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So, 15.02.2009 | Rouven Ridder2 Kommentare

Die Gefahren im Internet

StudiVZ, Facebook, YouTube, zahlreiche Blogs und viele andere virtuelle Plattformen. Klar, dass zahlreiche Eltern, die mit dem Internet nicht viel zu tun haben, skeptisch sind, wenn ihre Kids Stunden vor dem Rechner verbringen.

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Wenn dann noch Berichte über Selbstmorde durch Cyber-Mobbing kursieren, Stalking im StudiVZ an der Tagesordnung zu sein scheint oder die Familienministerin von der Leyen mit ihrem populistischen, angeblichen (siehe hier und hier) Kampf gegen Kinderpornographie in den Nachrichten präsent ist, dann wird den einen oder anderen Erzeugern mulmig bei dem Gedanken, ihre Kinder könnten sich im Netz z.B. einen Virus fangen.

Auch in Bielefeld gab es vor Kurzem im Rahmen eines „Medientags“ den Start einer Aktion namens „Surfen mit Sin(n) – Sicherheit im Netz“. Die örtliche Presse berichtete hierzu: „Unter Federführung [...] vom Kommissariat Vorbeugung der Polizei Bielefeld sollen Schüler, Eltern und Lehrer über die Gefahren des Internets aufgeklärt werden.“ Was dieser Ansatz bei den Ressentiments der älteren Generation anrichtet, sieht man dann, wenn man sie „zum PC-Nutzungsverhalten von Kindern“ befragt. So meinte eine Lehrerin, die auf dem Foto deutlich kurz vor dem Pensionierungsalter zu stehen scheint: „Kinder sollten nicht mehr als eine Stunde täglich vor dem Computer verbringen.

Internet! Das Teufelszeug! Gelegentlich stelle ich mir die Frage, was manche Leute glauben, wozu Computer und das Netz in der Lage sind. All denen, die in den 1980er und 1990er Jahren zu viele Science-Fiction-Filme gesehen haben, sei an dieser Stelle gesagt: Über die Tastatur und den Monitor wurde noch niemand vergewaltigt!

Sollte nämlich jemand befürchten, sein Kind würde durch die offene Darstellung von adulten Praktiken im Netz verroht werden, der oder die hat noch nie selbst in’s Internet geguckt oder schaltet es aus Angst vor Vorlieben-Gehirnwäsche nach dem E-Mail-Abruf ganz schnell wieder aus. Um das, was dort tatsächlich in punkto „Adult Content“ auffindbar ist, zu beschreiben, erteilen wir vertretungshalber Malte Welding und seiner ironischen Ader das Wort:

“Im Cyber-Space”, hieß es früher, “da werdet Ihr mit aufregend enganliegenden Datenhandschuhen sexuelle Abenteuer unbekannter Natur erleben. Ihr werdet Euch fühlen wie Europa, die von Zeus in Gestalt eines Stiers beglückt wird.”
Und dann sitzt man vor dem Bildschirm und es ist immer noch ziemlich genau das, was man früher Masturbation nannte und von dem meine Mutter meinte: “Ich nehme da nicht die Position der Kirche ein. Vermutlich wird man nicht blind.”
Sagen wir es ganz offen: Im Guten hat uns der Cyber-Space also ziemlich enttäuscht.

Mit Malte gesprochen: Das Gebotene ist schlicht und ergreifend laaaangweilig und mit real erlebtem Sex selbstverständlich nicht zu vergleichen. „Gefahren“ sind hier höchstens in der möglichen Sucht danach zu finden. Doch die gibt es nicht nur hier, sondern auch in allen anderen Bereichen, vom Fernsehen über das Romane lesen, ja, sogar bis hin zum Essen.

Aber die Gefahren liegen nach öffentlicher Meinung nicht nur in der Möglichkeit, [piep-piep-piep] zu konsumieren: Wer ein Profil in einem Social Network wie StudiVZ anlegt, begibt sich offenbar bereits in Gefahr! Dass die dortigen Profile aber anonymisierbar sind, man diese so einstellen kann, dass sie nur von Freunden einsichtig sind, man darüber hinaus häufige Nachrichten von unliebsamen Störern (Stalkern!!!) auch ignorieren und löschen kann, das fällt dabei meistens unter den Tisch. Denn das Internet ist erst einmal böse. Oder lassen wir Malte noch einmal polemisieren:

Im Cyber-Space, da werden Leute verprügelt, Kinder missbraucht und Jugendliche gemobbt. Gewalttaten, die man sich früher nicht einmal vorstellen konnte, richten sich gegen hilflose Opfer, die sich willenlos von ihrem Bildschirm erniedrigen lassen.

Willenlose Opfer! Lassen sich vom Bildschirm erniedrigen! Wer vor’m Monitor hockend, seinen freien Willen aufgegeben, zombieartig und zufällig Dinge über sich liest, die nicht stimmen, diese dann aber auch für derart voll und ernst nimmt, daraufhin bis zum Suizid vor sich hingrämelt, tja, ist diesen sogenannten Opfern in diesem Fall eigentlich noch zu helfen? Vielleicht sollten sie sich einmal wieder auf dem Schulhof durchprügeln lassen, um zur Besinnung zu kommen.

[K1-Reportagen-Tonfall:] Doch die Realität sieht anders aus! Neulich habe ich – im selben, örtlichen Presseblatt – unter Zuhilfenahme eines F.A.S.-Artikels eben diese Diskussion relativiert:

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So, und nun genug der Selbstbeweihräucherung. Den Artikel, auf den ich mich beziehe, kann man hier – sogar kostenlos – lesen. Bezeichnenderweise trägt er den Titel “Surfen macht schlau”.

Lasst den Kids ihr Internet. Und wenn die „Digital Immigrants“ nicht viel von den Netzwerken, Plattformen, Blogs etc. pp. verstehen: Eure Kinder gehen damit kreativ um und erschaffen damit kunstvolle Dinge. Wer’s nicht glaubt, möge sich Larry Lessigs Vortrag über Creative Commons ansehen.

Links:

FAZ – “Surfen macht schlau”

Malte Welding – “Cyber-Mobbing”
Larry Lessig – “How creativity is being strangled by the law”

(Foto: ChrisL_AK, Lizenz)

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2 Kommentare »

  • Lampe said:

    Ich muss sagen, ein toller Artikel. Beim lesen habe ich zwischendruch kurz vergessen das ich ja bei den Blogboys bin … und nicht auf einem gut gemachten Internetauftritt einer großen Zeitung.

  • Knattertons Erben said:

    Nie war Porno so kostenlos wie heute.
    Und alles zuhause!

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