Dicker als Wasser

Spätestens ab Heilig Abend hängen wir alle wieder bei Mama und Papa, besuchen – falls noch vorhanden – Großeltern und weitere Verwandte. Manch einer mag das als ziemlich anstrengend empfinden.
Große Familienfeste sind mir zumindest in der Erinnerung noch bekannt. Seitdem aber einstmals, erst auf mütterlicher, dann erstaunlicher Weise auch auf väterlicher Seite, Erbstreitigkeiten wegen der Häuser von Opa und Oma eingestellt hatten, war es mit den großen Feiern endgültig Essig.
Seit einiger Zeit erlebe ich das absolute Gegenteil, denn ich werde allmählich in die (sehr große) Familie meiner Freundin eingeführt. Dort kam es vor ein paar Monaten vor, dass die Apfelbäume auf Omas Grundstück geschüttelt werden mussten. Zum gesetzten Termin erschienen sage und schreibe 25 Familienmitglieder, und nach getaner Arbeit saß die Runde noch bis in die Puppen am Lagerfeuer und briet Kartoffeln.
Nennt mich sentimental, nennt mich romantisierend. Aber ich bin derzeit fasziniert von diesem Zusammenhalt und – das muss man natürlich auch dazu sagen – der Zeit, die man bei Problemen dort füreinander aufwendet, selbst über mehrere Verwandschaftsgrade hinweg. Eindrucksvoll. So wie Onkel Horst, der auf seinem gestrigen, 60. Geburtstag stolz seine Lieblingshits auf der eigenen Drehorgel präsentierte.
Wie war das doch gleich mit dieser alten Weisheit, dass man erst dann etwas zu schätzen beginnt, wenn es nicht mehr da ist? Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Es ist bald Weihnachten und so.
Und solltet Ihr über Immobilien und Kinder verfügen, sorgt frühzeitig dafür, dass das Erbe genau geregelt ist. Sonst passiert irgendwann was.
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