Sexing Bielefelder
Die Arbeitswelt kreiert mitunter ganz merkwürdige Berufsbilder. Soeben bin ich [hier, via Chris] auf diesen kuriosen GIF-Loop gestoßen und ich fühlte mich an die Erzählung eines Freundes (der wiederum jemanden kennt, der wieder jemand anderen kennt usw. usf.) erinnert: Es gäbe Menschen, die die Aufgabe hätten, den lieben langen Tag männliche und weibliche Küken auseinander zu sortieren, sogenanntes “Sexing”.
Angeblich gibt es nur wenige Menschen, die in der Lage sind, das Geschlecht von jungen Küken auszumachen. Aber man stelle sich das einmal vor: Stundenlang kleine, niedliche Küken umzudrehen und ihnen wohin zu gucken. Diese Leute müssen irgendwann unter schweren Neurosen, wenn nicht sogar Psychosen, leiden. Die Gespräche zuhause möchte man sich am liebsten auch nicht ausmalen: “Hallo Schatz. Wie war’s auf der Arbeit heute? Viele Kükenpenisse entdeckt?” Die Ärmsten.
Stellt man allerdings einmal die Frage, aus welchem Grund diese Tätigkeit überhaupt als nötig angesehen wird, beguckt man sich die Chicken McNuggets künftig mit etwas gemischten Gefühlen:
Die Hähne, von der Natur nicht zum Eierlegen bestimmt, taugen auch nicht zur Fleischmast, weil das Federvieh auf Legeleistung getrimmt ist. Die Hahnenküken sind für die Brütereien schlicht Abfall. Sie werden mit Kohlendioxid vergast oder lebendig im »Homogenisator«, einer Maschine mit rotierenden Messern, zu Brei zermatscht. EU-weit entsorgen Legehennen-Produzenten so jährlich rund 300 Millionen »Eintagsküken«.
Das Zitat stammt aus der ZEIT aus dem Juni 08 und darin wird von Verfahren berichtet, mit denen künftig das Geschlecht bereits im Ei-Zustand erkannt werden soll. Wie weit man mit der Entwicklung ist, ist mir nicht bekannt.
Bis dahin können aber einige der Sortierer vor psychischen Schäden bewahrt werden. Und hier erschließt sich der Sinn dieses sonntäglichen Kuriositäten-Blogbeitrags, denn in einem entsprechenden Forum bin ich auf folgende Empfehlung gestoßen:
Früher und sicherer erkennt man als Normalsterblicher das Geschlecht nur bei den sogenannten “kennfarbigen” Rassen oder Hybriden, z.B bei Bielefeldern, oder auch bei dem (sehr zu empfehlenden!) neuen KolbecksMoorHuhn
Die “Bielefelder” wieder! Es ist zwar nur eine Namensgebung, aber durch die leichtere Unterscheidbarkeit befördern wir bessere Arbeitsbedingungen rund um den Globus. Und haben die Gewissheit, dass bei den Kükensortierern dieser Welt zuhause gelächelt werden kann: “Ja, Schatz. Es lief heute wieder gut bei der Arbeit. Dank der “Bielefelder”!”
Einen schönen Sonntagabend noch.



















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