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Mi, 01.07.2009 | Rouven Ridder18 Kommentare

Ihr werdet alle sterben. Alle!

Verzeiht mir diesen etwas martialisch klingenden Titel. Aber jetzt ist Michael Jackson schon fast eine Woche in den Pophimmel aufgefahren und das mediale Echo findet immer noch kein Ende. Bei einem Ableben wie dem seinen verhält es sich aber auch etwas anders als bei dem anderer Stars und ich besitze sogar eine leichte Ahnung, woran das liegen könnte.

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Fangen wir einmal so an: Es ist schon ziemlich auffällig, wie oft die Leute in den letzten Tagen davon berichten, was sie damals™ so alles getan haben oder – Pathosalarm – empfinden, dass mit seinem Tod ein Teil ihrer Kindheit gestorben sei. Auch ich ließ mich schließlich dazu hinreißen, von meinem alten Universum-Walkman zu erzählen.

Mit „damals™“ und „früher™“ ist dabei meistens die Blütezeit des Jacko gemeint, die 1980er Jahre. Fast alle sind sich einige darüber, dass er nicht nur künstlerisch danach abgebaut hat. Das Interesse an Michael Jackson verflog selbst bei den früher hartgesottenen Fans, in einer ständigen Tendenz nach unten, abnehmend mit der Qualität der Musik und womöglich noch befördert durch die persönlichen Skandale. Viele – und auch ich – haben ihn überhaupt nicht mehr wahrgenommen.

Der plötzliche Tod ist aber die absolute Singularität dieser abnehmenden Tendenz. Jetzt kommt definitiv nichts mehr von ihm.

Beim Tod eines Menschen – heißt es so oft schwülstig – fühlen wir uns unserer eigenen Sterblichkeit bewusst. Hier verhält es sich aber noch etwas anders. Indem wir uns daran erinnern, wie unsere Lebensumstände seinerzeit gestaltet haben, merken wir obendrein, wie schnell menschliche Lebenszeit vergehen kann. Ich meine: Ich und mein Walkman zu Jackos Spitzenzeiten sind über 20 Jahre her. ZWANZIG! Vanitas vanitatum. Zwei Dekaden an uns vorübergebrettert, einfach so. Andere Leute sollen in einer solchen Zeitspanne Kinder großziehen, habe ich mal gehört.

Das sind ganz furchtbare Gedanken, die einen dann einholen. Es schieben sich Wolken vor die Sonne. Beschimpft mich bitte mit „Alter Sack!“, damit ich wieder zu mir komme.

Aber halt: Ein gutes haben die Erinnerungen neben diesen bösen Gedanken dann doch: Aufgrund Helmut Kohls medialer Allgegenwärtigkeit hatte ich bislang stets konstatiert, die 1980er seien ein sehr graues Jahrzehnt gewesen. Das stimmt ja gar nicht. Guckt Euch einmal Jacksons Musikvideos an.

Und jetzt ist es erst einmal gut.

Aber apropos Walkman:

Der Walkman wurde vor mittlerweile 30 Jahren erfunden. Da einige von Euch vielleicht gar nicht mehr wissen, wie so ein Ding aussieht und es funktioniert, lege ich Euch dieses Video von einem Stiftung Warentest aus dem Jahr 1985 nahe. Darin seht Ihr ganz nebenbei fantastische Beispiele der damaligen Topmode (ok, hier gilt wieder: graue Eighties).

Sollte es Euch einmal geschehen, dass Ihr so ein Gerät wieder in die Hand bekommt, könnte es Euch wie diesem 13-jährigen Jungen ergehen, der seinen iPod für eine Woche dagegen eintauchen sollte. Eines seiner Resumés: „It took me three days to figure out that there was another side to the tape.”

EDIT 02.07.09:

Die donnerstags erscheinende ZEIT musste – wie zu erwarten war – in ihrer Printausgabe einiges nachholen. Aber auch dort lässt sich der Autor Joey Goebel zu Rückblicken hinreißen:

[...] Es wurde mir nämlich klar, dass wieder ein Stück meiner Kindheit verschwunden war. Für viele meiner Altersgruppe ist bereits der Gedanke an die Achtziger tröstlich, weil wir damals Kinder waren. Wir wurden von den Schlümpfen geweckt, gingen mit Johnny Carsons Talkshow zu Bett, und irgendwann im Lauf des Tages hatte unweigerlich Michael Jackson einen Auftritt. Ein Beleg dafür, wie sehr meine Generation dieses Jahrzehnt verehrt: Zwei der teuersten Kinofilme dieses Sommers basieren auf weiter nichts als den Spielzeugen, mit denen wir uns damals beschäftigten, Transformers und G.I. Joe.

Und so sagte ich zu meinen Studenten: »Jetzt sind die achtziger Jahre offiziell tot.« [...]

Link

(Bild: tleonard1, Lizenz)

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18 Kommentare »

  • meistermochi said:

    halthalthalt: die 80er waren pastell, quergestreift und mit hang zum glitzernden, exotischen.

    dass kohl vor allem für troddeln an der wohnzimmerlampe stand, kann daran nichts ändern.

  • Rouven (author) said:

    Roland Aulitzky von der Stiftung Warentest würde eher wieder die Grau-Theorie stützen.

    Vielleicht gab es jenseits des Atlantiks andere Vorlieben, Deine Kategorien scheinen mir nämlich sehr miamivice-esque zu sein.

  • meistermochi said:

    zugegeben widme ich mich nicht besonders anti-atom-demos, matsch und sorgen. aber michael ist tot! muss das nicht erstmal reichen?

