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Fr, 13.03.2009 | Rouven RidderKein Kommentar

Die “Mit-dieser-Nachricht-kann-ich-nicht-allein-sein”-Skala

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Vorgestern wusste ich nicht so recht. Nebenan hatte ich erst “etwas Lustiges” gebloggt, dann habe ich die Nachrichtenseiten geöffnet, mir fiel die Kinnlade herunter und dann nichts mehr ein.

Ich überlegte, wie ich die Ereignisse in Winnenden beschreiben würde, aber jedes Adjektiv schien nicht zu passen, auch, wenn es die Worte “dramatisch” oder “tragisch” waren. Mir fiel dann auf, dass ich ebensowenig davon sprechen durfte, “betroffen” zu sein, denn schließlich gehörte ich weder zu Opfern noch zu Angehörigen. “Ein wenig schockiert” wäre korrekter, wenn auch nicht dergestalt, dass ich plötzlich zur Salzsäule erstarrte. Denn immerhin habe ich mit einigen Leuten darüber gesprochen, und es kommt nicht oft vor, dass ich mit Leuten über Nachrichten rede, und das, obwohl ich nicht einmal Vater von zur Schule gehenden Kindern bin. Und für Analysen bin ich ebenfalls nicht der richtige Ansprechpartner. Weder bin ich Kriminologe, noch Psychologe oder gar Counterstrikespieler.

Je gravierender oder vielleicht auch bedrohlicher der Inhalt einer Nachricht mir erscheint, desto eher habe ich das Bedürfnis, dieses jemandem zu erzählen. Vor einer Weile habe ich einmal etwas über eine Formel zur Ermittlung eines Nachrichtenwerts gelesen. Diese war mir aber zu abstrakt und akademisch gehalten, fast wäre es etwas makaber, im Zuge dieser Ereignisse mit Mathe und Wirkung auf das Publikum zu kommen. Gestern hatte ich dann die Idee von einer persönlichen, für mich allein bestimmten “Mit-dieser-Nachricht-kann-ich-nicht-allein-sein”-Skala, beispielsweise von eins bis sieben gehalten. Die sieben Grade sind hierfür nun natürlich völlig willkürlich gewählt, es könnten ebenso gut fünf oder neun sein. Doch zur ersten Veranschaulichung soll es genügen, hauptsache, ein Mittelwert für die durchschnittliche Tangierung ist vorhanden.

Bei einer 1 würde ich Neuigkeiten der Art “Oma Dornbergs Katzenhospiz erhält einen Scheck über soundsoviel Euro” einordnen. Ich habe zu Katzen ein nur virtuell gutes Verhältnis und eine Geldspende für einen solchen Verein ist allenfalls, naja, O.K. für die dort Miauenden.

Das vorgestrige Ereignis in Winnenden bekäme von mir den Mittelwert. Wie gesagt, ich habe dabei etwas empfunden und es hat mich zur Kommunikation bewegt. Dem Amoklauf in Alabama würde ich fast schon einen Wert darunter geben, weil: Weiter weg geschehen und eine Nachricht wie aus den USA mittlerweile gewohnt, so traurig sich das jetzt auch schreiben lässt.

Das Geschehen am 11.09.2001 muss eine 6 erhalten, wenn nicht sogar zwischen 6 und 7. Damals benötigte ich unbedingt jemanden in meiner Nähe. Man wusste schließlich nicht, was als nächstes passierte. Von Krieg bis Weltuntergang war alles denkbar, die liebsten Menschen wollte man irgendwie bei sich wissen, wenn vielleicht auch lediglich telefonisch möglich.

Die definite 7 erhielten nur Anzeichen der kommenden Apokalypse. Wird die erste Bombe gezündet, fürchtet man schließlich bereits die nächsten Explosionen. Den Untergang der Menschheit möchte bestimmt niemand alleine oder womöglich sogar auf der Arbeit verbringen. Ich glaube, es war Jim Morrison, der einmal geäußert hatte, bei den ersten Anzeichen des absoluten Endes würde er gerne “goldene Begattungen” in den Straßen sehen.

Ich finde, die Redaktionen könnten ruhig einmal mit meiner “Mit-dieser-Nachricht-kann-ich-nicht-allein-sein”-Skala arbeiten, ich stelle sie gerne zur Verfügung. Sie ist den freien Mitarbeitern und Praktikanten bestimmt einfacher zu vermitteln als die Theorie vom Nachrichtenwert (ach guck, da ist sie ja).

(Foto: edenpictures, Lizenz)

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