Die Boys

Zwischen Tweets und Slams finden wir die Geschichten, in denen wir Held sein dürfen. Oder auch nicht. Kommt auf den Tag an.

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So, 16.11.2008 | Markus Freise6 Kommentare

(Not quite) born in the U.S.A.

Ich war, bin und werde vermutlich immer ein Anhänger der amerikanischen Lebenskultur sein. Ich meine das ganz ohne Ironie. Unter anderem liegt das vermutlich darin begründet, dass wir in unserer Kindheit und Jugend nicht nur der endlosen Entnazifizierung ausgesetzt waren und in dessen Prozess unsere historische Staats-Kultur gleich mit ausradiert wurde. Mehr noch wurde der so entstehende kulturhistorische Raum mit Amerikanismus gefüllt. Da steckt er nun. Und an irgendetwas muss man als Deutscher ja glauben dürfen, wenn nicht an sich selbst.

Und so, wie ein unheilbar Geisteskranker lernen muss, mit seinem Wahnsinn zu leben, so habe auch ich irgendwann entschieden, mich dem „Amerikaner“ in mir hinzugeben. Denn neben dem Zwang, die englische Sprache kaputt zu nuscheln und seine Putzfrau wegen sexueller Belästigung zu verklagen, weil sie den Schrubber so ungehörig anfasst, gibt es vieles Gutes in Übersee: New York, Rockmusik und Kirsten Dunst. BigMacs, Apple und Poetry Slam.

Blick von World Trade Center auf die Freiheitsstatue, 1999

Meim Blick von World Trade Center auf die Freiheitsstatue, 1999

Im Ernst: Ich liebe den „American way of life.” Was mir an Amerika immer wieder imponiert, ist der Zusammenhalt seiner Bürger. In Zeiten, in denen es knüppeldicke kommt. Zum Beispiel jüngst: Der Massenansturm bei der Präsidenten-Wahl. Dieser Moment, in dem es vielleicht gar nicht darum ging, Barack Obama zu wählen, sondern darum, das System „Bush und Co.” – die schlimmste politische Katastrophe die das Land seit Nixon erleben musste – abzuwählen. Ganz gleich, was über dieses Land hereinbricht, am Ende stehen sie zusammen wie eins und steuern die Schrottkarre doch noch durch die Kurve. Sie mögen dabei in ihrer Moral häufig bigott sein. Sie mögen manchesmal Wasser predigen und Wein saufen. Sie mögen in ihren Alleingängen arrogant wirken. Aber so ist dieses Land entstanden. Aus Abschottung und Zusammenhalt. Und so hält es sich am Leben. Der einzige Krieg, der jemals auf ihrem Staatsgebiet stattgefunden hat, den mussten sie aus diesem Grund wohl auch mit sich selbst haben.

Bill Clinton und ich in der New Yorker U-Bahn, 1999

Bill Clinton und ich in der New Yorker U-Bahn, 1999

Diese Gedanken sind mir in den vergangenen Tagen gekommen. Nicht nur wegen der Wahl und dem deutschen Umgang damit: Erst Obama herbeisehnen. Und wenn er dann da ist zu sagen: Naja, so toll ist er aber auch nicht.

Sondern auch während eines ausschweifenden Medienkonsums in der vergangenen Woche. Da habe ich bei der Arbeit mal keine Musik gehört, sondern nebenher Filme geschaut. Und weil ich, wie die Jungfrau zum Kinde, an einen Zugang zum amerikanischen iTunes-Store gekommen bin, füttere ich zur Zeit mein Medienmonster ausschließlich mit angloamerikanischen Popcorn. Neben der – wirklich herausragenden – Fernsehserie „Heroes“, die ich so bereits in Staffel 3 schauen kann, habe ich mir noch einige Filme gekauft. Unter anderem Ridley Scotts „Black Hawk Down“ (Amazon-Link). Das ist Krieg.  Uramerikanisch. Und auch nur als „Amerikaner“ oder „hemmungslos amerikanisierter Westdeutscher“ zu verstehen.

