Quo Vadis, Deutschland?

(Foto: World Economic Forum, Lizenz)
Auf einmal ist es wieder modisch, nach Amerika zu schielen. Während man acht Jahre lang so oft es ging auf Amerika schimpfte und das ganze Land aufgrund von Bush in gesellschaftliche Sippenhaft nahm und ächtete – und so indirekt sein eigenes europäisches Profil schärfte – so ist dieser Boykott mit einem Male vorbei. Amerika ist wieder in, nicht nur bei den MTV-Awards. Auch und vor allem in der deutschen Politik.
Und es scheint, die jahrelange Formel Amerika = Bush ist über Nacht durch Amerika = Obama ersetzt worden. Vorher war alles amerikanische schlecht, jetzt hingegen merkt man allerorten eine solch unfassbar unreflektierte Annäherung an Amerika, dass man den deutschen Obama-Hype tatsächlich irgendwo zwischen DSDS und Tokio Hotel verorten muss.
Auch die deutsche Politik macht dieses Spiel mit. Neidisch blicken sie nach Amerika, wo Obama mit Mega-Werbung die Herzen der Menschen für sich gewann und darüber hinaus ein neues Politik-Interesse an sich quer durch alle Bevölkerungsschichten weckte. Zähneknirschend muss man da hierzulande zugeben, dass man sich das auch für Deutschland wünschte.
„Barack Obama ist es in seinem Wahlkampf gelungen, dass die Menschen seine Botschaft annehmen. Wir können eine Menge lernen, vor allem, wie ein Wahlkampf von unten getragen wird. Das sollten wir uns mal sehr sorgfältig anschauen, wie das funktioniert hat“, sagte Schily im „Deutschlandfunk“. Damit bezieht sich Schily auf die Vielzahl der Freiwilligen, die Obama in seinem Wahlkampf unterstützt haben und die Spendenbereitschaft der kleine Leute. 500 000 US-Amerikaner waren für den Senator aus Illinois unterwegs, um Wähler zu mobilisieren und Spenden zu sammeln – alle freiwillig. (Quelle)
Ein hehrer Wunsch. Aber kaum auf Deutschland übertragbar. Denn während in Amerika der Wahlkampf streng an die Person gekoppelt und beinahe parteiunabhängig im bürokratischen Sinne abläuft ist in Deutschland die Wahl Parteisache. Und da fangen die Probleme an:
In der Regel ist die Anziehungskraft deutscher Partei-Ortsvereine für junge motivierte Menschen nicht so hoch. Man geht einmal hin, sieht alte Leute sich streiten, die das seit Jahren oder Jahrzehnten tun und überlegt sich dann sehr gut, ob man dort nochmal hingeht oder die Zeit nicht sinnvoller nutzen kann (Quelle)
Und die Probleme hören da nicht auf. Denn gesetzt den Fall, eine Graswurzelbewegung amerikanischer Ausmaße wäre in Deutschland möglich gäbe es immer noch das personelle Problem:
Ernsthaft, welcher deutsche Politiker könnte 2009 die Menschen in Deutschland derart mitreißen und motivieren, wieder engagiert und hoffnungsvoll am politischen Leben teilzunehmen? Ich sehe – mit wenigen Außnahmen – niemanden. Eine Ausnahme wäre beispielsweise Cem Özdemir, da wäre ich sofort dabei. Aber soweit sind wir leider Gottes in Deutschland noch nicht, dass ein multikultureller Bundeskanzler möglich wäre, da haben uns die Amerikaner etwas voraus. Unterm Strich fehlt uns einfach eine Politik mit Vision. Es fehlt uns sogar einfach an vernünftig geführtem politischen Tagesgeschäft. Lars fasst es letztendlich perfekt zusammen:
Wenn man wie in Deutschland zwischen den beiden großen Volksparteien keinen Unterschied mehr ausmachen kann, weil beide sich damit begnügen, der politischen Mitte in den Arsch zu kriechen und ab und zu mal etwas BILD-kompatibles rauszulassen, damit der Stammtisch was zum gefälligen Jawollsagen hat, darf man sich nicht wundern, wenn den Wählern das zuwenig ist. (…) Ein paar hessische Feiglinge warten bis zum letzten Tag, um dann die eigene Partei samt Spitzenkandidatin vollständig zu demontieren, nur um nicht mit unliebsamen Linken zusammenarbeiten zu müssen. Wen interessieren schon politische Inhalte? (…) Die CDU-Bundestagsfraktion allerdings beweist wieder einmal, daß ihr in Bigotterie und inhaltlicher Scheißegalheit so schnell keiner etwas vormacht: Die lehnt einen gemeinsamen Antrag gegen Antisemitismus ab, weil die Linken den auch unterzeichnet haben, welche den Antrag wiederum wortgleich noch einmal einbringen müssen. (…) Nein, Frau Hassel, die Deutschen sind weder politik- noch demokratieverdrossen. Aber wenn ich zwischen Pest und Cholera wählen muss, dann nehme ich doch lieber die leichte Erkältung.
Und da fangen meine Probleme an. Wen soll ich 2009 wählen? Denn während ich mich beispielsweise im Hamburger Programm der SPD gut wiederfinde ist die Partei dennoch faktisch unwählbar. Die SPD steht politisch am Abgrund, ein Niedergang, der mit Schröders Auftritt nach der verkorksten Wahl (via) begann und mit der Hessen-Affäre um Ypsilanti seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Darüber hinaus las ich vor einiger Zeit im Zuge der Finanzkrise in der ZEIT mit Erschrecken, dass ausgerechnet die SPD während der Regierung Schröder einen Gesetzesentwurf zur Deckelung von Managergehältern ablehnte.
