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Mo, 05.01.2009 | Mischa-Sarim Verollet3 Kommentare

Äpfel und Birnen, wo eigentlich zwei Äpfel sind

Musik ist ja bekanntlich Geschmackssache, aber sie ist auch und vor allem Schubladen und auch und vor allem Gruppenzwang. Das merkt man auch und vor allem an den Top-Musik-Listen-des-Jahres in den Blogs landauf landab.

Und das merkt man auch und vor allem, wenn man die üblichen Verdächtigen der A-Liste in seinem Feedreader hat und ungefähr schon im April zu erahnen beginnt, welche Bands so am Ende des Jahres möglichst vorsichtig umschrieben werden, ohne das Wort “Kult” auszusprechen, es aber definitiv zu implizieren.

Der Kandidat 2008 für diese Rubrik war das unfassbar nervige Folkgedudel White Winter Hymnal von den Fleet Foxes, dessen Reiz (den Würgreiz ausgeschlossen) sich mir von Anfang nicht erschloss. Zwei Mal gehört und ich hatte eine Meinung: Scheiß Song. Aber irgendein Blog und natürlich die Intro fingen an, dieses Ding rauf unter runterzuloben, und damit war die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Das blogospherische Schneeballsystem nahm seinen Lauf. Folk ist ja ohnehin das längst schon da gewesene nächste große Ding.

Tja, und dann kam Amy MacDonald mit This is the life, ich fing wieder an kotzen und auch hier war sich die intellektuelle Elite der Bloggemeinde wieder einig: Dreck! Dreck, Dreck, Dreck! Und damit hatten sie Recht. Aber: was unterscheidet die gute Amy von dem Soundmatsch der Fleet Foxes? Ich verrat es euch – gleich.

Hier zeigt sich die Ungerechtigkeit der ganzen Welt – da werden fälschlicherweise Äpfel und Birnen gesehen, wo eigentlich zwei faule Äpfel sind, die sich prima vergleichen ließen:

Amy MacDonalds This is the life wird von allen mit Recht gehasst (Zitat des Jahres dazu von Lukas: “Musik für Menschen, die sonst keine Musik hören” – so ist es und nicht anders), gleichzeitig Fleet Foxes White Winter Hymnal von allen zu Unrecht geliebt. Aber: Beide Songs nerven, beide Songs sind todlangweilig, beide Songs sind Folk und beide Songs unterscheidet letztendlich nur ein Detail: Amy ist Major, Fleet Foxes sind Indie, und damit gute Jungs, dafür Amy aber böse. Weil Major. Und weil jeden Tag auf allen Adult-Contemporary-Music-Sendern dieser Welt gespielt. Tolle Wurst! Dafür kann Amy nix, und die Fleet Foxes hatten einfach Glück, nicht auf Radio Bielefeld zu landen.

Versteht mich nicht falsch, Geschmack ist Geschmack, sei jedem gegönnt, aber dieses musikalische Indie-Fascho-Einer-voraus-alle-hinterher-wie-Lemminge-alle-Jahre-wieder-Intellektuellen-Syndrom, das immer irgendein Lied trifft und die musikalische Entsprechung der Emo-Rockabilly-Punk-Skate-Britpop-Uniformen der ach so individuellen Jugendbewegungen ist, dieses “oh mein gott, das finden jetzt alle gut, ich habe ein Herz aus Stein wenn ich diesen Song nicht auch gut finde” widert mich an.

White Winter Hymnal ist Scheiße. So. Ein Blog muss ja mal gegen den Strom schwimmen.

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3 Kommentare »

  • Denis said:

    Viel schlimmer: Ich mag die Ting Tings nicht. Ich finde, “That’s not my name” ist zirka 2 Minuten zu lang.

    Ich mag ein paar Sachen von den Fleet Foxes, wusste aber nichtmal, dass das eine Single war – letzten Endes genauso belanglos wie Amy McDonald. Aber auch genauso wenig schlimm. Du verschwendest nun wirklich kostbare Kotze.

  • Mischa (author) said:

    Ist Bloggen an sich nicht völlig verschwendete kostbare Kotze?

  • markus.freise said:

    @Mischa: Auf jeden!

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