„Black Hawk Down“ erzählt die Geschichte der „Schlacht um Mogadischu“ von 1993. Dort geriet die von Rangern und Delta Force durchgeführte „Operation Irene“ bei ihrem Versuch, den somalischen Clanführer Aidid in Mogadischu zu verhaften, auf Grund einer Kette unglücklicher Zwischenfälle und Umstände in einen erbitterten und mehr als einen Tag und eine Nacht dauernden Kampf mit somalischen Milizen. Dabei waren die Soldaten in der Stadt weitestgehend auf sich gestellt und mussten große Verluste hinnehmen. Sowohl Luftunterstützung als auch gepanzerte Fahrzeuge zur Bergung der eingeschlossenen Soldaten standen schlicht nicht zur Verfügung. Die Politik in Washington hatte ein Blutbad befürchtet, würden sie mit Panzern in die Stadt vordringen. Nun hatten sie zwar keine Panzer, aber ein Blutbad. Darin baden mussten das nur nicht die Oberen, sondern die Soldaten.

Ridley Scott hat diese Ereignisse vom 3. Oktober 1993 in seinem Film „Black Hawk Down“ verarbeitet. Natürlich wirft  das deutsche „Lexikon des internationalen Films“ Scott folgendes vor:

„Außer dem minutiös und realistisch nachgezeichneten Schlachtgetümmel bietet der in Zusammenarbeit mit der US-Army entstandene Film kaum Informationen. Erst recht bezieht er keine Position zur gescheiterten UNO-Friedensmission.” Lexikon des internationalen Films, Quelle: Wikipedia

Das kann man so sehen. Wenn man es aus der deutschen Perspektive betrachtet in der es stets darum gehen muss, den Zeigefinger zu heben und zu mahnen. Natürlich kann man den Film aus einer geopolitischen Sichtweise angehen und hinterfragen, aus welchen Voraussetzungen diese Situation entstehen konnten und welche langfristigen Konsequenzen es hatte. Ganz klar gibt es äußerst kritische Momente im Handeln der amerikanischen Politik.

Black Hawk Down

Wenn wir jedoch genau diese Politik außen vor lassen, wird ein großartiger Film draus. Wenn man „Black Hawk Down“ aus der Sicht des einzelnen Soldaten betrachtet, der in diesem Wahnsinn gefangen ist. Denn wer genau hinsieht, wird erkennen, dass es Scott vermutlich um diesen Aspekt der Geschehnisse ging. Immer wieder werden die Soldaten als Persönlichkeiten gezeichnet. Wie aus einem großen, unübersichtlichen Mosaik werden sie wie Steine herausgenommen, kurz betrachtet und wieder in das Bild eingefügt. In dem, was sie sagen. In dem, was sie tun. So wird klar, dass die dort gezeigten Ereignisse nicht dem Staat Amerika zustossen, sondern einzelnen, einfachen Soldaten. Oder wie es der von Eric Bana gespielte „Hoot“ zum Schluss zu „Eversman“ (Josh Hartnett) sagt:

„When I get home and people ask me,’Hey, Hoot, why do you do it, man? What are you? Some kind of war junkie? I won’t say a goddamn word. Why? They won’t understand. They won’t understand why we do it. They won’t understand that it’s about the men next to you. And that’s it. That’s all it is.“ Hoot (Eric Bana), Black Hawk Down

Natürlich ist es ein leichtes, dem Film mangelnde Differenzierung gegenüber der somalischen Position, dem einzelnen Milizionär vorzuweisen. Tatsächlich werden die „Skinnies“, wie die Somalis von den Soldaten bezeichnet werden, in keinster Weise charakteresiert. In kurzen Sequenzen versucht Scott zwar auch hier zu zeigen, dass es um Einzelschicksale geht. Als beispielsweise ein Somali beim „Versuch“ einen amerikanischen Soldaten zu töten versehentlich ein Familienmitglied tötet. Zu mehr reicht es nicht. Denn man darf bei solch einer Kritik nicht vergessen, dass ein Film nur ein bestimmte Zeitspanne zur Verfügung hat, eine Geschichte zu erzählen und nicht jeder Regisseur den Aufwand in Kauf nimmt, den Clint Eastwood betrieben hat, als er die Schlacht um Iwo Jima im 2. Weltkrieg einmal aus Sicht der Amerikaner – „Flags of our Fathers“ – und einmal aus japanischer Betrachtung – „Letters from Iwo Jima“ (Amazon-Link) – schilderte. Wobei der letztere tatsächlich der Bessere ist.

