Don’t imagine Yoko Ono!
Yoko Ono hat ein paar Sachen in die Bielefelder Kunsthalle gestellt. Darunter befindet sich ein zur Gänze weiß gehaltenes Schachbrett, das eben durch die fehlenden Unterscheidungsmerkmale auf dem Feld als auch bei den Spielfiguren fast unspielbar ist. Bis zu einem gewissen Grad könne man sich die eigenen Züge und Figuren noch merken, doch es gäbe einen Zeitpunkt, bei dem die Konzentration hierfür nicht mehr ausreiche. Ab da müssen die Spieler auf gegenseitiges Vertrauen setzen, so sagt es Ono sinngemäß im erklärenden Interviewfilm, der in der Kunsthalle während der Ausstellung gezeigt wird.

Dieser “gemeinsam erfahrbare Prozess” des Werks “Play It By Trust” bildet einen der wenigen originellen Punkte der Ausstellung “Between the Sky and My Head”, die nur noch bis zum 16. November in der Kunsthalle zu sehen ist.
Im Interview mit dem Geschäftsführer Thomas Kellein erzählt sie, die gesamte Ausstellung besäße eine erkennbare Einheit. Von dem Vertrauen erzeugenden Kunststück wird der Besucher aber im Folgenden unter anderem mit einem Labyrinth konfrontiert, mit einer Sammlung über Gewalt in der Familie und gegen die Frau im Speziellen.
Darüber hinaus gibt es viele Partizipationswerke, also Kunstwerke, zu deren Entstehung die Besucher maßgeblich teilhaben sollen: Da wären die mit Wunschzetteln zu bestückenden “Wish Trees” (siehe Foto) oder die Arbeit “My Mommy is Beautiful”, bei der die Besucher ebenfalls mit Zetteln Wünsche an ihre Mütter richten können, indem sie diese an fünf Leinwänden anbringen.
Die von Ono postulierte Einheit ist für mich gar nicht erkennbar. Zum endgültigen Bruch kommt es, wenn sich die Besucher – als Umsetzung ihres geschriebenen “Riding Peace” – in einem Leichenwagen durch die Stadt transportieren lassen können. Da hört für mich die Einheit spätestens völlig auf. Für Ono geht es hierbei um Grenzerfahrungen. In einem kürzlich gelesenen Leserbrief beschwerte sich aber eine Bielefelderin, die Leichenwagenfahrt sei makaber und man solle diese Situation bitte dem Tod überlassen. Ich halte es sogar noch für viel zu harmlos. Kunst kann mehr und darf mehr, ich bitte sogar darum.
Alle behandelten Themen – insbesondere Gewalt gegen Frauen und in der Familie – sind wichtig und müssen verbalisiert werden. Hier gehen sie jedoch völlig unter, in einer Ausstellung, die insgesamt (wie eine Dame in das Gästebuch schrieb) ein “so positives Lebensgefühl vermittelt” (?). Der behauptete rote Faden wurde zu oft zerschnitten und mit andersfarbigen geflickt.
Von Kunst und Künstlern, die sich als solche verstehen, erwarte ich außerdem eine Reflexion mit dem Werk, der Entstehung und überhaupt: Warum das, was geschaffen wurde, denn jetzt ein Kunstwerk sein soll. Das fehlt hier komplett und ich verstehe einmal mehr, dass Frau Ono lediglich wegen ihres Status’ als schillernde Persönlichkeit ihre Arbeiten als Kunstobjekte verkaufen kann und darf.
Ein Bielefelder “Kind” brachte es mit seiner Nachricht auf “Mommy”-Leinwänden auf den Punkt: “Meine Mammi hat gesagt, dass Yoko Ono die Beatles zerstört hat.”
Darum schließe ich mit dem Satz: Die Yoko Ono-Ausstellung ist Schrott!
(aber vielleicht habe ich etwas wichtiges übersehen, worauf mich jemand in den Kommentaren hinweisen mag)
Link:
www.kunsthalle-bielefeld.de
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Ich fand sie überhaupt nicht Schrott (bis auf die Mama-Tafel). Ich habe allerdings auch keine Ahnung von Kunst, also, der Kunst, die man so in Kunsthallen stellt und so. Sprich: Gut möglich, dass diese Ausstellung aus Kunstkenner-Sicht tatsächlich Schrott ist, viel wichtiger ist aber für mich, dass sie mir sehr gefallen hat. Nicht durchweg, einige Exponate haben mich weder berührt noch gefesselt noch anderweitig unterhalten, aber das gehört meines Erachtens zu einer Ausstellung dazu. Um es mal mit Musik zu vergleichen: ich finde selten alle Songs eines Albums gleich gut geschweige denn gelungen. Insofern weiß ich nicht, ob man eine Ausstellung Schrott nennen kann, wenn einem das eine oder andere dann doch gefallen hat, das interpretiere ich zumindest aus deinem Text, korrigiere mich, wenn ich da falsch liege? Geht es dir hauptsächlich um den fehlenden roten Faden? Da wäre ich dann sogar deiner Meinung, dass die Ausstellung misslungen ist, es ist eher eine lose zusammengestellte Werkschau.