Kämen wir zur CDU. Die ist trotz verbessertem Sozialprogramm der letzten Jahre irgendwie trotzdem noch per se ein No Go für mich und immer wieder für negative Überraschungen gut (ferner: eine Partei, die Roland Koch eine Heimat bietet kann nicht das Wahre sein).
Und die grüne Partei ist seit ihrer Regierungszeit ein falscher Fuffziger unter dem Deckmantel des linken Ökologischen. Das ist zuviel Widerspruch, zuviel halbgares. Tja, und da wäre noch die Linke. Da gibt es durchaus zahlreiche ideelle Überschneidungen, gerade was die Postmoderne angeht. Aber eben auch noch die unaufgearbeitete SED- und DDR-Vergangenheit. Und die lässt sich nicht wegdiskutieren.
Was also tun? Als aufgeklärter, nicht extremer Linker hat man in Deutschland derzeit nicht die Wahl. Man ist ratlos. Ich bin’s. Und ja, das habe ich mit Otto Schily gemein, ich wünsche mir tatsächlich amerikanische Verhältnisse. Sprich: Eine neue politische Ära, mehr Vision, mehr Perspektive, keinen Populismus, aber Politik nah am Volk. Ein echtes soziales Gewissen. Eine Stimme, der man vertraut, der man nicht blind folgt, aber der man gern sein Kreuzchen gibt, und nicht ausschließlich aus dem Grund, weil man lieber die leichte Erkältung nimmt. Ich will um Gottes Willen Politik nicht an Charisma festmachen. Aber wir haben nunmal derzeit in Deutschland weder politische Personen noch Politik an sich mit Substanz. Und das macht mir in Sachen Zukunftsperspektive Deutschland Angst. Aber vielleicht sollte man nicht zu viel drüber nachdenken.
Lukas hat vermutlich recht:
Man sollte diese ganzen Vergleiche nicht ziehen. Man sollte sich nicht ansehen, wie Barack Obama diese Präsidentschaftswahl gewonnen hat, und dann an Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Oskar Lafontaine denken. Wir könnten depressiv werden und das wäre ein schlechter Zeitpunkt, jetzt da die ganzen New Yorker Psychiater, die vor Bush geflohen waren, bald in ihre Heimat zurückkehren.
Was meint ihr, wohin geht die Reise?
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Das es der deutschen Politik schwer fallen mag, Politik am Volk zu machen liegt vielleicht auch in der Geschichte Deutschlands begründet. Erwachsen aus dem Unrechtsstaat des 3. Reiches wurden wir wie in ein schwer erziehbares Kind in die Obhut der Siegermächte gegeben. Die sagten uns, was wir tun dürfen und was nicht. Was falsch und was richtig ist. Alles was wir erreicht haben, wurde nur erreicht, weil sie es zugelassen (68er-Revolten), gefordert (Wiederbewaffnung) oder gefördert (Wirtschaftswunder) haben. Keine dieser Errungenschaften wurde faktisch aus eigenem Antrieb, eigener Kraft erzielt. So waren wir über die Jahrzehnte im Prinzip nur der Spielball größerer Mächte, die uns gelassen haben. Ganz geschickt haben sie uns glauben gemacht, das alles wären wir gewesen.
Dann kam das erste, was vermutlich wirklich wieder aus dem Volk erreicht wurde – mit ein wenig Rückenwind aus Moskau. Das war die Wiedervereinigung. Und die haben wir dann dummerweise „verbockt“, um es mal etwas griffig auszudrücken.
Da stehen wir nun, das ehemals schwer erziehbare Kind, dem sie die Flausen aus der Geschichte geprügelt haben bis jeder Charakter ausgemerzt war. Ohne Schulabschluss und mit leeren Taschen. Seelenlos und gebrochen.
Und Mama und Papa haben leider keine Zeit mehr, sich um uns zu kümmern.
Amerika wiederum ist ein Staat, der aus dem Volk heraus gegründet wurde und der seine Probleme immer für sich alleine zu lösen wusste. Mehr noch hat es anderen beim Problemelösen geholfen. Das hat nicht immer jedem gefallen. Aber es hat dem amerikanischen Volk die Sicherheit gegeben, dass es alles erreichen kann. Es muss es nur wollen.
Vielleicht sollten auch wir mal wieder an die Kraft der Geminschaft glauben. Wissen, dass Demokratie nicht heißt, das Recht zu haben, auf die da oben zu schimpfen, sondern die Pflicht bedeutet, zu bestimmen, wer da oben sitzen darf.
Vielleicht müssen wir als Land endlich erwachsen werden.
Meine “bleierne Farbe” mit dem Wort “hoffnungsvoll” zu verlinken ist schon fast Poesie. Danke!
Zum Gegenstand: Ja, seufz. Ich habe noch zwei Artikel in Mache, die beide zeigen werden, wohin es geht: Alles bleibt wie es ist UND etwas ganz neues hat begonnen, nur nicht für uns.
Heiliger Obama,
komm herüber
und erlöse uns
von Frau Merkel!
Amen.
warte mit der ansprache doch bis zum neunten november!
oder kommt da noch was großes?
Sehr schwarz wie du das alles siehst, Mischa, aber wohl leider durchaus zutreffend. Ich denke immer noch traurig an den Tag zurück an dem Matthias Platzeck wegen gesundheitlichen Gründen die Bundespolitik aufgegeben hat. Da hatte man, nach Schröders Auftritt im Anschluss an die Wahl (2 plus x Bier & “ich hab den längsten”), das erste mal wieder ein bisschen Hoffnung was die SPD betrifft. Aber das ist ja a) leider schon lange her und b) vollkommen in Vergessenheit geraten bei dem ganzen Mist der so gelaufen ist, und da ist Hessen jetzt wirklich nur ein Ereignis in einer Reihe von vielen. Das bedrückt mich sehr, schließlich wurde ich von zwei Gewerkschaftsmitgliedern gezeugt, erzogen und unterstützt, dass ich mich heute als ein Uni-Student aus der bildungsfernen Schicht bezeichnen darf.
