Vor dem Tellerrand ist die Suppe
Fürwahr. Ich bin Blogger. Das bedeutet erst einmal nur: Ich publiziere in einem Weblog. Mehr aber auch nicht. Die Nutzung des Mediums sagt ja nichts über mich als Person aus. Und dennoch hat irgendjemand natürlich auch für uns Blogger eine Schublade aufgemacht und uns reingesteckt. Da hat er dann einen Zettel draufgeklebt und auf dem steht geschrieben: Bloggeria.
Das wäre nicht weiter schlimm. Erst einmal. Aber leider ist jede Schublade nur so gut, wie die Personen mit denen man drin steckt. Und in der deutschen Bloggeria stecken ein paar Publizisten, deren Schlussfolgerungen ich bisweilen nicht folgen kann.

Das aktuellste Raunen, sozusagen dass Meinungs-Stöckchen, das man sich hechelnd gegenseitig weiter zuwirft ist eine Einladung zum IT-Gipfel der Bunderegierung, die an die renommiertestenbekanntesten deutschen Blogs wie Spreeblick, Basic Thinking, Stefan Niggemeier usw. gegangen ist. Man könnte den Kanon, der da gesungen wird mit folgenden Worten zusammenfassen:
„Die Bundesregierung lädt uns ein. Die mögen wir nicht. Da gehen wir nicht hin!“ Natürlich wird das eloquenter ausgedrückt. Aber unterm Strich bleibt das so stehen.
Anders kann ich es mir nicht erklären. Denn nach außen wird folgendes bemängelt:
„[...] Die Bundesregierung überraschte mit dem IT-Gipfel. Statt offener Diskussion wichtiger gesellschaftlicher Fragestellungen rund um die Informationsgesellschaft wurde es eine geschlossene Veranstaltung. Auf dem ersten IT-Gipfel war selbst der Bundesdatenschutzbeauftragte nicht eingeladen. Viele relevante gesellschaftliche Gruppen, die teilweise seit Jahrzehnten in diesem Themenfeld aktiv sind, vom Chaos Computer Club über Gewerkschaften bis hin zu den Verbraucherschutzzentralen, mussten ebenfalls draußen bleiben. Das hat sich bis heute nicht viel geändert. [...]“ Markus Beckedahl, netzpolitik.org
Dann werden Einladungen an die Bloggeria verschickt. Und die gibt sich bockig.
„[...] Ich bin jedenfalls – genau wie Spreeblick und vermutlich die meisten anderen Genannten – nicht Teil der „gemeinsamen Berichterstattung” über dieses Ereignis (es sei denn man zählte diesen Eintrag mit). [...]” Stefan Niggemeier, www.stefan-niggemeier.de
Aber wer sich erst beschwert nicht eingeladen zu werden und dann mit seiner gesamten Bagage beim nächsten Mal gebeten wird, zu kommen und so die Chance bekommt, seinen Standpunkt dort zu erörtern, da man eben noch behauptet hat, dass er benötigt wird, der will nichts verändern sondern nur meckern. Wie ein alter Raufbold am Fenster über den Falschparker schimpft und wenn es zur Sache geht einfach das Fenster zumacht.
Auch deshalb war und bin ich kein großer Freund der deutschen „A-Blogger“. Ich halte sie für eine selbst ernannte Medien-Elite ohne echte Außenwirkung. Die begackern sich die ganze Zeit in ihrem kleinen Stall selbst und legen dicke Eier von denen ich mir sicher bin, dass sie nichts verändern außer der kleinen Welt, in der sie geboren werden. Wer gehört werden will, muss dahin, wo die Mikros sind.
Mir fällt in diesem Zusammenhang eine kleine Anekdote ein. Als Jugendlicher Ende der 80er hatte ich einen Freund, der gelegentlich zu Demos ging. Einmal fragte er mich, ob ich nicht am Samstag mitkommen wolle zur Demo. Das wäre total cool. Ich fragte, wogegen denn demonstriert würde. Seine Antwort war: „Ist doch egal. Hauptsache demonstrieren.“
Oder anders gesagt: Wer sich beschwert, dass da ein Haar in der Suppe ist, sollte nicht nur über den Tellerrand schauen!
Ich würde hingehen.
(Foto: © photocase.com, Gerti G.)
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ich habe mich nie beschwert, nicht eingeladen gewesen zu sein. ich bin da auch nicht deshalb nicht hingegangen, weil ich die bundesregierung nicht mag oder aus irgendeinem trotz oder bockingkeit, sondern mangels zeit und, ja: interesse. ich weiß aber auch nicht, wie du darauf kommst, dass ich die chance gehabt hätte, meinen standpunkt zu erörtern. wenn ich die pressemitteilung richtig verstehe, hätten wir zuhören und drüber schreiben sollen. die einladung selbst war da ein bisschen, nun ja: unkonkret.
aber das ist alles völlig okay so. ich habe mich nur darüber gewundert, dass dieses hasso-plattner-institut in seiner pr so tut, als wäre ich dabei, obwohl ich nie zugesagt habe. das ist alles.
Aber dann hätte man ja auch rückfragen können!?
