Nicht einmal spationieren kann Roland Emmerich
Das Roland Emmerich eher zur schlechteren Sorte der Pop-Corn-Könige zählt ist hinlänglich bekannt und zumeist Konsens. Die meisten seiner Filme kann man ertragen, kaum einen wirklich lieben und sich eigentlich nur an „Stargate“ festklammern.
Ähnlich „vielversprechend“ ist der Trailer zu seinem kommenden Film, wie auch Renington Steele von den „Fünf Filmfreunden“ treffend feststellt – wenn auch etwas deftiger formuliert. Sein neuer Film, der heißt „2012“ … Oder. Äh? Moment? Vielleicht doch „2 012”? Steht da so am Ende des Trailers. Was ist denn das für ein bescheuerter Name? Oder waren die Grafiker zu blöd, einen Begriff aus vier Zeichen sauber zu spationieren?
Hä? Spationieren?
Für alle Nicht-Grafiker: „Spationieren“ bezeichnet den Vorgang, bei dem die Zwischenräumen zwischen Zeichen so verändert werden, dass diese im gesamten Wort (hier: Zahl) ausgeglichen sind (man spricht auch von „Zeichenausgleich”) und dadurch eine zusammenhängende Einheit gebildet wird. Wird dies nicht getan, kann es dazu führen, dass der Begriff (hier: Zahl) auseinanderreißt oder unleserlich wird. Im Zweifel als mehrere Begriffe wahrgenommen wird. Das lernt man in der 1. Klasse der Grafiker-Grundschule. Das ist ein Grafiker-Grundgesetz. Vor allem bei der Gestaltung von Logos, Titeln usw. ist das zwingend notwendig.
Typolexikon.de definiert den Begriff etwas exakter:
„Typographischer Terminus für die individuelle Erweiterung der Laufweite eines Textes, eines Wortes oder einer Buchstabenkombination (Optischer Schriftweitenausgleich) – ausgehend von der Normalschriftweite. Etymologisch von » Spatium « für » Zwischenraum « aus dem lat. » spatium « für » Raum «. Das dicktengleiche Spationieren wird als Sperrren bezeichnet. Das Spationieren gehört in den Bereich der Mikrotypographie.” Wolfgang Beinert, Typolexikon.de
Ich habe da mal was …
Um zu sehen, was bei „2 012” nach meiner Meinung falsch gelaufen ist, hier der entsprechende Screenshot. Für alle, die sich den Trailer ersparen wollen:
Um zu verdeutlich, was mir missfällt, hier ein kleiner Trick, den ich von meinem ersten Typographielehrer gelernt habe: Um dem „Lesereflex“ entgegenzuarbeiten, dreht man seine Schrift beim Spationieren auf den Kopf. So verlieren die Buchstaben und Zahlen ihre Bedeutung und man konzentriert sich auf das Grafische.
Ich habe da mal was vorbereitet:
Seht ihr, was ich meine?
Ich bin nun wirklich kein Typographie-NaziEvangelist. Aber das geht selbst für mich zu weit.
Da steht nicht „2012“. Da steht „2 012”!
Bedenkt man, wieviele Millionen in CGI und B-Schauspieler gesteckt werden, wird einem furchtbar elend zumute. Es liegt der Verdachte nahe, dass der Produzent nicht nur „einen Neffen hat, der auch was mit Computern macht“. Sondern auch, dass die Grafiker hier eine billige Freeware-Schrift genutzt haben, um die Lizenzgebühren von irgendwas bei 100 Euro für eine „richtige” Schrift zu sparen.
Oder haben die irgendsoeinen billigen Plunder von dafont.com genommen? Denn professionelle Schriften bringen per se erst einmal saubere Spationierungstabellen mit. Ich habe echt nichts gegen all die engangierten Designer und Designeretten, die ihre Arbeiten bei dafont.com kostenlos publizieren. Habe da selbst schon oft zugegriffen. Aber bei so einem Multimillionen-Debakel wie einem Emmerich-Film sollte doch wohl …
Ach was rege ich mich auf.
Für alle die glauben, ich wäre ein Klugscheißer: Hier die von mir korrigierte Fassung:
via „Die Fünf Filmfreunde“
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Könnt ja auch sein, das hier bewusst mit der Typologie das auseinanderbrechen der Welt visualisiert werden soll und die Absetzung der ersten Ziffer 2 Teil eines subtilen Kommunikationskonzepts ist?
Die rechte 2 aber bitte auch noch’n Tuck ran!
Das ist so auch noch nicht
fachgerecht!
mann habt ihr probleme
Das war mit Sicherheit so gewollt und kein Versehen.
Emmerichs Version ist viel dramatischer, tiefgreifender & aussagekräftiger als deine – meine subjektive Wahrnehmung – sorry!
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