Cyberwar mit Twitter für Teheran
Das Thema Proteste im Iran hatten wir hier noch nicht angesprochen. Es brannte mir immer unter den Fingernägeln, aber ich schreckte – zugegeben – etwas vor meiner Ahnungslosigkeit diesbezüglich zurück. Wie schnell man sich darüber in die Nesseln setzen kann, davon kann man im hervorragenden Beitrag von Don Dahlmann hier lesen.
Nun aber zu etwas ganz anderem.
Mir begegnet soeben der bestimmt dritte Hinweis darauf, dass man den Twitterern in Teheran etwas Schutz gewährleisten kann, indem wir die Ortsangaben unserer Accounts abändern. So heißt es zum Beispiel bei Netzpolitik:
Man solle im Twitteraccount unter der Rubrik Ort «Teheran» eingeben, da die iranischen Sicherheitskräfte Twitter nach Ortsangaben durchsuchten und so die tatsächlichen Aufrührer schwerer zu identifizieren seien.
Natürlich muss dabei bedacht werden, dass sich die dortige Hauptstadt international “Tehran” schreibt (für die Angabe “Location”).
Warum diese (nicht besonders große) Mühe?
Laut den Ruhrbaronen benutzen Iraner Sicherheitskräfte die Suchfunktionen für Ort und Zeitzone, um Bloger und Twitterer aufzuspüren. Und durch diese Umstellung wird die Suche deutlich erschwert bis nahezu irrelevant. Ein kleiner Test bestätigt: Diese Suchergebnisse können fast alle unmöglich aus Teheran stammen.
Ob die Gründe für die Aktion ihre Richtigkeit haben, weiß ich nicht. Aber es klingt auf jeden Fall sehr schlüssig. Und darum habe ich meinen Account ebenfalls umgestellt. Ich bin jetzt erst einmal – bis auf weiteres – Iraner.
Inwiefern man den vielen Berichten über Twitter, YouTube und Co. aus Teheran Glauben schneken kann, das ist zunächst einmal eine andere Geschichte. Diese Sache hier könnte Menschenleben schützen. Das ergibt auf jeden Fall Sinn und hat Vorrang.
Mehr: Cyberwar guide for Iran elections
(Vorschaubild: harrystaab, Lizenz)
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Wie wär’s denn, wenn die Iraner einfach ihren Ort ändern oder löschen, wenn sie nicht gefunden werden wollen. Bzw. ist anonym Twittern auch nicht so kompliziert.
Diese Aktion sieht mir doch eher nach Solidarität aus und ist damit begründet genug. Die weitere Argumentation erscheint mir ziemlich hanebüchen (und in ihrem Anliegen auch kontraproduktiv, denn so findet sich niemand mehr zurrecht, nicht nur die iranischen Systembeschützer).
Selbst wenn es nur aus Solidarität geschieht, ist das doch bereits ein gutes Signal.
Ich habe noch einen Kommentar zum gleichen Thema bei nerdcore.de gefunden, der evtl. erhellender ist:
“Also so wie ich das verstanden hatte, gings darum, iranische Blogger zu sperren und dadurch, dass alle ihre Zeitzone und Hometown umstellen, soll es den Behörden schwerer gemacht werden, die wirklichen iranischen Blogger ausfindig zu machen und deren Seiten zu blocken.”
Frag mich jetzt bitte nicht, ob die Aktion hierzu geeignet ist. Außerdem wird unter dem oben verlinkten Artikel bei BoingBoing darum gebeten, keine Nachrichten mit hashtags #iranelection zu versenden:
” 1. Do NOT publicise proxy IP’s over twitter, and especially not using the #iranelection hashtag. Security forces are monitoring this hashtag, and the moment they identify a proxy IP they will block it in Iran. If you are creating new proxies for the Iranian bloggers, DM them to @stopAhmadi or @iran09 and they will distributed them discretely to bloggers in Iran.
2. Hashtags, the only two legitimate hashtags being used by bloggers in Iran are #iranelection and #gr88, other hashtag ideas run the risk of diluting the conversation.”
Auf diese Weise soll gewährleistet bleiben, dass, sofern man nach eben diesem Tag sucht, man auch Nachrichten bzw. Tweets aus dem Iran abrufen kann. Das wäre jetzt vielleicht ein bisschen kompliziert gewesen, das alles aufzudröseln, aber mit der “Location-Einstellungsdeckung” ist auch bestimmt erst einmal geholfen.
Und wenn es – wie gesagt – bloß zum Zeichen der Solidarität ist
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