Was deine, am Rande erwähnte, Kritik an den Grünen angeht, muss ich leider ein wenig wiedersprechen. Sicher, dass wofür die Grünen stehen, genau das wurde nicht wirklich umgesetzt zu Zeiten an denen sie an der Regierung beteiligt waren, aber genau dieses Wörtchen beteiligt bildet wohl den Knackpunkt. Schließlich darf man nicht vergessen, dass die Grünen immer nur der kleine Partner sind. Um eine Parallele zu ziehen: Ich bin heil froh, dass die FDP sehr oft nicht in der Lage ist, genau das um zu setzen was sie denn gerne möchte, auch nicht mit der CDU zusammen. Wenn man jetzt also über die Grünen redet und dann, vielleicht zum ersten mal, hört, dass die schwarz/grüne Regierung in Hamburg ein neues, riesiges Kohlekraftwerk genemigt haben, kommt man schnell zu dem Schluss, dass die Grünen in die Schublade “Verraten&Verkauft” gesteckt werden müssen. Beschäftigt sich man ein wenig mit dem Thema , stellt man fest, dass diese Schuldzuweisung nicht so einfach ist. Also zusammenfaselnd will ich feststellen: Ich finde das die Grünen hier im Beitrag zu kurz erwähnt sind und zu schlecht weg kommen. Nur fürs Protokoll. Das du hier keine ausführliche Betrachtung jeder Partei machen wolltest, und das es dir mehr um eine andere Aussage ging ist mir klar, aber das wollte ich doch mal kurz gesagt haben.
Abschließend noch nen ganz anderes Problem, mit dem wir uns ganz besonders in Deutschland herum schlagen müssen:
Hinweis auf “Wer wird schlimmster Lobbyist 2008?”
Tja, was willste machen, das kleinste Übel wählen, wie immer, oder?
Und da wir uns ja scheinbar ja hier weitgehen einig sind, dass man als Linker die CDU nicht wählen kann (und als kleiner Angestellter die FDP sicherlich auch nicht), bleibt ja nur rot, grün oder rot. Wobei ich es auch mehr als erschreckend finde wo die SPD hinschlittert, kein Wunder, dass der Münte wieder da ist. Ich habe das Gefühl, dass eine ganze Generation verloren hat, weil die entweder in den 80er/90ern zu den GRÜNEN gegangen sind oder bei den JUSOS so gedeckelt wurden, dass sie eh keine Chance hatten. Im Nachhinein muss man sagen, dass die Realos die im Keim erstickt haben. Und was dann die wenigen, die es schaffen, machen, hat man ja in Hessen gesehen. Wenn da nicht bald mal ein junges Gesicht nachkommt, sehe ich schwarz für die SPD. Willy Brant wird sich im Grab umdrehen.
So Typen von einem Schlag Cem Özdemirs würde ich auch gerne öfter sehen, der war ja nach dieser Flugaffäre leider auch jahrelang gezwungenermaßen untergetaucht.
Was die GRÜNEN angeht. Von denen hatte ich mir sicherlich damals auch mehr versprochen, als sie z.B. damals mit Schröder koalierten, aber Lampe hat schon nicht ganz Unrecht. Wenn du nur die kleinere Partei bist kannst du auch nicht alles umsetzen, was du dir vornimmst.
tag mischa,
ich finde deinen beitrag auch etwas sehr deprimutig. wenn einer die fackel in die hand nimmt und viele hinterherlaufen, ist das immer eine gute chance. du scheinst in diesem fall keine lust auf hinterherlaufen zu haben.
obama hat die fackel und die amis laufen mit. das ist viel chance für die u.s.a.
ich mache es mir leicht: wenn man weltgeschichtliche knallhartwendung im rückspiegel betrachtet, war es fast immer genau(!) einer(!), der das bewerkstelligt hat. mit millionen legionen hinter sich. das trifft für weiße magie genauso zu, wie für die dunkle seite der macht. auf einen(!) kommt es an, und obama wird zugestanden, der(!) zu sein.
ich mache es mir nochmal leicht: wenn depp bush in acht jahren ein fulminantes chaos verursacht hat, dann kann das doch auch andersrum funktionieren. the hands that build can also pull down. and andersrum.
wenn gutes möglich ist (nur was nicht ist ist möglich, sagt blixa), dann lass uns doch die wohlwollend stützen, die das bewirken wollen.
zuletzt: das geht in jedem land auf der großen, weiten welt …
@stefan: ich habe das gefühl, dass du meinen beitrag nicht richtig gelesen hast. es ist eben nicht so, dass ich nicht liebend gern einem visionär hinterherlaufen würde, aber es ist so, dass in deutschland weit und breit niemand zu sehen ist, der diese rolle einnehmen könnte. und diejenigen wenigen, die diese rolle aus meiner sicht übernehmen könnten, ziehen sich entweder selbst aus der großen politik zurück (platzeck) oder sind irgendwie nicht im gespräch (özdemir). was ich von obama halte, kannst du hier lesen:
[...] Noch einmal Deutschland: Soeben habe ich einen Artikel gelesen, der mir ein wenig zu denken gegeben hat. Er ist in der gestrigen FAS, im dortigen Feuilleton, zu lesen und stammt aus der Feder von Claudius Seidl. [...]
[...] der ganzen Politik, der hohen Kunst und traditioneller Linker nun zu etwas viel [...]
[...] meiner Dystopie bezüglich der Lage der deutschen Politik sah ich vieles [...]
