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Mo, 26.01.2009 | Rouven Ridder5 Kommentare

American Beauty zu freizügig für NRWs Schulen

Das Wort „Lieblingsfilm“ mag ich nicht leiden. Manchmal ändert sich mein Geschmack beinahe stündlich, was Filme betrifft (so habe ich mich gestern gefreut, online „Secretary“, „Der letzte Tango in Paris“ und „Ninotschka“ an einem Tag aufnehmen zu können). Der Film „American Beauty“ zählt aber tatsächlich zu denjenigen, die ich sehr oft sehen kann. Die irren Ausbruchsversuche von Lester Burnham aus seiner grauen Vorstadt-Midlife-Crisis sind einfach zu komisch anzusehen, als dass ich mich nicht über sie amüsieren könnte.

Erst kürzlich, als die amerikanische Immobilienkrise langsam begann, Auswirkungen zu zeigen, fiel mir ein Zitat aus diesem Film wieder ein. So wird die Tochter Jane eines Abends von Carolyn, Lesters Ehefrau, damit konfrontiert, wie gut es ihr doch ginge: „In deinem Alter wohnte ich in der Hälfte von einem Doppelhaus. Wir hatten nicht mal ein freistehendes Haus!

Sam Mendes Film ist voll von Spitzfindigkeiten und Übertreibungen über die amerikanische (und überhaupt westliche) Doppelmoral, dass es eine wahre Pracht ist. Sobald Thomas Newmans Soundtrack beim Herabsinken der Kamera auf die bürgerliche Straße und Lesters einsetzenden Monolog über seinen baldigen Tod einsetzt, freue ich mich bereits auf die vielen Fragen, die sich beim Sehen des Films auftun: Warum ließen Lester, Carolyn und Jane es soweit kommen? Kann man sich wirklich mit Mercedes M-Klasse, Rosenzucht und freistehendem Haus derart unglücklich fühlen? Und: Wie hätte ihr Leben anders und besser verlaufen können?

American Beauty
gibt genug Stoff für viele Englisch-Schulstunden her und offenbar – was ich nicht wusste – stand der Film auch bisher lange Zeit auf den Lehrplänen in NRW, denn anscheinend bildete er den Stoff für das Zentralabitur. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in den frühen neunziger Jahren mit „Der Club der toten Dichter“ gequält wurde, auf dem Kolleg später sogar erneut. Wie gerne hätte ich doch über Mendes’ Film geredet.

Doch manchem ist der Film offenbar zu freizügig. Ein ehemaliger Lehrer legte beim Schulministerium laut einem Medienbericht Beschwerde ein. Der Spielfilm «American Beauty» sorgt für Debatten in der nordrhein-westfälischen Schulpolitik. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Samstag berichtete, prüft das Schulministerium die Beschwerde eines ehemaligen Lehrers, der das Werk aus dem Kanon für das Zentralabitur gestrichen wissen will.

(link derwesten und wdr, bei SpOn nicht online)

Man beachte bitte den Wortlaut, dass sich hier lediglich jemand beschwert hat und noch nichts in trockenen Tüchern ist. Vieles wird höher aufgebauscht, als es mal wieder ist. Dennoch halte ich die Prüderie für erstaunlich, handelt es sich doch um einen Film, der ab 16 Jahren freigegeben, also für Abiturjahrgänge allemal zugänglich ist. Fast möchte man meinen, die Diskussion käme aus … , naja, einer der Kommentatoren auf shortnews bringt es auf den Punkt:

Jaja, so sind die Amis. Immer Ballerei zeigen, aber kaum sind Brüste dabei wirds schwierig?
Achso, wir sprechen hier von NRW? Kanns mir fast nicht vorstellen, dass jemand diesen Film als zu “freizügig” betrachtet. In welcher Welt lebt der Herr? Geht der auch mit ner Hose duschen oder was?

Laut derwesten heißt es hierzu dann aus den offiziellen Behördenkreisen:

Möglicherweise würden die Abitur-Vorgaben im Fach Englisch für 2011 um einen zweiten Film ergänzt, so dass die Schulen «American Beauty» nicht behandeln müssten, heißt es aus dem Ministerium.

Da stelle ich mir dann eher noch die Frage über die Steifheit der Ministerien. Bedeutet das etwa, dass es nur einen einzigen Film im Zentralabi für Englisch gibt bzw. gab? Ist der offenbar sehr eng gehaltene Kanon so verpflichtend für die Lehrerzimmer, dass er keinen Spielraum zulässt? Man dürfte mich wirklich nicht Lehrer werden lassen, ich hätte da so manche gute Idee für Filmvorführungen: „Ferris macht blau“, „Breakfast Club“,…

(Foto: Editor_B, Lizenz)

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5 Kommentare »

  • Lampe said:

    Jap… alles so eng und verpflichtend das es wirklich keinen Spielraum gibt.

    Ich würde spontan “Fight Club” und “In China essen sie Hunde” vorschlagen.

  • monalila said:

    Hej,

    “American Beauty” IST im Lehrplan für das Zentralabitur in NRW.
    Alternativ (!) kann man auch “The Great Gatsby” behandeln – da ist der Sex dann versteckt ;-)

    (Ich bin Lehrerin und habe mich für American Beauty entschieden. Die Schüler schwanken zwischen Kaputtlachen und Ekel… mal sehen, wie das noch läuft…)

  • anonym said:

    find ich voll knorke

  • anonym said:

    ok

  • monalila said:

    So – das Thema “American Beauty” ist durch. Meine Schüler fanden den Film gut und auch die Analysearbeit war nicht sooo langweilig, wie Unterricht halt manchmal ist (fand ich jedenfalls – und die Schüler haben zumindest nicht durchgängig mit den Köpfen auf den Tischen gelegen *ggg*). Der Film hat echt ne Menge zu bieten.

    Ich finde es erschütternd, dass gesagt wird, dass er für Schüler (OBERSTUFE, wohlgemerkt) nicht geeignet sein könnte. In welcher Welt leben wir denn? In einer, in der man mittags oder sonntagsmorgens schon mehr Nacktheit oder Perversität im TV sehen kann als in diesem Film!

    Meine Schüler fand ich zum Teil erstaunlich prüde. Mit Homosexualität tun sich besonders die Jungen ziemlich schwer, wenn sie darüber reden sollen. Die Mädchen hatten ziemliche Mühe, nachzuvollziehen, wie so ein “alter Sack” (ups – der ist sicher jünger als ich!) sich in ein so junges Mädchen verknallen kann und wie umgekehrt das Mädchen ihn anbaggern kann. Den seltsam anmutenden Ricky und seinen Vater haben wohl trotz vieler Erklärungsversuche nur wenige Schüler verstehen können… Manchen fiel es schwer unter die Oberfläche “brutaler Vater prügelt Sohn” zu schauen. Ich hoffe, dass sie es letztlich kapiert hatten…

    Jetzt darf ich die Ferien mit Korrigieren verbringen…

    Achso – in den letzten Vor-Ferien-Stunden haben wir uns die Curriculumsalternative “The Great Gatsby” angesehen. Der Film wurde zuallererst einmal langweilig gefunden – Gespräche zeigten, dass die Inhalte (“es ist halt nicht alles so, wie es scheint”) sehr ähnlich sind. Noch im Nachhinein waren die Schüler froh, dass ich mich für A.B. entschieden hatte!
    so long

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