Wie gesagt, ich persönlich fand die Ausstellung alles andere als Schrott, die Exponate, die mir gefielen, überwogen eindeutig (Höhepunkt: Die Waagschale mit der Pistole und dem Familienfoto sowie die Ideen für Gemälde), ich persönlich würde sie jedem empfehlen, der wie ich kein Kunstexperte ist. Denn im Gegensatz zu vielem, was von Kunstexperten hochgelobt wird, hatte Yoko tatsächlich gelungene Ideen.
Widersprechen muss ich dir allerdings energisch, dass sie nur aufgrund ihrer schillernden Persönlichkeit diese Chance hat. Yoko Ono war bereits vor John Lennon eine anerkannte New Yorker Künstlerin, sie gilt – laut Wikipedia – sogar als Wegbereiterin einer Kunstbewegung. Die Liaison und anschließende Bekanntheit durch Lennon hat insonfern maximal einen Einfluss auf die Preise, weniger auf ihr künstlerisches Schaffen vom Grundsatz her.
john lennon wurde viel mehr durch ono beeinflusst als andersrum. gerade was musikalische strukturen angeht. nachzuhören auf vielen platten, die die beiden “gemeinsam” in den 70ern aufgenommen haben. und mischa hat es ja schon erwähnt, ono war eine der besten, durchdachtesten künstlerinnen der 60er.
dass eine ausstellung, zu der es in diesem fall auch gehört negative zustände zu benennen, ein positives gefühl hinterlassen kann, kann ich vollkommen nachvollziehen. auch ich fand die ausstellung sehr gut und hatte auch das gefühl, dass das insgesamt ein kompaktes erlebnis war. weshalb, das kann ich leider nicht benennen. aber das interessiert mich auch nicht. dass die beiden ausstellungsobjekte außerhalb der halle zwei bäume und ein leichenwagen sind (und der himmel über der kunsthalle), mein gott, das sind so einfache motive, da kann sich doch jeder was feines draus zusammenspinnen, auch wenn er überhaupt null keine nix ahnung von kunst hat. “;-)”
Brohm, ich wage es kaum auszusprechen, aber ich bin zu 100 % voll und ganz deiner Meinung.
Man kann gar nicht „kein Kunstexperte“ sein. Kunst ist ein sinnliches Erlebnis, dass immer wieder versucht wird zu verkopfen. Ich halte es an dieser Stelle gerne mit dem Satz: „Wer versucht Kunst zu verstehen, hat Kunst nicht verstanden.“ Also: Kunst ist das, was dein Herz daraus macht. Und vor allem ist Kunst nicht binär. Nur weil dem einen eine Ausstellung nicht gefällt und dem anderen schon, ist nicht der eine Kunstkenenner und der andere Banause. Bei der nächsten Ausstellung mag das nämlich schon wieder andersherum sein.
P.S. Ich habe die Ausstellung nicht besucht, da ich Yoko Ono irgendwie nicht mag. Das ist subjektiv, kindisch und trotzig. Aber ein Grund.
Yoko hab ich bei Kellein auch nicht besucht. War aber dennoch an der Kunsthalle. Mich interessierte einfach, was die Menschen auf die Zettel an den beiden Olivenbäumen vor der Halle geschrieben haben. Es waren meist persönliche Wünsche, einfache Wünsche und erinnerte eher an Lourdes. Allerdings habe ich die Ide schon anderswo gesehen, weiß aber nicht mehr, wo und von wem.
Freuen wir uns doch gemeinsam auf den kommenden Weihnachtsmarkt, wenn gestandene Bielefelder in den ulkigsten Weihnachtsbuden wo in Deutschland gibt auf dem Jahnplatz ausstellen, was sie am liebsten mögen: Punsch und Eiergrog aus halb gespülten Gläsern und allerlei Eßkram. Dann ist auch Yoko Bielefelder Geschichte.
Vielleicht hänge ich noch ein hastig gekritzeltes “Wer rettet endlich Bielefeld?” an einen Baum.
Die Benutzung des Schachspiels kann man übrigens auch im “Imagine”-Film (nicht die Doku!) sehr schön begutachten. Fand ich persönlich schon als Vorpubertärer n bisschen plakativ. Dementsprechend bescheiden meine Meinung zur Leichenwagenaktion, die so Gähn wie nur irgendwas ist. Allerdings hatte die Frau immer ein kindisches Element in ihrer Kunst, insofern hat das dann schon wieder Methode…
Ich weigere mich 7 Euro für die olle Kuh auszugeben.;)
dass vieles in der ausstellung plakativ ist, stimmt auf alle fälle. aber das ist einfach total in yoko drin. würde ich meinen. und ich glaube, dass man auch nur so die ganzen blutigen und ernsteren arbeiten verstehen kann.
Zum Thema “Reden über Kunst”: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,586976,00.html
Auch ich habe Yoko gemieden und lebe gut damit.
Ich bekomm wohl noch eine Gratisführung und fand den Text hier viiiel zu lang, als dass ich mir den durchlese
Also lass ich mich einfach überraschen.
