt wirklich dreimal durch alle Artikel durchgucken, wo der Satz mit dem “Ersatzraumangebot” seitens der Studierendenvertretung steht. Erst dachte ich, Du bezeichnest diesen Beitrag hier UND den der NW als Frechheit.

  • vert said:

    uni: frechheit
    nw: schlamperei
    hier: alles in ordnung
    jetzt alles wieder da, wo’s hingehört? ;-)

  • Michael said:

    Hertz 87,9 hat eine Online-Petition eingerichtet (siehe http://www.radiohertz.de)

    “Wenn Ihr ebenso verärgert seid, wie wir, dass unser Programm momentan nicht in vollem Umfang geleistet werden kann, könnt Ihr Hertz 87.9 mit Eurem Namen unterstützen!”

    http://www.petitiononline.com/hertz/

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