Jetzt ist Herr Özdemir wirklich eine der Cheffe von der Grünen. http://www.tagesschau.de/inland/portraitoezdemir100.html
München dem 06 Juli 2011
Quo vadis Deutschland
Heute wurde von der Bundesregierung der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen, und jetzt läuft im Fernsehsender „N-TV“ eine Pressekonferenz der Regierung über diese Thematik. Auf Grund von meinen Beobachtungen in den letzten drei Monaten habe ich beschlossen, zu diesem Thema etwas zu schreiben. Wie lange das dauern wird, darüber kann ich keine Aussage machen, weil ich ständig unterwegs bin.
Es war in der Zeit nach dem großen Unfall in Fukushima (11. März) und überall wurde ständig berich-tet. Was ich bemerkt habe, war die Art und Weise, wie die Berichterstattung zu Stande kam. Ich habe, meistens bei „N-TV“ bemerkt, wie die Sprecherin mit von Hysterie verzerrtem Gesicht gesprochen hat. Die Spezialisten, die eingeladen waren, waren meistens von Greenpeace. Ich weiß nicht, was für Spezi-alisten die waren und wer sie als Spezialisten ernannt hat. Natürlich, waren die Aussagen negativ und die Prognosen für die Zukunft sehr düster. Keine Interviews mit neutralen Experten oder mit den Men-schen, die in einem AKW arbeiten oder mit denen, die AKW-Anlagen konzipiert haben. Keine Infor-mation über die Sicherheit in den deutschen Kernkraftwerken. Es wurde der frühere Unfall von Tschernobyl (26 April 1985) erwähnt und die Situation in Fukushima beschrieben. Was mich gewun-dert hat, war die Tatsache, dass die wichtigen Informationen nicht bekannt gemacht wurden und zwar, dass der Moderator in dem Reaktor von Tschernobyl Grafit war. Das ist reiner Kohlenstoff, der bei den Temperaturen, die im Reaktor herrschen, in Kontakt mit Sauerstoff sofort explodiert. Es wurde nicht gesagt, dass der Reaktor keinen Schutz in Form einer Hülle von Stahl und Beton hatte. Es wurde igno-riert, dass die Hauptursache bei dem Ausfall des Notkühlsystem in Fukushima ein großer Tsunami war. Ich konnte selber nicht verstehen, warum die Japaner so einen großen Fehler machen konnten und ein wichtiges Atomkraftwerk ohne Schutz gegen Killerwellen am Ozeanufer bauen konnten. Die wichtigste Überraschung für mich war die Tatsache, dass die Menschen bei uns große Angst vor den Katastro-phen im Ausland haben, die nichts mit der Situation in unseren Kernkraftwerke hat.
In der ENSAD-Datenbank des Schweizer Paul-Scherrer-Instituts werden alle schweren Unfälle im Energiebereich gesammelt. Die dort verzeichneten 18.400 Ereignisse zeigen deutlich, dass Kohle, Gas, Öl und Wasserkraft bisher bei weitem mehr Opfer als die Atomenergie gefordert haben. Im Jahr des berühmten Reaktorunfalls von Harrisburg – bei dem niemand starb – verloren bei Morvi in Indien über 1000 Menschen ihr Leben, weil eine Staumauer brach. Im Gegensatz zu Harrisburg hat sich den Namen des Ortes niemand gemerkt. Letztes Jahr kam es weltweit zu 25 schweren Unfällen im Energie-bereich. Allein die drei größten Grubenunglücke kosteten 251 Menschenleben.
Als besonderes Problemfeld bei der Nutzung der Kernenergie wird häufig die Lagerung des radioakti-ven Abfalls angesprochen. Auch diese Thematik mag sich bald in einem anderen Licht darstellen, zu-mal die Kernenergie eine der wenigen Techniken ist, bei der der Abfall kontrolliert zurückgehalten und nicht irreversibel an die Umwelt abgegeben wird. Außerdem besteht seit einiger Zeit die Möglichkeit der nuklearen Transmutation. Der vom italienischen Nobelpreisträger Carlo Rubbia in den vergangenen Jahren entwickelten Atommüllverbrennungsofen schafft es, längere Zeit strahlendes Plutonium und andere radioaktive Elemente, wie sie bei der Stromerzeugung anfallen, in weitgehend harmlosen Abfall zu verwandeln. Bei dem Verfahren werden Protonen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit auf einen dicken Bleizylinder geschossen. Die durch den Aufprall frei geschlagenen Neutronen aus den Blei-atomkernen werden von den Abfallstoffen aufgenommen. Der entstehende Abfall hat danach nur noch eine sehr kurze Halbwertszeit von maximal 30 Jahren. Es stimmt somit nicht, dass einmal geschaffene radioaktive Substanzen von Menschenhand unbeeinflussbar der nächsten Generation übergeben werden müssen. Wir haben die Möglichkeit, auch diese Problematik zu lösen, wenn wir sie ernstlich auffassen. In Japan befindet sich eine derartige Testanlage in Bau.
Rund um die Uhr werden wir Deutschen über jedes bedrohliche und bedrohlich klingende De-tail informiert. Dabei wird ein Fakt nur selten erwähnt: Es gibt bei uns bisher keine nennenswerten Stö-rungen in den Kernkraftwerken und keine Strahlentoten. Das ist keine schlechte Nachricht. Was bei uns jetzt passiert ist, ist reine Manipulation der Massen durch die Massenmedien.
Eine ähnliche Hysterie gab es vor dreißig Jahren mit dem Waldsterben. Ich erinnere mich, dass zwei „Spezialisten“ ständig im TV waren und ununterbrochen prophezeit haben, dass wir in fünf Jahren keinen Wald mehr haben werden. Die Wirklichkeit hat das Gegenteil gezeigt. Ein anderes Beispiel von Hysterie war noch früher der NATO Doppelbeschluss. Große Demonstrationen gegen die Aufstellung der amerikanischen Raketen als Antwort auf die Aufstellung russischer SS-20 Raketen. Einige Men-schen haben damals eine kostengünstigere Lösung vorgeschlagen und zwar, dass der Sänger Heino an der Grenze platziert werden soll. Ob eine solche Lösung Aussichten auf Erfolg gehabt hätte, bezweifele ich.
