Gurkensalat à la EU
Ein 94 Zentimeter langer Streifen Papier mit 31 Parteien darauf wird am Sonntag so manchen Bürger überfordern. Sollten die Wahlkabinen nicht inzwischen vergrößert worden sein, wird es so manches Geraschel geben, zumal einige Zielgruppenangehörige wie z.B. Rentner sich vorkommen dürften wie vor der Wahl zwischen der Judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa.

Noch immer denken viele Leute bei der EU an die Sache mit der Gurke. Oder denken im Ärger an sie, wenn sie im Laden immer noch alles in D-Mark umrechnen. Doch ist sie wirklich der Verein, der nur dafür da ist, damit sich die Staatsoberhäupter ab und an mal treffen, um unter sich auszumachen, ob Berlusconi, Sarkozy oder Merkel am sexiesten vor der Kamera wegkommen?
Ist sie nicht. Die EU hat höchstwahrscheinlich sogar mehr Einfluss auf unser Leben als bloß bei Energiesparlampenpflicht, Butterpreisen und dem angenehmen Umstand, „etwas schneller über die Grenze zu kommen“. Es darf nicht vergessen werden, dass es mittlerweile eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik gibt, die einzelnen Staaten sind dazu angehalten, EU-Richtlinien zu erfüllen (siehe EU-Abgasnormen) und auf dem wirtschaftlichen Sektor aus Brüssel ebenfalls mitbestimmt wird (z.B. bei Unternehmenszusammenschlüssen und Subventionen). Trotzdem geht kaum einer hin. Bei der letzten Parlamentswahl im Jahr 2004 soll es beinahe nur jeder dritte Wahlberechtigte gewesen sein. Zwei Drittel legen sich wieder hin oder stehen nach der Party vom Vortag lieber gar nicht erst auf.
Das hat zur Folge, dass in dem eh nicht ganz so mächtigen Parlament (besitzt keine Gesetzesinitiativmacht wie der Bundestag) seit Längerem eine stillschweigende, große Koalition existiert, die abwinken oder ablehnen kann, wie sie lustig ist.
Um dem vermeintlichen Politikverdruss entgegenzuwirken, gibt es im Netz viele Initiativen, die versuchen, dem einfachen Menschen mit viel Distanz zur letzten Politikstunde die EU und deren Funktionen näherzubringen. So zum Beispiel das Video von instantknowhow auf YouTube (zwar für Ösis gedacht, aber hey, ist ja auch Europa):
„Nette Idee“, dachte sich auch der FOCUS und produzierte sein eigenes Internetvideo. Dort wurden hierfür Playmobilfiguren verwendet, zwischendurch war man sich aber nicht zu schade, ganze Sequenzen aus dem oberen Ösi-Video (ohne Nennung) mit hineinzuschneiden: Zum Video hier entlang.
Ob mit bereits fester Meinung oder mit Wahl-O-Mat-Empfehlung: Bekommt Ihr am Sonntag Euren Hintern hoch? Andererseits nehmen wir auch gerne hier Vermisstenmeldungen entgegen, falls sich jemand nach dem Wahlgang wegen der Verhedderungsgefahr im Stimmzettel nicht mehr zurückmelden sollte.
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Hab schon gewählt…. Briefwahl!
Und dieser Zettel ist echt…. lang… meine Fresse.
Die Europawahl 1994 war die erste bei der ich in D wählen durfte, damals hatte ich nämlich nur einen griechischen Pass, und insofern werde ich wie jedes Mal wählen gehen. Wenn man mal nicht wählen darf oder extra fliegen müsste, ist man froh, wenn man mitbestimmen darf. Manche wissen das gar nciht zu schätzen. Der Wahlomat und ich sind uns da meistens auch einig was das kleinste Übel/die kleinsten Übel ist/sind. Die Euphorie/Illusion der Mitbestimmung ist dann ja doch irgendwann der Realität gewichen. (Ich frage mich gerade, ob ich mit zwei Pässen eigentlich 2 mal wählen darf…)
mir macht der wahl-o-mat und das ergebnis der piratenpartei noch angst
@Timo
Dann schau die doch mal die Videos am Ende dieses Artikel an:
http://www.esgibtsie.de/?p=491
Hey,
vielen Dank. Sehr interessant…
(=
Die Sache mit der Gurke ist übrigens das beste Beispiel dafür, wie EU-Politik ins Lächerliche gezogen und als bürokratisch abgestempelt wird, indem man ein paar Fakten einfach mal weglässt.
1. Die Verordnung schrieb lediglich vor, wie eine Gurke beschaffen sein muß, um als “Handelsklasse 1″ ausgezeichnet zu werden, was nicht bedeutete, daß stärker gekrümmte Gurken nicht hätten verkauft werden dürfen.
2. Omma Lunze kann es tatsächlich egal sein, wie krumm die Gurke vom Wochenmarkt ist, die sie gerade gekauft hat. Jemand, der allerdings Tausende davon maschinell verarbeiten muss, wird das sicherlich anders sehen.
Manchmal kann es ganz hilfreich sein, wenn man über den eigenen Tellerrand hinaus schaut.
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