So müssen die „Skinnies“ als Metapher herhalten. Als ein wütendes Volk, das als Spielball zwischen UNO, dem Amerikanern und den Führern in Somalia genutzt wird. Lediglich zweimal kommen die Somalis wirklich zu Wort. Wenn es darum geht dem Zuschauer zu erklären, dass die Dinge die dort geschehen, den Lauf der Geschichte ändern werden. So sagt ein Mr. Atto zu Beginn in einem Gespräch mit dem amerikanischen General Garrison:

„Don’t make the mistake of thinking because I grew up without running water I am simple General. I do know something about history. See all this? It’s simply shaping tomorrow. A tomorrow without a lot of Arkansas white-boys’ ideas in it.” Mr. Atto, Black Hawk Down

Und was ist mit der ganzen Rockmusik und den Sonnenuntergängen im Film? Dem Pathos undr Kitsch? Wer das an Ridley Scott kritisiert, sollte keinen Ridley Scott-Film schauen. Scott war schon immer für das „große Bild“. Und wer so argumentiert, der hat nicht genau hingeschaut. Natürlich beginnt der Film mit „Boooah! Geil!”-Bildern von Hubschraubern, Sonnenuntergängen und Rockmusik-Untermalung, wie es in der Miltiär-Schomzette „Top Gun“ nicht besser sein könnte. Wer weiß, wie man Geschichten erzählt, der weiß, dass man zur Darstellung des Hässlichen zuerst das Gegenteil – Schönheit – darstellen muss. Das manchmal ein Wimpernschlag genügt, das Kartenhaus in dem man sitzt einstürzen zu lassen. Und so bricht diese ganze „Leichtigkeit“ und „Schönheit“ des Krieges – das Herumalbern großer Jungs in der Sicherheit ihres eigenen Camps, ihrer Festung, dieses „Räuber und Gendarme“ auf hohem Niveau – genau in dem Moment zusammen, als der unerfahrene Soldat Blackburn, beim Versuch sich abzuseilen, aus dem Helikopter stürtzt, so die minutiös geplante Mission durcheinanderbring und die Katastrophe damit ihren Anfang nimmt.

Von da an übernimmt Ridley Scott die Rolle des Beobachters, der den Kampf darstellt ohne in zu bewerten. Immer wieder wechselt die Kamera in die Subjektive. Von hinter einem Verschlag. Aus der Luft. Wenn überhaupt, zeigt er die Hilflosigkeit der Amerikaner inmitten des Chaos, das sie beschworen haben, das die Somalis nun beherrschen. Dieselben Amerikaner, die eben noch so „Rock’n'Roll“, so siegeesicher durch deren Land donnerten. Das ist dann kein Pathos mehr. Vor allem kein Kitsch. Das ist reinstes Drama. Eine Tragödie aus Tod und Opfern und Schicksalen und allem was dazu gehört. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass „Black Hawk Down“ ein auf Tatsachen beruhender Film ist und dass es diese Jungs, die da um ihr Leben rennen und schießen, das das gezeigte wirklich erlebt haben, ist man „bei ihnen“ und will auch nur überleben. (Um es in die Realität zu rücken: Hier ist ein kurzer BBC-Clip auf YouTube, in dem der Redakteuer Simon Reeve einige der Original-Schauplätze zeigt: The real Black Hawk Down.)

Und so ist man bei jedem einzelnen der Soldaten. Weil nicht jeder von ihnen am Ende gut heißt, was geschehen ist. Weil jeder einzelne nicht nur seine Haut, sondern auch die seiner „Kameraden“ retten will. Und der weiß, dass er das nur tun kann, wenn er sich auf den „Typen an seiner Seite“ verlassen kann. Und trotzdem obsiegt Amerika zum Ende der Schlacht nicht gegen die Übermacht an Milizen. Ganz im Gegenteil. Sie müssen sich geschlagen geben, demütigen lassen und fortrennen. Es gibt keinen Grund zu triumphieren. Nur dem Anderen zu danken. Dem, der mit dir gekämpft hat.

Und das ist es, was ich an Amerika mag. Nich den Kampf. Sondern, dass sie im Triumph beieinander stehen. Und in der Niederlage noch enger zusammenrücken.

(Das die Amerikaner in der Betrachtung noch eine ganz andere Sicht auf den „Krieg“ haben, spielt sicherlich auch eine Rolle. Aber das will ich hier gar nicht weiter erläutern. Wer das verstehen möchte, sollte sich auch einen Zugang zu amerikanischen iTunes-Store besorgen (Gutscheine kann man sich bei eBay ersteigern.) und sich mal eine Folge der Serie „War Heroes“ (iTunes-Link) ansehen. Nicht, um das auch so zu sehen. Das ist schon durch die amerikanische Brille erzählt. Man ist ja nicht doof. Sondern vielleicht um Amerika zu verstehen. Die Brille mal aufzusetzen. Man kann sie ja auch wieder abnehmen. Man ist ja erwachsen.)