Was für einen Einfluss so ein Manipulieren der Massen auf die Wahlergebnisse haben kann, hat man bei den Wahlen in Baden-Würtenberg gesehen. Nach zwei – monatigen Horrormeldungen im Fern-sehen haben die Grünen die Wahlen gewonnen. Wenn man die Grünen nach ihrer Arbeit beurteilt hätte, hätten sie aus dem Bundestag verschwinden müssen. Man sieht, was die Massenmanipulation durch die Massen-Medien bedeuten. Die Massenmanipulation durch die Massenmedien ist eine leichte Aufgabe für die Fernsehsender oder die große Zeitungen, weil das deutsche Volk politisch sehr naiv ist. Ich erin-nere mich an die Hysterie bei dem doppelten NATO Beschluss. Alle Menschen haben Angst gehabt, dass eine russische Invasion kommen wird. Die Menschen haben nicht gewusst, dass die UDSSR nur die schwachen Länder eingreift, wie z.b. Afghanistan an Weihnachten in 1979, weil der Kommunismus wirtschaftlich mit uns nicht Schritt halten kann. Das deutsche Volk war nicht vertraut mit der Situation in dem kommunistischen Lager, obwohl wir die DDR vor der Nase hatten. Es war nicht bekannt, dass das kommunistische System fast pleite war und das war sehr leicht zu wissen nur durch eine einfache Überlegung. Wenn man etwas produzieren möchte, muss man Arbeit (Menschen), Material und Kapital haben. Im Kommunismus ist nur die Arbeit wichtig, das Wort „Rentabilität“ ist nicht bekannt. Aus diesem Grund brauchen die Menschen im Ostblock mehr Material und Kapital als bei uns, wenn sie das Ziel haben, dasselbe jährliche Wachstum wie wir zu erreichen. Das folgt logisch, dass sie eine größere Scheibe aus dem Bruttosozialprodukt für diesen Zweck vorsehen müssen. Was bleibt ist für den Kon-sum bestimmt und das bedeutet, dass sie weniger haben als bei uns und das wiederholt sich jedes Jahr. Das war bekannt seit Jahrzehnten nur bei uns nicht.
Die Massenmanipulation wird auch erleichtert durch die mangelnde Kommunikation zwischen der Regierung und dem Volk. Die Regierung hat die Pflicht, das Volk über die Ziele ihrer Politik und alle Aspekte dieser Politik zu informieren. Natürlich müssen diese Informationen sehr genau und neu-tral sein ohne ideologische Verfärbungen. Was die Fernsehsender mit der Diskussion über die Kern-technik gemacht haben, ist kriminel und unverantwortlich. Ist so was gesetzlich erlaubt? Haben die Verantwortlichen keinen Moral Kodex? Ist das nicht strafbar ? .
Woher kommen solche Reaktionen? Der Fernsehmoderator Friedman hat vor kurzem in einer Talkshow ausgesagt, dass die Deutschen vielleicht an Masochismus leiden und unbedingt leiden wol-len. Ich will nicht so abschätzig über die Deutschen sprechen, aber ich glaube, dass das Volk an zwei schweren Krankheiten leidet. Eine Krankheit ist die Angst und die andere Pessimismus, die schwere Nachteile verursachen können. Wenn man sein Leben von solchen Gefühlen beherrschen lässt, ohne die Geschehnisse pragmatisch zu analysieren, kann es nur zum Desaster führen. Einmal ist das bei den Wahlen im Februar 1933 passiert und das Ergebnis war ein Desaster, wie niemals in der Geschichte des Deutschen Volkes. Schade, ich kann mir nicht vorstellen, woher solche Reaktionen kommen könnten.
Ich habe dies bezüglich aber einen Verdacht und möchte das kurz erleuchten. Am Ende des 19. Jahrhunderts, nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, hat in Deutschland eine große Indus-trielle Revolution stattgefunden. Über 380.000 Arbeitsplätze jährlich wurden geschaffen und die ersten sozialen Gesetze (Renten- und Krankenversicherung) wurden eingeführt. Die Einwohnerzahl wuchs zw. 1871 und 1914 von 40 Mil. auf 61 Mil. Menschen. 1910 lag die Arbeitslosigkeit bei nur circa 1-2% , die Inflationsrate war nur 0,9%. Der Analphabetismus war in Deutschland nur 0,9% in Frank-reich und England circa 9-10% und in Italien 46%. In Preußen wurde die allgemeine Schulpflicht 1717 eingeführt, viel früher als in Frankreich oder England. In den Naturwissenschaften besaß Deutschland bis 1920 mehr Nobelpreisträger (20) als England (8), Frankreich (7) und USA (2) zusammen. Jetzt sind unsere Kinder, nach der Pisa Studie, die Deppen Europas. Was man über unser geistiges Niveau jetzt sagen kann, ist nichts berühmtes. Ich erinnere mich auch vor ein paar Jahren über die Debatten in Bay-ern bezüglich der Magnetschwebebahn. Die Magnetschwebebahn ist ein grandioses Beispiel des deut-schen Erfindungsgeistes. Weil die Reibung in den Räder nicht mehr existiert, ist diese Form von Bewe-gung ökologischer, weil der Energieverbrauch im Vergleich mit anderen Möglichkeiten kleiner ist. Nur für hohe Betriebsgeschwindigkeiten kann der Energiebedarf für die Schweben die Vorteile durch den Wegfall der Rollreibung zunichte machen. Gegen den Vorschlag einer Magnetschwebebahn zw. Mün-chen und Flughafen wurden verschiedene Argumente vorgestellt. Nach meinen Erinnerungen hat ein Bürgermeister aus der Region das Argument gebracht, dass die Menschen erschreckt werden, wenn sie den Zug sehen werden. Solche Argumente waren auch vor fast 200 Jahren zu hören, als die Eisenbahn in Deutschland eingeführt wurde. Jetzt werden die Chinesen die Nutznießer sein so wie es die Japaner vor 50 Jahren bei den Autos und Photoapparaten waren. Dieses geistige Niveau haben wir jetzt erreicht. Was wir die Deutschen früher entworfen haben, ist es jetzt vergessen. Die ersten Raketen, der erste Tarnkappenbomber, die Ideen der deutschen Ingenieure waren, wurden leider während des Krieges entworfen. Ich will nicht über Krieg sprechen, sondern ich will nur die Fähigkeiten des deutschen Vol-kes zeigen. Die Firmen Boeing, Chrysler, Heinz und viele andere Firmen in den USA waren von den Deutschen gegründet worden. Es wächst in mir langsam der Verdacht, dass wir den Kontakt mit der Wirklichkeit verloren haben. Warum kann ich das behaupten?