Ich behaupte auch nicht, ein “Kunstkenner” zu sein, dafür fehlen mir zuviele Kenntnisse in punkto historischer Entwicklung von Richtungen usw. . Aber als “Kunstinteressierten” würde ich mich schon bezeichnen.
Dass Frau Ono Mit-Wegbereiterin einer Kunstbewegung in den 60er Jahren gewesen ist oder gar damals zu einer der besten Künstlerinnen zählte, mag durchaus sein. Davon habe ich beim Betrachten der Ausstellung nicht viel gemerkt. Die Werke waren mir alle zu seicht, leicht durchschaubar oder – wie Micha-El sagt – plakativ. Ihre große Zeit scheint weit zurückzuliegen.
Aber nochmal zu dem “sinnlichen Erlebnis” und dem “Verkopfen”. Es ist ja eine Metapher, wenn Markus sagt, es wäre das, was “das Herz daraus macht”. Das ist mir zu einfach. Alles, was die Sinne wahrnehmen, wird im Kopf verarbeitet und meinethalber per Hormonausschüttung als “herzlich” empfunden.
Den Kopf kann man bei ästhetischen Wahrnehmungen nie ausschalten.
Aber Markus’ Vorwurf richtet sich, glaube ich, dagegen, eben diesen Empfindungen komplizierten Bedeutungszusammenhängen zuzuordnen. Das passiert aber immer, wenn man darüber redet, was bei Betrachten mit einem geschieht. Zumindest dann, wenn man es – ohne pathetisch zu werden – möglichst genau beschreiben will.
… vielleicht waren die 60er auch eine andere Zeit!? AC/DC war ja auch mal harte, ganz harte Musik und KISS ein Skandal und als sich Hildegard Knef ausgezogen hat … Jede Zeit, hat die Kunst die sie braucht. Vielleicht brauchen wir Frau Ono nicht mehr. Vielleicht könnte sie ja mit Günter Grass einen Kaffee trinken.
Ach ja: Die Jeff Koons-Ausstellung vor einigen Jahren war toll!
@Rouven: Dass du in ihren Werken das Innovative vermisst hast und nicht erkennen konntest, dass sie tatsächlich mal Wegbereiterin und bahnbrechende Künstlerin war, mag doch auch einfach daran liegen, dass viele der Exponate aus eben den 60ern stammten und ihre Seichtigkeit der zwischenzeitlichen Kunstentwicklung, einer geänderten Wahrnehmung und auch vielen Adaptionen und Kopien ihrer Werke geschuldet ist?
Anders ausgedrückt: Pink Floyd wären nach heutigen Maßstäben und in den Zeiten von N.E.R.D., Justice, Radiohead oder TV on the Radio kaum bahnbrechende Musiker, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sie großartige Künstler sind und einmal mit ihren Innovationen Musikgeschichte schrieben.
Ich finde, mit Yoko Ono verhält es sich ähnlich. Und ich möchte damit keinesfalls deinen persönlichen Geschmack in Frage stellen, aber da du selber im Kommentar schreibst, dass es dir bei der Kritik auch darum geht Bedeutungszusammenhänge herzustellen bin ich der Meinung, dass man die zeitliche Komponente der subjektiven Wahrnehmung nicht vernachlässigen darf.
Hoffe, du verstehst, worauf ich hinaus will
Im Übrigen schließe ich mich dir bei den letzten Absätzen an.
Ach ja. Dazu: Man kann sich aber entscheiden, ob Kopf oder Bauch bei der Rezeption von Kunst voranschreiten, oder? Ich betrachte Kunst zuallererst mit dem Bauch. Vielleicht, so denke ich gerade, bin ich „Kunstliebhaber“. Und ein „Liebhaber“ sollte nie mit dem Kopf beurteilen, was er tut. Ein „Interessierter“ schon. Und ein „Kenner“ sollte kennen was er kennt.
… Lass Dich von Deinen Gefühlen leiten!
[...] und Leser meiner bisherigen Blogs wissen es: Ich bin kein Music-Nerd. Kein Musikkenner, und um die Diskussion um die Yoko Ono-Ausstellung aufzugreifen, wohl eher „Musikliebhaber“. So weiß ich nicht, was das alles zu bedeuten hat, [...]
via brohm: AN EXHIBITION IN AN INVISIBLE TOWN von Yoko Ono.
@markus: Das habe ich auch schon gesehen und finde es lustig, dass sie B[ielefeld] niemals ausschreibt.
[...] der ganzen Politik, der hohen Kunst und traditioneller Linker nun zu etwas viel [...]
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Dinge
Star Wars T-Shirts
Für den Nerd in Dir: Eine Sammlung etwas anderer Shirts zum Film unseres Jahrhunderts.
Musik
Komm du ma zum Poetry Slam, dooo!
Genialität schützt vor Dummheit nicht: Der heißeste Anwärter auf den Titel “Mischas Album des Jahres” schmeißt mit Equipment um sich. Der sollte mal zum Poetry Slam kommen.
Poetry Slam
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