  • Bob der Blogmeister said:

    …und ich dachte ich wäre der einzige Junge mit einem schon damals uncoolen Universum Walkman

  • Rouven (author) said:

    @Bob: Nein, nein, Du warst nicht allein. Was Musiktechnik anbelangt, musste ich damals mit den billigen Sachen aus dem (ein Tusch!) Quelle-Katalog Vorlieb nehmen.

    Meine allererste Universum-Stereoanlage steht jetzt hier bei uns in der Küche und (ein zweiter Tusch) funktioniert.

  • little james said:

    Ich denke bei 80er auch eher an Neon (die Farben, nicht die Zeitungen), Nena, Cindy Lauper, Karottenhosen und viel buntglittertrash.
    Mache drei Kreuze, wenn der Hype um MJ’s Tod abflaut. Schreibt Elton John eigentlich noch einen Song für die Beerdigung?
    Übrigens ist es noch gar nicht so lange her, dass ich Mixtapes aufgenommen habe. So richtig 90 Minuten mit Liebe füllen. Heute ist das schneller und einfacher gemacht. Aber früher war so ein Mixtape einfach noch viel besser. Aber einen Walkman hab ich auch schon lange nicht mehr in der Hand gehalten. Erinnere mich dennoch an das Leiern der Kassetten…

  • Rouven (author) said:

    @little james: Ich glaube, Neon und Trash bildeten damals eher die Ausnahmen. Dafür wurden so Formaten wie “Formel Eins” oder der “Hitparade” zuwenig Platz eingeräumt. Glaubt mir, Kinners, grau war der Alltag.

    Mit so Spielereien wie Mixwidget lassen sich immerhin die damaligen Mixtape-Eindrücke etwas reanimieren. Die sollten aber noch daran arbeiten, ein Leier-Feature für die Authentizität mit hineinzubauen.

    Was Elton John derzeit macht, weiß ich nicht.

  • DavidBoring said:

    zum Foto zitiere ich mal aus dem famosen Popbitch-Newsletter:

    Supercrass writes from LA:
    “On the corner of Hollywood and Vine sits a star
    along the “Hollywood Walk of Fame,” with loads
    of flowers, candles and pictures, surrounded by
    fans of Michael Jackson. (Pictured in almost
    every newspaper this morning). The star they have
    been surrounding all day is marked with the
    name, Michael Jackson. But the star does not
    belong to The King of Pop, it belongs to British
    born radio host Michael Jackson, who has been
    an L.A. radio personality for over 30 years.
    Seems the other Michael Jackson’s star has
    been covered since early Thursday morning.
    Covered by a red carpet. A red carpet
    leading to The Chinese Theatre Hollywood
    premiere of Bruno.”

    ich plane übrigens am freitag ein mixtape zu verschenken, hoffentlich hab ich noch zeit zum cover basteln und was da alles zugehört

  • Rouven (author) said:

    @David: Über den falschen Stern hatte ich ebenfalls irgendwo gelesen. Aber ich fand das Bild so schön. Außerdem hat es eine CC-Lizenz. Wenn das mal kein Grund ist.

  • DavidBoring said:

    noch was zum thema walkman – dass der discman absoluter quatsch war und als treppenwitz der technologischen evolution gehandelt wird, das wird wohl niemand bestreiten. der erste mp3-player für den massenmarkt erschien laut wikipedia 1998, bezahlbar wurden die dinger wahrscheinlich 5 bis 7 jahre später – dh ich hatte zu der zeit meines zivildienstes (99/00) noch (und auch jetzt immer noch) einen walkman. jetzt wirds verrückt ich habe eine kassette von damals auf die hatte ich mp3s aufgenommen. die waren, glaube ich, bei napster oder einem ähnlichen anbieter damals runtergeladen.
    es handelte sich dabei hauptsächlich um live-songs (viele cover) oder seltene b-seiten.

  • Rouven (author) said:

    “ich habe eine kassette von damals auf die hatte ich mp3s aufgenommen.”

    Ich fass es nicht…

  • meistermochi said:

    kennt noch jemand die minidisc?

  • DavidBoring said:

    auch hier nochmal der fotobeweis:
    http://twitpic.com/8y8a3

    durch meine pixel-kamera sieht es zwar so aus als wäre das “mp3″ nachträglich gephotoshopped, aber ich versichere euch, ich habe das ding gerade unterm bett hervorgesucht

  • Rouven (author) said:

    @meistermochi: Ich musste tatsächlich gerade noch einmal danach googlen ;-)

    @David: Bist’n echter Retro-Held. Also einer, der es offensichtlich auch lebt ;-)

  • Randy said:

    Viele wissen es nicht.. leiernde Kassetten kann man verhindern indem man sie einmal komplett umspult, also bis zum ende spulen und dann wieder zurück. Damit ist das Band gleichmäßig aufgetüddelt und die Gleichlaufschwankungen werden minimiert. Damit verlängert man theoretisch sogar die Batterielaufzeit, da der Motor nicht so kämpfen muss. Blöd ist es nur, wenn man im getüddelten Zustand aufnimmt, weil man dann die Schwankungen für immer aufs Band gebannt hat.

    Und ich verstehe echt nicht warum Minidisc keinen großen Erfolg hatten. Kratzfest, wiederbeschreibbar und einen echt netten Kompressionsalgorhythmus in einem schicken Handy-Format. Was will man mehr?

    In dem Bericht zu den Kopfhörern der Walkman wird darauf hingewiesen, dass man durchaus in gute Kopfhörer investieren könnte, was heutzutage (parallele zu Mp3 Playern) leider immer noch nicht anders ist.

  • Rouven (author) said:

    @Randy: Jetzt geht’s aber enorm weit weg vom Topic.

  • randy said:

    sind Kommentare nicht dafür da?

  • Rouven (author) said:

    Sich vom Thema zu entfernen? Öhm.

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