Wie wir vielleicht wissen befinden wir uns jetzt Mitte der dritten industriellen Revolution. Die Entwicklung der Technik (Flugzeugbau, Automobilbau, EDV-Technik, Kerntechnik) hat sich so gewal-tig beschleunigt, dass man schwer -Schritt damit halten kann. Die Möglichkeiten der relativ jungen Kerntechnik sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit lässt sich noch weiter entwickeln, neue Konzepte und Verfahren sind vorhanden. Nicht Angst, sondern eine rati-onale Behandlung aller mit der Kernenergie in Zusammenhang stehenden Fragen sollte uns daher in der Zukunft leiten, um die Möglichkeiten dieser Technik zum Wohle der stetig steigenden Weltbevölke-rung weiterhin verfügbar zu machen. Wir müssen die Sicherheitsüberprüfung der Kernkraftwerke un-terstützen. Es ist notwendig und folgerichtig, den schweren Reaktorunfall in Japan genau zu analysieren und etwaige Erkenntnisse, die sich hieraus ergeben, zur weiteren Verbesserung der hohen deutschen Sicherheitsreserven zu nutzen. Es wird ja wesentlich um den Flugzeugabsturz gehen. Die zivile Luft-fahrt ist kein wirkliches Problem, wegen des Überflugverbots. Die Terrorgefahr nach dem 11. Septem-ber in Biblis z. B. hat man durch die automatische Vernebelung des gesamten Kraftwerksareals abge-mildert. Das ist im europäischen Ausland noch nicht überall umgesetzt. Bei uns ist nicht bekannt, dass wir das höchste Sicherheitsniveau in der Welt haben. Die KKW Biblis A und B sind nach Maßstäben des Öko-Instituts auf ein 100.000jähriges Erdbeben mit Hunderten Millionen Euro von Investitionen nachgerüstet. Die Anlagen sind höher als das 100jährige Hochwasser gebaut und sind zusätzlich durch Mauern geschützt. Unsere KKW haben vier bis sechs Dieselgeneratoren für die Notkühlanlagen und nicht zwei wie in Fukushima, und die haben mehrere Anbindungen an das Stromnetz. Und das wich-tigste: auch ohne Stromversorgung ist die Wärmeabfuhr gesichert. Aber wir legen still, importieren aus Frankreich, dessen Anlagen eine hundert mal geringere Erdbebensicherheit zu erfüllen haben. Die Grü-nen haben erklärt, dass die Preise nicht steigen werden, wenn Kernkraftwerke abgestellt und durch er-neuerbare Energien ersetzt werden. Noch ist Windstrom doppelt so teuer wie der Börsenpreis und Pho-tovoltaik 500 Prozent teurer. Der Wirkungsgrad des Photovoltaik ist mit derzeit deutlich unter 20 % sehr gering, die Speicherkosten und die Kosten für den Netzausbau mal außen vorgelassen. Wenn das Angebot verknappt wird, steigen die Preise, auch wenn manche Politiker das nicht wahr haben wollen. Wenn die Politiker jetzt zu einem beschleunigten Ausstieg drängen, dann müssen sie dem Volk die Wahrheit sagen, was auf uns zukommt. Sonst ist die Zukunft der erneuerbaren Energien unsicher, wenn in wenigen Jahren die Bürger sich abwenden, weil sie die Kostensteigerungen und ein erhöhter Netz-ausfall überraschen. Und wenn dann noch die Klimaerwärmung eine Pause macht, wird sich die Stim-mungslage radikal verändern. Keiner kann sich das heute vorstellen. Aber vor dreißig Jahren hätte sich auch niemand vorstellen können, dass die damaligen Ziele der SPD – 50 Prozent Kohle und 50 Prozent Kernenergie – null Zustimmung im deutschen Volke erfahren würden. Auch das Problem des Atom-mülls ist durch Rubbiatron prinzipiell längst geklärt. Es ist zu erwarten, dass nach etwa 30 bis 50 Jah-ren auch die Kernfusion als alternative nukleare Energiequelle eingesetzt werden kann. Es bedarf aber auch einer politischen Willensbildung, diese zu realisieren. Vor ein paar Jahren habe ich im Fernsehen gesehen, wie Lafontaine eine Rede gehalten hat, in der er über das Problem des Atommülls berichtet hat und uns mit den schrecklichen Konsequenzen einer Halbwertzeit des Plutoniums von 50.000 Jahren konfrontiert hat. Er hat keine Ahnung über Rubbiatron gehabt. Er hat nicht gewusst, dass in diesem Reaktor der entstehende Abfall nur noch eine sehr kurze Halbwertszeit von maximal 30 Jahren hat. Über die Grünen möchte ich den Philosophen Karl Popper zitieren „ besonders in Deutschland sind die Grünen nicht freundlich gestimmt, sonder aggressiv, besonders gegen die Wissenschaft und gegen die Technik. Dabei sind die Techniker und Wissenschaftler die einzigen, die wirklich helfen können. Mit Geschrei, was sie jetzt praktizieren, erreicht man leicht einen politischen Erfolg, aber sicher nichts Sachliches. Das Geschrei ist unverantwortlich.“ In den letzten Monaten habe ich ein paar Workshops verfolgt, wo auch Trittin und Künast teilgenommen haben und ich war entsetzt. Sie haben jeden Teil-nehmer unterbrochen, ohne es ab zu warten, und extrem aggressiv gesprochen. Was die gesprochen haben, war selten richtig. Was mich aber gestört hat, war das schlechte Benehmen. Es tut mir sehr leid, ist nicht mein Niveau aber ich habe nur diese Wörter als passend gefunden – Null Wissen und furchtba-res Benehmen. Solche Menschen regieren das Land. Kein Wunder, dass wir uns in einer solchen Situa-tion befinden, wenn man der Zustand unsere Politiker berücksichtigt.