Und wir?

So scheint für mich der Aufschrei des „Deutschen“, wenn sich die Amerikaner einmal mehr auf ihre selbstbewusste Brust hämmern, nicht immer Kritik an der amerikanischen Identität, sondern vielmehr das Wehklagen ob des Mangels der eigenen Identität. Und ihre Häme gegenüber einer Jugend, die sich danach sehnt, in einem hohe Maße arrogant. Man mag ihr, der Jugend, vorwerfen, damit indifferent umzugehen. Aber immerhin ist bei ihnen die Welt-Politik ins Kinderzimmer eingezogen. Bei uns hingen Poster von Kajagoogoo.

Ey! Es ist doch ein Anfang. Lasst uns mit ihnen zusammenrücken, anstatt sie auszulachen.

Feuer frei!

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6 Kommentare »

  • Stefan said:

    Dann geh doch nach drüben.

  • markus.freise (author) said:

    Tatsache: Man kann ein System kritisieren, ohne es gleich hinter sich zu lassen. Prinzipiell gefällt es mir ganz gut hier in Deutschland. Wir haben nämlich zum Beispiel eine bessere Krankenversorgung und keine Todesstrafe. … Wenn nur solche Leute nicht wären, die immer nur meckern und wenn dann ein anderer mal was ändert ist das auch nicht richtig. Was diesem Land einfach gut stehen würde, wäre ein wenig mehr Begeisterungsfähigkeit – über den Fußball-Platz hinaus. Und nicht gleich den Zeigenfinger zu heben, zu sagen: „Obacht! Als das letzte mal das ganze Land begeistert war, da …”

  • el gato said:

    also ich finde deutschland toll. ich bin patriot. na klar, in den augen der dummen bin ich deshalb gleich in der schublade der faschos, was ich, für die, die mich nicht kennen, ganz sicherlich nicht bin und niemals sein werde, da ich mich nicht nur einbilde, sondern auch weiss, was göbbels und konsorten, krieg und frieden für dieses land bedeuten und zwar in einer form, die weit über das maß an allgemeinbildung und parolen, hinausgeht. dieses land hat mir eigentlich, wenn ich mich darum bemüht habe, immer geholfen, es hat mich weitergebracht.

    auf der anderen seite (wer oben rechts denkt, der darf nun links anwenden) habe ich rio reiser in form von musik von ihm und “ton, steine, scherben” gehört, der in der tat mit seinen texten und politischer kenntnis ausdrucksweise einer ganzen nachfolgegenration der RAF vereint hat, was niemand so ganz konkret ansprach, aber viele dachten (ich wähle bewusst diesen vergleich in der hoffnung, dass rio reiser der oder andere noch kennt) wäre er, ein führer gewesen (bewusst verwendetes wort, erst zuende lesen, dann drauf los schreiben bitte) und hätte sich für die generation des linken spektrums der mobilisierung eingesetzt, also musik gemacht in form von mobiler infantrie ohne gitarre und dagegen ANKÄMPFEN, dann, klingt nun komisch, aber aber ich konjunktiviere nun mal nicht, dann hätte und wäre der terror der gruppierung und eventuelles morden nicht schon so früh in form der auflösung geendet. (scheisse, dass mit dem ohne konjunktiv in solchen sätzen klappt nicht immer)meine meinung, weit hergeholt, aber für mich sehr denkbar.

    was ich damit sagen will: das, was den amerikanern immer vorgeworfen wird, dieser GEMEINSCHAFTLICHE PATRIOTISMUS, den gibt es in Deutschland nur immer in Form von personenbezogenen Idolen.

    Man kann sich nun sicherlich über das wORT “idol” streiten, aber hilter, dutschke, RAF, Ohnesorg, und ja, auch gobama “yes we can” sind alles PERSONENBEZOGENE Idole.

    der in der einleitung dieses kommentares bezogene “rechts-links” vergleich macht dies deutlich, deshalb angebracht.

    kann man sich nun fragen: was machen die amerikaner (auch schön: die amerikaner) anders.

