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Do, 02.07.2009 | Rouven Ridder6 Kommentare

Alle Fragen unbeantwortet

Der ein oder die andere wird es eventuell einmal am Rande mitbekommen haben, dass ich hin und wieder auch für eine große Zeitung in dieser Stadt arbeite. Für die Arbeit dort ist es wichtig, politisch möglichst unabhängig zu sein. Bei Redakteuren wäre es daher verständlicherweise problematisch, wenn sie ein Parteibuch besäßen, aber selbst bei den freien Mitarbeitern wäre so, na ja, mit einem Geschmäckle behaftet.

Kommt es zum Beispiel einmal vor, dass man von einer Partei eine Auftragsarbeit erhält (das war bei mir jüngst der Fall), dann soll dies bitte nix mit der Zeitung zu tun haben und auf jeden Fall gegen Rechnung geschehen.

Ihr seht, das ist alles nicht besonders einfach, insbesondere deshalb, weil schließlich jeder Mensch – so auch ich – eine politische Meinung besitzt. Mit dieser eigenen Meinung darf man sich aber in dem Fall nicht vereinnahmen und diese in seine Arbeit einfließen lassen. Trennung rulez!

Was mir aber gestattet sein muss ist Kritik an der Art und Weise, wie einzelne Parteien um Stimmen werben, insbesondere dann, wenn dies auf Bundesebene geschieht (also für „meine“ Lokalpresse uninteressant) und diese Wahlwerbung absolut desinformativ ist.

Ich hab da nämlich was im Auge, aber bringen wir es auf den Punkt: Ich komme nicht mit diesem merkwürdigen teAM Deutschland klar.

Ganz offensichtlich handelt es sich dabei um eine Organisation, die freiwillige Unterstützer für den Wahlkampf Angela Merkels anwirbt (daher die beiden großen Majuskeln in „teAM“). Nun kann man argumentieren: „Wieso? Das ist doch keine direkte Wahlwerbung. Die suchen doch nur Unterstützer!“ Dagegen lässt sich aber einwenden: Diese Kampagne tritt öffentlich mit allerlei Brimborium auf, deren Videos sind im Netz öffentlich abrufbar und die Partei ist sich der Stimmen der mitwirkenden Freiwilligen sicher. Was soll daran bitteschön keine Wahlwerbung sein?

Was das teAM aber in ihren medialen Auftritten von sich lässt, sehe ich als das inhaltloseste an, was mir jemals in Wahlkämpfen untergekommen ist. Das ist nicht nur mir aufgefallen, auch Malte zweifelt an der Orientierungsmöglichkeit, die dieses Exempel hier bietet:

4 Gründe, die CDU zu wählen

1. Ich kandidiere selber für den Bundestag.
2. Angela Merkel ist die beste Krisenmanagerin.
3. Ich bin ein großer Fan von Angela Merkel. Das Ganze ist für mich ein ganz großes Vorbild.
4. Angela Merkel ist das Beste für Deutschland.

Glaubt jetzt bitte nicht, das sei ein besonders nichtssagendes Beispiel. Das zieht sich nämlich durch diese Kampagne hindurch.

Es beginnt damit, dass die Leichtathletin Bianca Kappler auf der Startseite meint, dass “Deutschland gerade jetzt eine starke Frau an der Spitze braucht“. Der CDU-Schatzmeister Eckhard von Klaeden wünscht sich in “schwierigen Zeiten eine klare und entschlossene Führung”. Hendrik Wüst sagt, wir bräuchten eine “starke Kanzlerin” und “Wir brauchen Profis statt Populisten”. Mehr nicht.

Beinahe am Rande der Verzweiflung habe ich mich durch das Portal geklickt, in der Hoffnung darauf, dass mich jemand mitnimmt und mir sagt, was er oder sie denn nun von der Höhe der Steuern hält. Von den Netzsperren. Was am besten für die Wirtschaft wäre. Doch ich stieß am Ende nur auf einen Beitrag über ein Fotoshooting für das “Gesicht der teAM Deutschland Kampagne”.

Es scheint so, als hätte ihnen irgendjemand erzählt, dass die Aufmerksamkeit bei bewegten Bildern im Internet am größten ist. Doch zur Beantwortung von Fragen muss man sich – auch als an der teAM-Initiative interessierter – dann anscheinend doch das Wahlprogramm zu Gemüte führen, wenn’s denn mal kommt.

Und nun muss ich der ausgleichenden Gerechtigkeit halber einmal um Eure Kommentatoren-Power bitten. Gibt es ähnliche Freiwilligen-Akquirierungskampagnen von den anderen Parteien? Mir ist nämlich dahingehend keine aufgefallen.

Und noch etwas: Gibt es unter Euch Leute, die sich vom teAM Deutschland angesprochen fühlen? Die sollen unten mal ganz laut “HIER!” schreiben. Dann glaube ich erst, dass der Kram wirkt.

(Vorschaubild: nayrb7, Lizenz)

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6 Kommentare »

  • @irsign said:

    Ich höre gerade das erste Mal von teAM Deutschland. Aber wer verkauft denn auch heutzutage schon noch Inhalte. :/ Schade, die Partei, die mal mit konkreten, realistischen (!) Inhalten wirbt, die wähle ich dann.

  • Rouven (author) said:

    Oh doch, die sind schon präsent. Die Teams gibt es auch auf lokaler Ebene. Aber das gehört jetzt nicht hierhin.

  • Knattertons Erben said:

    Normalerweise gibts doch immer pickelige Pennäler mit JU-Zugehörigkeit als “Unterstützerteams” … wer erinnert sich noch an die dümmliche Präsenz der “MzB”-Truppe (MzB = Meyer zu Bentrup)…

  • Rouven (author) said:

    @MemoRex: Pass auf, ich habe gemerkt, dass dein Zitat aus “Mein Kampf” ein satirischer Vergleich war. Du hast es zwar nicht so markiert, aber im Kontext kann ich es nicht anders auffassen. Serdar Somuncu tut dies ja ebenfalls.

    Da ich mir aber absolut nicht sicher bin, was die Rechtslage bezüglich des daraus Zitierens sagt (bin doch kein Anwalt!), hab ich den mal gelöscht.

    Vielleicht kannst Du noch einmal paraphrasieren, was Du meinst, ohne dieses Zitat zu verwenden?

  • MemoRex said:

    Paraphrasen dazu kann man in jedem guten Lehrbuch für erfolgreiche Werbung nachlesen.

    (die galt in D ja auch lange als böse Manipulation).

  • Rouven (author) said:

    @MemoRex: Na gut. Derlei Werbe-Lehrbücher besitze ich leider nicht. Vielleicht hat ja Mischa sowas. Muss ich mal fragen.

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