Generell ist zur derzeitigen Situation der Kernenergie festzustellen, dass
– der Beitrag der Kernenergie zur heutigen Weltenergieversorgung in überschaubaren Fristen (et-wa 20 bis 40 Jahre) nicht zu ersetzen ist,
– die Erfahrung und der Entwicklungsstand die Kernenergie als eine verfügbare Energiequelle ausweisen, die zur Deckung des trotz aller Sparprogramme weiter steigenden Weltenergieverbrauchs beitragen kann,
– die Kernenergie den Verbrauch an fossilen Brennstoffen senkt und somit zur Reduktion des Treibhauseffekts beiträgt,
– es angesichts des wirtschaftlichen Nachholbedarfs von Schwellenländern und Ländern der Drit-ten Welt sowie des Wachstums der Weltbevölkerung notwendig und sinnvoll ist, das vorhandene Po-tential der Kernenergie zu nutzen,
– die Möglichkeiten der relativ jungen Kerntechnik bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit lässt sich noch weiter entwickeln, neue Konzepte und Verfahren sind vorhanden, es bedarf aber auch einer politischen Willensbildung, diese zu realisieren,
- zu erwarten ist, dass nach etwa 30 bis 50 Jahren auch die Kernfusion als alternative nukleare Energiequelle eingesetzt werden kann. Es soll jedoch nicht erwartet werden, dass damit keine radiolo-gischen Probleme verbunden sind.
Jetzt kann ich, wie ich schon angekündigt habe, meinen Verdacht äußern. Ich glaube, dass wir uns in einem Auflösungsprozess befinden. Die Moral und die Ethik sind verkümmert oder Begriffe ohne Inhalt geworden. Gewalt wird täglicher Bestandteil unseres Tuns. Unsere Zukunft wurde durch die finanziellen Abenteuer, die die Regierenden seit Jahrzehnten veranstalten, schwer aufs Spiel ge-setzt. Überall Korruption und Bürokratie. Jugendliche Kriminelle schlagen in der Öffentlichkeit ( U-bahn Haltestellen) alte Menschen zu Tode. Ich glaube, vor einem Jahr haben vier sechzehnjährige Tür-ken in Berlin ein vierzehnjähriges Mädchen vergewaltigt, einen Stock in ihre Scheide gesteckt und alles gefilmt. Die Jungs wurden nicht angeklagt, weil sie minderjährig sind. Danach hat die Jugendrichterin Kirsten Heisig, die ein Buch über den Kampf gegen Jugendkriminalität geschrieben hat, sich das Leben genommen. Sie behauptet in ihrem Buch, dass unter den Augen des geduldigen Staates Schwerverbre-cher wachsen.
Dieser Prozess wird, wie ich oben erwähnt habe, durch die massive Geldverschwendung für die Sozialausgaben beschleunigt. Initial als Hilfe für die Bedürftigen gedacht, sind die Aufwendungen zu einem Fass ohne Boden mit negativen Folgen für die Bereitschaft der Menschen, aktiv zu werden, ge-worden und diese werden ohne Scham ausgenützt. Ich möchte ein paar Beispiele geben. Vor circa vier Jahren habe ich mich mit einer Abiturientin unterhalten und sie hat auf meine Frage über den Willen bei der Jugendlichen zu lernen folgende Antwort gegeben. „Warum sollen die lernen? – Die bekommen von dem Staat Geld umsonst“. In einem anderen Fall ist ein Junge aus einer Gemeinde nördlich von München vor ein paar Jahren von zu Hause weggelaufen. Die Gemeinde hat ihm ein Ein-Zimmer Ap-partement gegeben, hat die Miete und den Unterhalt bezahlt. Nach kurzer Zeit hat er eine Straftat be-gangen und ist für einundhalb Jahre im Gefängnis gelandet. Die Gemeinde hat weiter die Miete über-wiesen.
Vor zwei Jahren habe ich jemandem geholfen, ein Ein-Zimmer Appartement in München zu finden. Wir haben etwas Passendes im Süden in einem großen Wohnblock gefunden. Weil der Vermieter noch nicht angekommen war, haben wir eine Wohnung, die daneben war, besucht. Der Mieter, der circa 40 – 45 Jahre alt und kerngesund war, hat die Höhe der Miete nicht gewusst. Er hat uns gesagt, dass er nie gearbeitet habet und den ganzen Unterhalt vom Sozialamt bekommet. Vor circa zwei Monaten war eine Sendung in Fernsehen über die Hatz IV Sätze. Ein Mann mittleres Alter wurde präsentiert und er hat natürlich sehr gejammert. Er wurde auch gefragt, warum er nicht arbeite. Etwas später wurde dann be-richtet, dass er schnell zum Arzt gegangen sei und eine Krankschreibung für zwei Wochen gebracht habet, aber diese Bescheinigung nicht vom Arzt, sonder von der Arzthelferin unterschrieben worden sei.