    Sie verteilen Patriotismus auf den Schultern von allen. Dies geschieht durch Zusammenhalt. In Deutschland undenkbar: Hier ist man stolz auf Personen und nicht auf ein Land. Warum auch? Uns wird immer wieder eingehämmert, was alles scheisse war. War es auch, doch was hab ich damit zu tun? Nichts. Solange man Morden und Gewalt ablehnt, solange sollte sich keiner diese Frage hierzulande überhaupt nicht stellen, weil taten immer noch mehr als Worte sind und jeder mit gesundem Menschenverstand kann das.

    Ganz davon ab konnte ich mir noch ein eigenes Bild machen, damals kurz vor. während und nach dem Geschichtsunterricht, und auch da wurde man zugehämmert damit, was alles scheisse war, die meisten Lehrer in Geschichte sind viel zu sehr damit beschäftigt den Terror des zweiten Weltkrieges zu erörtern, anstatt zu UNTERRICHTEN, was davor geschah. Und da war ne ganze menge, die so richtig cool waren: Kultur, Erfindungen und Sozialversicherung, nur so kleine Dinge, die mittlerweile jedes Land versucht einzubinden in Ihre Verfassung, alles hier erfunden. Darf man nicht sagen, wenn doch, dann heißt es: Hallo Zeigefinger, was war von 1933-1945?

    Und genau da ist der Knackpunkt: Die Scham, die man immer noch empfindet, wenn man mitjubelt, wenn Deutschland ein Tor schiesst (besonders gegen England:-), die Freude, die da ist, wenn man die Musik hört beim Gucken der “Wir sind Deutschland” WErbung, aber das innerliche: ISt ja eigentlich doch scheisse, diese Werbung, das Grinsen, wenn Deutschland irgendwas schafft. Irgendwas. Und irgendwie ist man davon ein Teil. Warum das so ist, ist vollkommen egal, dieses Gefühl ist immer da. man fragt sich, warum das gefühl da ist, aber diese Frage ist genauso zu beantworten wie die Frage nach dem Sinn des Lebens: Ist einfach so. Wer mehr weiss, der möge sich bitte bei mir melden und auskunfieren.

    gehen wir nun einen Schritt weiter: was passiert im Falle einer Schieflage in good old germany? mhh. Kommt eine neue jahrhundertflut, so macht man sich über die bundeswehr lustig (hej kritiker: ich bin totalverweigerer und damit durchgekommen), entwickeln wir irgendwas technisches (z. b. marine: wir bauen schon seit jahrzeiten die besten u-boote der welt, nun: warum bauen wir uboote, weil uns verboten worden ist, waffen zu bauen, das war eine reparationszahlung an die allierten, upps: welche faschistoide aussage)aber deutschland darf keine waffen bauen. weil waffen sind schrecklich. fragt euch mal, wie viele firmen ihr 50-jähriges jubiläum 1998 gefeiert haben und wie viele firmen ihr 75-jähriges in 2008 feiern? nur mal kurz nachrechnen und dann die zahlen subsummieren, nein 23 kommt nicht raus. und wenn ja: warum war das so? bmw, thyssen, oetker (backt brote für eure soldaten!, backpulver von oetker)

    es ist einfach so: wir sind unfähig ein gefühl des “stolz seins” auf mehrere schultern zu verteilen und können dies leider nur personenbezogen. und da gab es einfach diesen idioten.

    das fatale an der ganzen sache ist, dass wir, mittlerweile so weit unten sind, dass wir rtl 2 gut finden, ergötzen uns an der bild und wer mit wem grad fickt, warum die koksnase boris becker (wirklich wahr, wer mehr wissen will, der möge mal nach münchen auf besagte klos gehen) nicht mehr mit sandy intim ist, und wenn sie intim waren, hat dann rtl 2 ein recht auf die show, die übermorgen anläuft, wo sind die neuesten sexy sport clips und wer hat sie gesehen, wer ist grad oben in den charts und wer verliert grad den verstand wer hat seine rechnungen nicht bezahlt und wenn ja, warum? war die haushaltshilfe so wild, dass ich sie auf dem kupplungsstab anal fisten musste (kommt auch noch, keine angst, böse obszönität)? was macht dieter bohlen und warum haben sich modern talking wirklich aufgelöst, warum ist das internet schneller meine rechte hand und wieso ist frau klatten um 7 millionen erpresst worden (by the way, ein legitimer nachfahre der familie göbbels (quandt) der heute noch kein kommentar über den einsatz von zwangsarbeitern abgibt, der sollte 7 mi´lliarden bezahlen).