Und abgesehen davon, dass „keine Zeit“ natürlich als Absage-Grund anstandslos durchgeht:
Auch, wenn es „nur“ um Berichterstattung gegangen ist, so könnte diese doch deutlich konkreter und kritischer ausfallen, wenn man vor Ort gewesen wäre. Sozusagen im Herzen der Finsternis. Auch hätte man sich dort mit seinem Standpunkt ob der Veranstaltung direkt an die „Macher“ wenden können. Und wenn es richtig doof gewesen ist, kann man im Zweifel ja auch gar nicht berichten. Als wäre man nicht dort gewesen. Ist ja keine Pflicht, sondern eine Einladung.
Meine Meinung ist, dass auf einem von der Bundesregierung initiierten IT-Gipfel die Meinungsmacher und -multiplizierer – ganz gleich ob es sich wie bei der Bloggeria um eine Nischen-Kultur handelt – erscheinen sollten. Das ist irgendwie eine „journalistische Pflicht“ gegenüber den Lesern, die eben nicht die „Gunst“ der Regierung haben, vor Ort zu sein.
Mir ist, genau wie die Einladung selbst, die Kritik an der Einladung einfach zu „unkonkret“. Und dass man damit wirbt, man hätte Euch eingeladen ist nun nicht sooo schlimm. Wenn ich eine tolle Party mache und interessante Leute einlade, erzähle ich das ja auch. Ich finde dies als Totschlag-Argument für die ganze Veranstaltung ein wenig zu mickrig und – entschuldigt: affektiert.
Das ist auch schon meine ganze Kritik daran.
Diese Selbstherrlichkeit stinkt mir auch gewaltig. Und die Meisten sind auch noch langweilig in ihrer Berichterstattung.
Ich war da, habe es auch nicht als Selbstverherrlichung gesehen – sondern nur als ein Hinweis, dass man einen sehr kleinen Teil der Scene einlädt.
Die Chance hatte man, es gab Möglichkeiten direkt an die “großen” Ansprechpartner aus der Politik und Wirtschaft zu kommen. Es war ein Kreis auf einem Level, keine Barrieren. Ich war rein aus Interesse dar, einfach mal über den Tellerrand meines Jobs und meines Blogs zu schauen. Man kennt nur einen Krümel des Kuchen, obwohl ich z.B im Job auch in einem Projekt arbeite, welches vom BMWI mitfinanziert wird.
Es gab viele Eindrücke und mir fehlte bisher die zeit etwas in Worte zu fassen und in einem Beitrag der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. …
@Frank: Ich glaube Bateman meinte eher die Selbstherrlichkeit der Bloggeria. Aber so wie es scheint, wäre es tatsächlich sinnvoll gewesen, wenn unsere Meinungsbilder auch hingegangen wären. Jetzt ist es zu spät. Tja.
Naja, hier wird wohl die Abneigung gegen “A-Blogger” mit einem aktuellen Thema vermanscht. Hellauf begeistert bin ich von dieser Analyse nicht.
Dabei ist das Unbehagen der angeschriebenen Blogger doch verständlich: Es wird mit deren Namen seitens der Bundesregierung geworben, ohne dass sie zugesagt haben. Und vor welchen Karren man sich spannen lässt, möchte man doch gerne selbst entscheiden.
Anders gesagt: Ich prahle nicht in meinen Blog, dass ich den Papst zu meiner Klo-Einweihungsparty eingeladen habe. Die Seriösität der dahinterstehenden Aktion wird so zwangsweise in Frage gestellt. Und in so einer Situation darf man durchaus im Vorfeld absagen.
Vielleicht hätten die ABs da konsequenter sein sollen, ist aber denen überlassen. Die Abneigung von Snobs unter den Bloggern solltet ihr aber wenn, dann in einem eigenen Artikel verbraten. Dass Niggemeier in diesen Blog schreibt, scheint aber, bei aller Liebe, gerade gegen diese These zu sprechen.
Ich glaube nicht, dass es sonderlich viele Leute interessiert, ob zu diesem sog. IT-Gipfel Blogger eingeladen sind oder nicht. Mit den Namen kann, weil es eben (noch) eine Randerscheinung ist, fast keiner was anfangen.
Die Bedeutung, dass da einige Blogs in der Pressemeldung aufgeführt, wird meines Erachtens von den genannten, die nun pikiert sind, maßlos überschätzt. Sooo wichtig sind sie in der Medienlandschaft einfach nicht, als dass man damit einen großartigen Werbeeffekt erzielen kann.
Mal davon ab: Vielleicht hätte man die Einladung auch an Interessierte weitergeben können, denn es waren ja wohl Blogs eingeladen und nicht konkrete Personen. Nur so als Idee.
Ich sehe das jedenfalls genauso, wie der Autor.
Was mich einfach maßlos ärger und nachhaltig enttäuscht ist der Umstand, dass die Meinungsmultiplizierer ständig über den Tellerrand der Dinge schauen und über die Meta-Bedeutung von solchen Dingen wie den IT-Gipfel lamentieren. „Es muss sich was ändern!“ Dann machen sie es anders. Nur irgendwie kommt das da „draußen“ nicht an. Dann ergibt sich endlich mal die Chance auch jenseits der eigenen Sphäre seine Nase in die „normale“ IT-Welt – die der Windows Vista-User und Computer BILD-Leser zu – zu halten. Und da fühlt man sich dann plötzlich fehl am Platze. Irgendwie geht das nicht zusammen. Und so wird das auch nichts. Vielleicht mal ein interessantes Thema für den nächsten Bielefelder Blogger-Stammtisch: „Wollen wir vom Volke ernster genommen werden und wenn ja, was können wir dafür tun?” Was denkt ihr?
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