Ich frage mich, warum macht der Staat solche teuren Geschenke?. Als ich vor 50 Jahren studiert habe, habe ich in einer alten Kaserne mit 12-15 Kollegen im Zimmer gewohnt. Jede hat ein Bett und einen kleinen Schrank gehabt. Die Sanitäranlagen waren am Ende des Ganges. Niemand von uns ist deshalb gestorben und alle sind etwas geworden.
Vor drei Wochen war ich in Spanien an der Küste südlich von Tarragona und habe gesehen, dass deut-sche jugendliche Verbrecher nicht weit von mir gewohnt haben. Ob sie etwas gearbeitet haben, weiß ich nicht, aber ich habe mich gewundert. Sie haben bestimmt kein großes schulisches Niveau gehabt. Bestimmt beherschten sie die spanische Sprache nicht. Muss man Verbrecher sein, damit man auf Staatskosten ins Ausland reisen kann? . -Vielleicht haben die Betreuer die Idee ins Leben gerufen, da-mit sie auch kostengünstig ins Ausland fahren können. Wie viel kosten den Steuerzahler solche Reisen? . -Wie rentabel sind solche Resozialisierungsmaßnahmen? . -Muss nicht der Staat Sorge tragen, dass unsere finanziellen Ausgaben im Gleichgewicht mit unseren Möglichkeiten sind? Ich habe in der Pres-se vor circa zwei Monaten verfolgt, dass der frühere Ministerpräsident Hessens Koch vorgeschlagen hat, dass alle Arbeitslosen eine soziale Arbeit für die Gemeinden leisten sollen. Diese Initiative wurde von der Bundeskanzlerin abgelehnt. Ich glaube, dass Herr Koch ein besserer Bundeskanzler wäre. Ha-ben die Menschen überhaupt Motivation zu arbeiten? . -Was bewegt uns noch? Man kann die Frage stellen:
Quo vadis Deutschland?
Man bekommt den Eindruck, dass wir geistig und seelisch verkrüppelte Nachfahren eines früher stolzen Volkes sind. Als ich im Sept. 1982 die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen habe, war ich stolz und glücklich. Ich habe damals den Eindruck gehabt, ich bin etwas, ich bin Angehöriger einer großen Nation – und jetzt?
Wie kann man diesen Schiefstand korrigieren? . – Wenn man die früheren absurde Vorschläge, die ich früher im Fernsehen (Herr Friedman) oder den Zeitungen gehört habe, betrachtet, kann man zwei skurrile Lösungen gegen die zwei von mir beschriebenen Volkskrankheiten vorschlagen. Eine Lösung ist, dass der Staat kostenlos Beruhigungstabletten verteilen soll. Die zweite Lösung wäre, dass der Staat in Schnellkurse Psychotherapeuten ausbilden soll, um alle Menschen behandeln zu können. Weil der Bedarf enorm ist, sollte Menschen, vielleicht Arbeitslose, in maximal zwei Wochen Kurs um-geschult werden und sie dürfen nur fünf Stunden täglich arbeiten, damit sie selber nicht verrückt wer-den können. Für mich ist aber die Ursache dieser schiefen Situation die Kluft zwischen die Regierung und dem Volk. Man kann dies auch als mangelnde Information zwischen den beiden Seiten bezeichnen werden. Was enorm wichtig ist, dass diese Informationen neutral und nicht ideologisch gefärbt sein dürfen. Die Art und Weise wie in den letzten Monaten die Problematik der Kernkrafttechnik behandelt wurde, kann als Verbrechen gegenüber dem Volk betrachtet werden. Unsere Zukunft ist so wie so – überall Kernkraftwerke und genmanipuliertes Essen. Über Kernkraftwerke habe ich bis jetzt versucht zu erklären. Über das genmanipulierte Essen kann ich folgendes berichten. Ich war im Februar in Thai-land und in einem Hotel in der alten Hauptstaat Thailands habe ich ein Ehepaar aus Freising bei Mün-chen (die Welt ist klein) getroffen. Er war Doktor in Biologie und arbeitet im einem Institut bei der TU-München in Freising bei München. Er hat mir gestanden, dass er in der Öffentlichkeit keine Aussage mehr macht, weil für ihn die Situation hysterisch und dumm ist. Er hat mir berichtet, dass die Lebens-mittel sehr oft bestrahlt werden, damit sie länger haltbar sind. Das bedeutet, dass die Gene geändert wurden und niemand hat etwas dagegen. Wie kann man die Menschheit ernähren, ohne neue Lebens-mittelsorten zu kreieren, die widerstandfähiger gegenüber Dürre und Krankheiten sind? Die Zahl der Menschen wächst und die Fläche für die Landwirtschaft nimmt ab. Deshalb habe ich unsere Zukunft wie oben beschrieben. Ich habe bis jetzt die CSU gewählt, weil die CSU die einzige Partei war, die den Landeshaushalt ohne neue Schulden beschlossen hat. Nach dieser Wende mit der Kerntechnik verdient diese Partei meine Unterstützung nicht mehr. Weil wir jetzt ähnlich einer Bananenrepublik sind, denke ich, dass man vielleicht lieber NPD wähle, nicht weil die NPD bessere Politiker hat, im Gegenteil, son-dern weil die andere Parteien mehr Angst vor der NPD haben, als vor der Kerntechnik. Vielleicht wer-den die etablierten Parteien motiviert, besser zu arbeiten. Es kling völlig absurd, aber ich sehe keine andere Lösung, die Qualität der parlamentarischen Arbeit zu erhöhen.
Mit hoffnungsvollen Grüße an allen Deutschen
Lipcan München, dem 22 Juli 2011
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