Slam 2008 – Sebastian23 holt den Pott in den Pott
Gegen 16 Uhr 40 schicke ich per SMS nur ein Wort in die Schweiz:
„ARTUR!!!!!!!“
Mischa erfreut sich dran und wir einigen uns, dass ich ihn über das Arminia-Spiel auf dem laufenden halten und Mischa dafür von den letzen – vor allem seinem – Halbfinals und dem Finale berichtet. Das tun wir.
Mit „HALFAR!!!!!!!” und „SIEG!!!!!!!” lege ich vor. Noch während das Spiel läuft geht die Berichterstattung vom Slam 2008 los:
16 Uhr 43
Mischa: „Bin sehr entspannt und gut vorbereitet. Ich freue mich so sehr darüber, noch einmal auftreten zu können, dass komme was wolle, ich glücklich sein werde. (Micha) Ebeling, (Andy) Strauß, (Heiner) Lange, (Frank) Klötgen, (Etta) Streicher und Nils Heinrich – in dieser Runde von 13 kann es jeder schaffen. Aber nur 2 kommen weiter und darum geht es mir nur noch um den geilen Auftritt.”
Da Arminia zur gleichen Zeit einen solchen hinlegt, fehlt mir die Muße für eine ausgiebige Antwort. Mischa muss sich damit begnügen:
Markus: Viel Glück, Digger!
Die nächsten SMS drehen sich also nur noch um Arminia. Über die Freude ob der Tore und das Mijatovic wieder auf dem Rasen steht. Noch immer im Freudentaumel dieses wichtigen Siegs für unsere Blauen, erreicht mich dann folgende SMS
17 Uhr 57
Mischa: So. Abenteuer National beendet. Startplatz 3. Ich bin und bleibe der größte Pechvogel aller Zeiten.
Jetzt geht es nur noch um den Spaß. Ach ja, Andy Strauß aus meiner Runde ist bereit im Finale: Startplatz 12.
Anmerkung: Mischa hatte bereits 2007 in Berlin kein großes Glück mit seinen Startplätzen und schied unglücklich im Halbfinale aus. Und wie wir wissen: Gleich zu Beginn eines Slams aufzutreten verschlechtert die Chancen auf eine gute Wertung. Überhaupt trifft es Mischa häufig sehr früh, wenn es an die Auslosung der Reihenfolge geht. Außer, der Goehre ist dabei.
Markus: Ach, Du!
19 Uhr 08
Mischa: 25,9 von 30 Punkten. Bin sehr zufrieden. Für Startplatz 3 von 13 großartig. Der „Kratzfest“-National-Remix ist geilst angekommen. Der Text war definitiv die richtige Entscheidung. Aber nach sieben Poeten bin ich auf den dritten Platz gerutscht und damit raus. Bin trotzdem stolz.
Markus: Das kannst Du sein. Mutig, mit einem sieben Tage alten Text anzutreten. Wer ist vorne? Wer ist Favorit?
Mischa: Fünf Tage alt. Und ist wirklich bestens angekommen. In meiner Gruppe aktuell Ebeling und Lange vorn. Sven Kamin ist Geheimtipp. Aber Strauß auf der 12 wird es machen. Der Glückspilz. In der anderen Kunze auf der 2. Aber es kommen noch (Johanna) Wack, (Sebastian)23 und Schweizer. Es wird leider eng. Mein Tipp auf das Finale also: Ebeling, Strauß, 23, Ato Meiler.
Anmerkung: Mit einem so jungen Text auf einem National anzutreten ist eigentlich Wahnsinn und widerspricht vielen Regeln. Denn ein Text muss nicht nur inhaltlich über eine Slam-Saison reifen. Auch der Auftritt mit einem neuen Text kann anfangs hölzern wirken, da man ihn ja selbst noch nicht kennt und so beim Lesen ins Stocken geraten kann. Aber wenn man Vérollet heißt, kann man das wagen. Und es ist ja auch im Prinzip gut gegangen. Der Poet ist zufrieden. Was will man mehr.
Markus: Gewinnt Strauß, wie Ebeling prophezeit hat gar den National?
Anmerkung: Micha Ebeling erzählte mir beim Slam in Göttingen von seiner Vermutung, dass der auf der Bühne inszenierte Dilettantismus eines Andy Strauß oder Sulaiman Masomi das nächste große Ding sein wird und den Slam erst einmal dominieren wird. Mischas nächste SMS belehrt ihn eines besseren:
Mischa: Sensation! Strauß raus. Krass.
Markus: Das genügt als Antwort.
Anmerkung: Weshalb das eine Sensation ist, weiß ich zum aktuellen Zeitpunkt auch nicht genau. Aber eigentlich ist ein Andy Strauß am Ende eines Slams nicht zu schlagen. Naja, Slam ist ungerecht.
Markus: Dein Tipp auf den Gesamtsieg?
Mischa: Gabriel Vetter. Der Mann ist zurück. Und besser denn je.
Markus: Das hatte ich auch vermutet.
