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Mo, 01.12.2008 | Rouven Ridder5 Kommentare

Casting fürs TV-Quiz

Mittlerweile sind zirka vier Monate ins Land gegangen, seitdem Freundin K. uns auf dem Siggi mitteilte, wie sie mit ihrem Freund bei einer TV-Quizshow 10.000 Euro gewonnen hatte. Freundin S. war sofort Feuer und Flamme, suchte unter den Anwesenden angestrengt einen für diese Show nötigen Mitspieler. Bierselig, wie ich war, ließ ich mich dazu breitschlagen. Sie schickte die Bewerbung ab und wir vergaßen sie im Laufe der Zeit. Letzten Samstag wurden wir dann dafür gecastet.

Rouven“, rief sie mich im Laufe der Woche aufgeregt an. „Wir sollen am Samstag in [nachbarliche Domstadt] sein. Ich hab damit gar nicht mehr gerechnet.“ Das hatte ich ebenso wenig wie sie, dachte zunächst, unsere Biographien würden kaum unterhaltsam genug für eine Fernsehsendung sein. Doch ich hatte mich damit wohl getäuscht, offenbar hätte man gerne eine in Biologie diplomierte Yogalehrerin und einen Poetry Slamer und Blogger gleichzeitig vor der Kamera. Zumal diese sich bereits sehr lange kannten.

Ich weiß sogar noch, wie du damals auf dem Kindergeburtstag von K. mit mir im Sandkasten gespielt hast“, sagte S. noch am Telefon und ich schenkte ihr keinen Glauben. Meine Erinnerung setzt offenbar erst nach dem vierten Lebensjahr ein.

Am Samstag in der Nachbarstadt angekommen und das Hotel gefunden, in dem das Casting stattfinden sollte, trafen wir auf etliche andere „Spielpärchen“. Ungefähr dreißig Paare, unter ihnen der unvermeidliche Nonnen-Zweier, saßen an den Tischen im Vorraum und kritzelten auf Formularen herum.

Es dauerte ein wenig, eine halbe Stunde etwa, bis wir allesamt in einen großen Raum gerufen wurden. Am Eingang bekamen wir Formulare, Stifte und S. musste ihren Namen nennen und wen sie mitgebracht hatte: „Ich habe meinen Sandkastenfreund Rouven mitgebracht.

Wir nahmen in den Sitzreihen nebeneinander Platz, „S. 46 A“ und „Rouven 46 B“ konnte man auf unseren Schildern lesen, die man uns am Eingang gleich an die Brust geheftet hatte. Wir füllten die Zettel aus, gaben (Menschen-) Rechte ab und erklärten uns mit unserer Unterschrift bereit, an anderen TV-Shows der Produktionsfirma teilzunehmen, nur für den Fall, dass wir für diese nicht genommen wurden. Ich sah mich schon als einen Vergewaltiger spielenden Komparsen in einer Talkrunde. Außerdem durfte ich keine Interna über dieses Casting nach außen tragen (darum keine Namen hier!).

Eine professionell gecoachte Frau mittleren Alters, die permanent gute Laune verbreiten wollte, forderte uns auf, vor den anderen Mitbewerbern und laufender Kamera jeweils unseren Mitspieler vorzustellen. Nachdem wir einige Biographien zu Gehör bekommen hatten, war ich an der Reihe.

