“The Fall”: Wenn je das Wort berauschend Berechtigung hatte…
Selten, dass man aus dem Kino kommt und denkt: Wow! Das habe ich noch nie gesehen! So geschehen heute abend in SCHMITTIs Sneak Preview (wie macht er das nur immer wieder): Es lief “The Fall” von Tarsem Singh, dem visionären Regisseur des großen-aber-sehr-ansehnlichen Quatsches “The Cell”. Aber während “The Cell” ein ziemlich schlechter Film war, liefert er mit seinem neuen Streifen, an dem er angeblich 17 Jahre gearbeitet hat, ein Meisterwerk, ein Fest der Sinne ab. Wenn je das Wort berauschend Berechtigung hatte, dann hier.
Dabei wird eine Inhaltsangabe diesem Kleinod auf Zelluloid nicht gerecht. Denn die Synopsis – ein Hollywood-Stuntman besticht ein fünfjähriges Mädchen mit einer Märchenerzählung rund um unerfüllte Liebe und Rache um an Morphium zu kommen, wobei sich Fantasie und Realität immer mehr vermischen und immer mehr Personen und Ereignisse aus der realen Umgebung in die Erzählung einfließen, bis die Geschichte davon völlig absorbiert wird – kann nicht annähernd widerspiegeln, was den Zuschauer bei diesem Fest der Sinne erwartet.
“The Fall” wurde in über 20 Ländern gedreht und zeigt Locations – Landschaften wie Gebäude – die man so nie oder selten auf der Leinwand portraitiert gesehen hat. Nicht nur einmal erinnerten mich Einstellungen an Fotografien von Yann Arthus Bertrand oder Andreas Gursky. Dabei ist das Tadj Mahal das einzige wirklich weitflächig bekannte Gebäude in dem Film, wenn man mal von Octopussys Palast oder der Karlsbrücke absieht, die ebenfalls vorkommen. Klar, manches kommt einem bekannt vor, aber die Art und Weise, wie Tarsem Singh Erzählung und Lokationen miteinander verwebt ist atemberaubend und lässt einem bei jeder neuen Einstellung noch benommener im Kinosessel zurück. Egal, ob ein Sonnenuhr-Labyrinth, das Lamayuru-Kloster, eine unfassbare Treppenmauer, die faszinierende blaue Stadt oder das größte Tor der Welt in Indien – Singh schafft Bilder die hängen bleiben und selbst dem notorisch misanthropischen Filmkritiker Schmolli die Sprache verschlagen (vergleicht obige Bilder mal mit Stills aus dem Film). Klar, man kann Singh filmische und erzählerische Taschenspielertricks vorwerfen – aber ist verzaubert werden nicht genau das, was man von Kino erwartet?
Und genialerweise vergisst der Regisseur bei aller Liebe zur filmischen Opulenz das Erzählen nicht. Und das macht er auf eine sehr bezaubernde Art und Weise mit exzellenten und – vor allem in der Gestalt der jungen Laiendarstellerin – herzzereißenden Mimen. Letztendlich ist die Geschichte ein altmodisches Märchen, erzählt mit der Technik von heute und – das fast Wichtigste – der richtigen Prise Humor an den absolut richtigen Stellen, die jedwedem Kitsch vorbeugen und dafür sorgen, dass die schlechteste mir an diesem Abend zu Ohren gekommene Kritik “interessanter Film” lautete. Kurz: “The Fall” ist ein Meisterwerk, und hätten wir nicht erst Februar würde ich mich durchaus aus dem Fenster lehnen und “Film des Jahres” proklamieren. “The Fall” – eine wunderbare Fabel über die Macht der Erzählung und die Schönheit dieses Planeten. Und jetzt schaut euch den Trailer an und lasst euch anteasen:
P.S. Natürlich gab es auch eine Show vorab. Aber SCHMITTI mag mir angesichts dieses atemberaubenden Films verzeihen, dass der Teil diesmal zu kurz kommt. Unterhaltsam war’s allemal. Vor allem die arbeitslose Polin. Kennt ihr noch “We are unemployed, happy happy unemployed”? Genau so!
(Bild aus The Fall von blueelephant)
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klingt nach nem hammer film .. laut imdb kommt er am 5.3. raus .. auf jeden fall anschauen – danke für den tip!
Absolut deiner Meinung!
Vielen Dank für die Karten
Da hab ich ja doppelt Glück gehabt^^
lg, Jasmin
[...] Platz 4 – The Fall [...]
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