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Fr, 20.03.2009 | Mischa-Sarim Verollet3 Kommentare

Die Garage meines Opas

In Clint Eastwoods Meisterwerk GRAN TORINO – und Nilzenburger hat mit jedem Buchstaben seiner Rezension Recht: “Ein großer Film! (…) Das mit Abstand erfrischenste, was ich seit Jahren gesehen habe. Das hat mich mitgerissen.”, darüber hinaus mit dem wahrscheinlich schönsten Filmplakat der letzten Zeit ausgestattet -, auf jeden Fall gibt es diese eine Szene, die mich – abgesehen von anderen großen Szenen dieses wahrlich tollen Films – schlucken ließ.

Walt Kowalski zeigt seinem unfreiwillig delinquenten Nachbarn seine Garage, eine Garage, wie sie alte Männer haben, eine Garage, in der jede Wand mit ordentlich sortiertem Werkzeug gespickt ist und überquillt. Eine Garage, wie Großväter sie haben. Eine Garage, wie mein Großvater sie hatte. Die Szene ließ mich schlucken, erinnerte sie mich doch an ihn.

Ich habe meinen Großvater für vieles gehasst, und für manches hasse ich ihn, der er vor etlichen Jahren verstarb, noch heute. Ein Mann, der diesem Walt Kowalski in GRAN TORINO nicht unähnlich war, etliche Wesenszüge teilte, bis hin zur Tatsache, sich erst kurz vor seinem Tode zu einem Versöhnungsversuch mit seinem Sohn hingeben zu können. Ein Mann, der mir immer fremd war, Großvater auf dem Papier, aber eigentlich nur Herbergsvater während der Ferienzeit. Ein Mann, von dem ich wusste, wie er meinen Vater behandelt hatte. Ein Mann, in dessen Gegenwart ich oft die Faust in der Tasche geballt habe.

Es hat bis heute abend gedauert, bis GRAN TORINO von Clint Eastwood, bis ich diese eine, andere, menschliche Seite an meinem Großvater entdeckt habe. Als ich die Garage im Film sah, wurde mir vieles klar, nicht klar wie eine frischgeputzte Scheibe, eher wie ein beschlagenes Glas, das mittels Heizung langsam seine gaußsche Weichzeichnung verliert. Die Welt war noch nie schwarzweiß, und mein Opa war es mit Sicherheit auch nicht. Das ist vielleicht, von außen betrachtet, eine banale Wahrheit. Aber manchmal dauert es siebenzwanzig Jahre oder zwei Stunden großes Kino, bis es ankommt. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, etwas damit anfangen zu können. Aber es ist ein Anfang. Dafür danke ich dir, Clint.

(Teaserfoto: rezavoody, Lizenz)

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3 Kommentare »

  • el gato said:

    i told you twice, that this movie is unstopable, but your aussage with the gausschen weichzeichner aufgebhoben after beschlagene scheibe with heizunk oder so ist mindestens genauso so better.

    so. weiter las ich nicht.
    wer gran turino nicht so, der wird 1000000 dollar kind never verstehen und umgekehrt

  • Rouven said:

    In welchem Kino hast Du den Film gesehen?

    Ich war gestern Abend im Cinemaxx und es war eine der schrecklichsten Vorstellungen, die ich je mitgemacht habe. Nicht wegen des Films (der war toll), sondern wegen des Publikums, das offensichtlich die Drama-Codes nicht ganz verstanden hatte.

    Sprich: Es wurde im Saal bei jeder Beleidigung, die sich die Figuren an den Kopf warfen, derart laut gelacht und gejohlt, dass ich die Dialoge teilweise gar nicht verstanden habe.

    Gab’s vorab irgendwelche Trailer, die durch ihren Zusammenschnitt den Film als Komödie hätten erscheinen lassen?

  • Mischa (author) said:

    Oh Gott, das hört sich furchtbar an :( das kann einem wirklich jeden film vermiesen… ähnliches berichtete markus auch aus “watchmen”. schlimm. umso schöner, dass du dem film dennoch ein positives fazit abgewinnen konntest!!!

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