Mischa: Sebastian23 und Wack komplettieren das Ganze. Um zu verdeutlichen wie knapp alles ist: Andy Strauß holte auf Startplatz 12 nur 1 Punkt mehr als ich und der auf dem dritten Platz lag gerade 0,2 Punkte hinter dem Zweitplatzierten. Kracher.
Anmerkung: Danach ist eine Zeit lang SMS-Pause. Kinder wollen ins Bett gebracht werden usw. Spät am Abend geht es weiter, das Finale ist bereits fortgeschritten:
22 Uhr 24
Mischa: Die letzten 4 im Finale: Johanna Wack, Julian Heun, Vetter, 23. Das Cup-System ist sehr interessant (Anmerkung: Es treten immer zwei Slammer direkt gegeneinander an, von denen einer weiter kommt.) 13 Juroren, die sich mittels X und O für einen der beiden entscheiden müssen. Für Gabriel Vetter lief es dann gut: 13 zu 0. Etrit (Hasler) und Richie (Küttel) moderieren fantastisch in Abendgarderobe. Und wir verfolgen das Finale entspannt in der Poetry Lounge, wo es auf Großbildleinwand übertragen wird. Halle 1 ist hoffnungslos überfüllt.
Markus: Brutal. Wann seid ihr durch?
23 Uhr 17
Mischa: Die letzten zwei; Julian Heun und Sebastian23!!!
Und dann fällt die Entscheidung und der National-Gewinner 2008 steht fest:
23 Uhr 34
Mischa: SEBASTIAN!!!!! Habe Tränen in den Augen. Er hat es so verdient. So schön!
Dem schließe ich mich ohne Einschränkungen an!
Gute Laune, 23!
Die Blogboys gratulieren dem Sieger des Slam 2008 in Zürich, Sebastian23 aus Bochum. Du bist nicht nur ein Großer sondern auch ein Guter. Wenn jemand Poetry Slam verköpert, dann Du, der Mann mit der Mütze aus dem kleinen Städtchen Bochum. Und auch deshalb, geht dieser Sieg an jemanden, der es verdient hat, wie kein anderer. Was die Leistungen der Anderen in keinster Weise schmälern soll, sonder die von 23 würdigen soll! Krass.
Slam ist so toll.
…
Das war also der National 2008 in Zürich. Ich bin mir sicher, dass ich einen der Meilensteine der Poetry Slam-Entwicklung in Europa verpasst habe. Das ist natürlich schade für mich. Aber dass alles so gekommen ist, ist ein Meilenstein für die Szene, die einmal mehr beweisen konnte, dass man Poetry Slam nicht mehr als Kulturphänomen bezeichnen muss, sondern als Kultur. Und dass man aufhören muss zu streiten, in welche Literatur-Schublade es gehört, weil es längst seine eigene Schublade ist.
Mischa wird kommende Woche sicherlich noch viele Eindrücke, Fotos und Videos in einer großen Top-Story posten.
Ich bedanke bei allen Lesern und freue mich jetzt einfach mal auf Düsseldorf und wünsche Markim Pause und seinem Team viel Erfolg bei den Vorbereitungen zum Slam 2009.
(Titelfoto: sabo-tage unter CC.)
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[...] die 4 Tage an sich waren, was hier und da auf welcher der Bühnen und dahinter geschah, ist an vielen vielen Stellen nachzulesen. Hinzufügen kann ich dem, dass ich keinerlei Anreiz verspürte, die [...]
Nach wilder Verlinkungsaktion gestern lese ich mir heute tatsächlich alles durch.
Beim “inszenierte[n] Dilletantismus auf der Bühne” muss ich dem Ebeling eben mal zustimmen. Vielleicht aber auf ner anderen Ebene. Ich versteh darunter nicht, sich als absoluten Volldepp darzustellen (was keinen der Erwähnten betrifft), sondern den Mut zum Texthänger zu haben, meinetwegen auch zum eiskalt geplanten. Quasi die menschliche Ebene in der durchgestylten Performance. Ich kam drauf, als ich wiederholt festgestellt hab, dass ich bei einem schwer zu behaltenden Text (Zuschauermeinung) den größten Applaus bekommen habe, als ich einen Hänger hatte. Wiederholt, auf mehreren Slams, ungeplant. Dann hab ich ihn mal fehlerfrei hingekriegt und die Begründung vieler, warum ich ihre Stimme nicht bekommen habe, war “zu perfekt, zu professionell”. Ja wunderbar. In Zürich war das nicht anders. Der Typ mit der höchsten Punktzahl in meiner Vorrunde hat viermal überlegt, wie sein Text weitergeht. Ein wahrer Sympathikus. Fand ich auch.
Deshalb steh ich voll dahinter, wenn man beim National auch mal nen ungeprobten Text bringt. Die Leute sind eben alle verrückt und unberechenbar. Mut zur Lücke!
perfektionismus ist eh scheisse und macht die bühnenpräsenz schlechter.
ein geplanter “aussetzer” ist aber noch viel schlimmer.
einfach machen und es kommt so, wie es kommt. es ist eine frage des standpunkts. wie viele meter steht man max. höher?
auf augenhöhe finde ich super
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