Nun dürfte jedem klar sein, dass die Produktionsfirmen auf Unterhaltungswert der auszusuchenden Personen aus sind. Da ich und S. ein relativ normales Äußeres besitzen, musste also verbal einiges abnormes daherkommen. Meine charmante Freundin (oder – wie Mischa sagt – „Lebensabschnittsgefährtin“, brrr) gab uns noch den Tipp mit auf den Weg: „Behauptet doch einfach, ihr hättet mal miteinander geschlafen.“ Im Gedanken daran, dass diese Lüge aber über das Fernsehen ausgestrahlt werden könnte (auch, wenn ich sie für effektiv halte), beschloss ich lieber eine andere Herangehensweise und sagte, nachdem ich S.’ Lebenslauf kurz angerissen hatte:

S. behauptet steif und fest, wir würden uns bereits seit dem Sandkasten kennen, woran ich mich aber nicht erinnern kann. Sie will davon sogar Fotos besitzen, die ich nie gesehen habe. Aber so ungefähr seit 15 Jahren kann ich die Freundschaft bezeugen. Seit dem haben wir zusammen in einem kleinen Freundeskreis unsere kleine, katholische Stadt aufgemischt.
S. hingegen erzählte von meinem Studium und dass ich wohl „lustige Geschichten“ schreiben würde.

Nachdem die Reihe an den äußerst korpulenten Mann mit seiner sehr zierlichen Schwester, den beiden Freunden aus Bielefeld, der Oma mit ihrer Enkelin und den Vater, der mit seinem Sohn eine Kneipe betreibt, gegangen war, wurden wir einem kleinen, aber vermutlich irrelevanten Wissenstest unterzogen. Dann durften wir uns in den Vorraum setzen und warten.

Zehn Minuten später wurde S. und mir mitgeteilt, dass wir mit vier anderen Pärchen eine Runde weiter seien und noch einmal kurz vor der Kamera interviewt würden.

Es kam, wie es kommen musste: Während dieses Interviews, das unsererseits sehr hektisch, aber interagierend verlief („War der Freibad-Einbruch damals nicht so…?“ – „Nee, das war anders…“), wurde den alten Freunden stille Sandkasten-Zuneigung unterstellt. S. wurde auf ihre Absicht, mit einem Gewinn eine Indienreise zu unternehmen, direkt gefragt, „ob denn dann der Rouven mitdürfte?“ Ich erwiderte aber, glaube ich, dass ich von meinem Anteil erst einmal alle zeitraubenden Nebenjobs kippen würde, um in Ruhe zu Ende studieren zu können.

Das Interview dauerte zirka fünf Minuten. 46 A und 46 B sollten dann später Bescheid bekommen.
Wir verließen das Hotelgebäude, draußen wartete meine „Lebensabschnittsgefährtin“ und war ganz neugierig auf unseren Bericht…

(Foto: DSmous, Lizenz)

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5 Kommentare »

  • Mischa said:

    Ich drücke die Daumen! Das wird! Für mehr Rouvens inne Glotze!

  • Rouven (author) said:

    Dieses ach so überschätzte Medium TV darf auch gerne mal wieder auf mich zu kommen, nicht andersherum. Wenn mir bloß einfallen würde, weshalb es das tun sollte? Hm…

  • Micha-El said:

    Hmm, ich hab auch mal n Quizshow-Casting mitgemacht. Auch in Paderborn. Für SAT 1, glaub ich. Wurde aber nicht genommen. Begründung: ich hatte alles richtig beantwortet und solche Leute nehmse nicht…!

  • markus.freise said:

    Du bist einfach zu clever für diese Welt, lieber El!

  • critter said:

    Du hast da doch was ausgelassen. Ne Freundin und ich waren auch bei dem Casting (in München) und habens genauso weit gebracht. Die Affäre haben wir uns allerdings auch nicht einreden lassen, obwohl diese Caster sehr hartnäckig waren. Jedenfalls: zwischen Vorstellungsrunde und Endrunde gibts doch noch die Fragenrunde. Oder wird das jetzt gar nicht mehr gemacht und nur noch nach Geilestorykriterien ausgewählt??

    Euphoriebremse zuletzt: Nach dem Casting wurde uns gesagt “Je länger die Antwort von uns dauert, desto besser für euch. Die Absagen gehen gleich raus.” Wir haben gewartet. Länger als ein Jahr. Dann kam die Absage.

    Aber das wird schon… ^^

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