    auch unendlich diese liste. aber das ist alles nur ablenkung. ablenkung davon, dass es auch gute sachen gibt, die hierzulande, von dir, von mir und ja VON UNS gemacht werden, aber leider im zeitalter der generation vorausbezahlt und wirklich billig, in vergessenheit geraten. weil sie keinen mehr interessieren, weil wi helden brauchen und nur böse bisher hatten oder eben nicht kannten. Elite eben. und ja: dann bin ich eben elite, weil für mich bin ich mein held und irgendwie auch stolz darauf. auf dieses alles. auf mich, auf dich und fang an mich um 6:30 h zu freuen, dass die bahn funktioniert, wenn ich komische gedanken habe. weil ohne einen deutschen würden wir vielleicht noch morgen mit der kutsche nach detmold reiten. und wenn man es nun ganz wild sehen will, dann kann man das wort deutsch durch das wort freund ersetzen. dann sind wir schon ganz nah dran.

    wie dem auch sei: wenn es gut wäre, dann würde man es so sehen. solange muss man warten, bis die ersten das wort hilfsbereitschaft in ihren fundus aufnhemen und z.b. mal einer oma über die strasse helfen. darauf könnten sie dann stolz sein. auf sich. auf einen teil. doch wozu dieser teil gehört, bleibt ihnen überlassen. die wenigsten würden sagen: stolz drauf. weil stolz kann ja auch hier bedeuten. heimat oder so (ups: schon wieder so ein schönes, nein böses wort)

    black hawk down ist ein film, der eingesetzt worden ist, um soldaten zu werben. er hat großartige bilder inne. und in der tat ist er großartig. wenn nächstes mal in dresden die dämme brechen und die werbung der bundeswehr läuft, dann wird leider auch weggeschaltet.

    ich habe mir einen hund gekauft und bin glücklich darüber, dass ich schnell dahin kam. auf der autobahn (ups). für die idioten unter uns: die wurden von adenauer gebaut. für die klugen: was hat adenauer eigentlich davor gemacht? und was ist das hambacher schloss.

    nach links gucken, heißt nach rechts gucken. nach hinten. und, dass ist ganz sicher das wichtigste: nach vorne.

    so: elite geht nun ins bett und wartet nicht auf die 100.000 frage bei wwm.

    was waren noch mal meritorische güter und was habe ich damit zu tun?

    abstürzende brieftauben ist in der tat eine hervorragende band.

  • Dent said:

    @markus und alle die wo es interessiert:
    “gutes in den usa: …bigmac,apple …. ”
    huh?
    ich hoffe apple zahlt dir wenigstens was dafür?

    das postiv beurteilte zusammenstehen in des us+a stösst allerdings auf seine grenzen, sobald der eigene geldbeutel in gefahr gerät.
    merke: was hierzulande schon 1881 eingeführt wurde(sozialversicherung), ist in den usa wohl niemals durchzusetzen.”warum sollte das eigene hart verdiente geld auf andere(faule socken,kommunisten etc)umverteilt werden?”
    da kommt in den usa so eine, für uns europäer ziemlich abstrus wirkende, kommunismusangst hoch. bei politischen positionen wohlgemerkt, die hier der stahlhelmfraktion innerhalb der cdu locker toleriert würden.
    tut mir leid, aber da lasse ich mich auch von einem obama nicht blenden. selbstbezogenheit steckt “dem us-amerikaner” zu sehr im blut.

    als “urlaubsziel” finde ich ausgesuchte teile der usa ebenfalls sehr attraktiv.
    allerdings, und da möchte ich (leicht abgewandelt) tocotronic zitieren:
    dort “leben, nein danke!”.

    mit herrn freises beobachtung der “ausradierung” der eigenen kultur als folge des nazi-reichs gehe ich ausdrücklich “kondom”.
    ich denke jedoch schon, dass sich in sachen “heimatkultur” hierzulande in den letzten jahren einiges zum besseren gewandelt hat.

    froh hier in deutschland zu leben,

    ihr dent

    ps: ich danke deutschland explizit nicht für sap,bohlen und becker, hingegen bin ich dankbar für arminia bielefeld, semmelknödel’n'bier und die anarchistische pogopartei.

  • markus.freise (author) said:

    @markus und alle die wo es interessiert:
    “gutes in den usa: …bigmac,apple …. ”
    huh?
    ich hoffe apple zahlt dir wenigstens was dafür?

    Die müssen mir nichts zahlen. Die sollen nur nicht nachlassen. ;-)

  • Samuel Huguet said:

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