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Di, 04.11.2008 | Rouven Ridder2 Kommentare

Blogs! Sie leben! …aber sie nerven total!

Auf der Meinungsseite der F.A.S. hat man am Sonntag erkannt, dass im Internet „endlos gelabert“ wird. Immerhin ist der Schreiber damit bereits einen Schritt weiter als seine Kollegen, die Blogs als tot erklären. Ein endloses Labern klingt schließlich durchaus lebendig.
Dennoch lässt der Journalist mit dem klingenden Namen Richard Wagner seine Walküren auf die Blogosphäre los.

Nun könnte man als Antwort darauf einen Kommentar auf die Internetseite schreiben, sozusagen als modernen, schnelleren Ersatz für den Leserbrief, der zunächst einmal mühselig geprüft und abgedruckt werden müsste. Doch, oh weh, der Artikel ist in seiner Online-Version nicht frei verfügbar. Als Nicht-Abonnent kann man ihn erst gegen Entrichtung von 2 Euro für 24 Stunden nutzen. Grmpf.

Da bleibt mir beinahe nichts anderes, als einen Beitrag darüber in mein Blog zu schreiben. Doch halt, meine Worte wollen wohlüberdacht sein, denn Wagner hält alles, was (in Analogie zur Volksmusik) „vom Volk gemacht werde“ häufig für grauenvoll. „Dies gilt auch für vieles im Internet, das die Nutzer selbst hineingestellt haben“. Immerhin schreibt er „vieles“, nicht „alles“. Mir bleibt also zu hoffen, dass ich zu den wenigen Bloggern mit höherer Qualität zähle.

„Portale oder Blogs sind meist für hermetische Communities gemacht, deren Abschottung schnell bis in die pathologischen Tiefebenen des Sektiererischen reicht“, schreibt er und fügt gleich als Beispiel das „gegen eine angeblich schleichende Islamisierung unseres Landes“ kämpfende Blog „Politically Incorrect“ an.
Ich weiß zur Zeit keine Messlatte, die besagt, wie hermetisch oder abschottend der Online-Bezahlartikel ist. Das Portal „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ in seiner Printversion habe ich am Sonntag jedenfalls ganz gut nutzen können, um mich im Regionalexpress von einer Horde Hansa Rostock-Fans abzugrenzen und fühlte mich als Teil einer nicht anwesenden Community.

Einmal abgesehen davon, dass ausgerechnet die Wahl von „Politically Incorrect“ als Paradebeispiel für äußerst unglücklich angesehen werden kann, ist Wagner hier der Ansicht, dass man selbst bei den Kommentatoren unter sich ist: „[...] die Community lernt aber nicht, sie wird nur zusammengeschweißt, denn die Nutzer bleiben genau dort stehen, wo sie vorher „abgeholt“ worden waren. Klüger werden geht anders.“
Immerhin befinden wir uns auf der Meinungs-Seite der F.A.S., nicht bei den recherchierten Artikeln. Ein zweites oder drittes Blog-Beispiel hätte mit Sicherheit auch mit (den Autoren) widersprechenden Kommentaren aufwarten können.

Auch im Internet existieren Projekte, die ihre Zielgruppen suchen und gefunden haben. Es ist also nicht viel anders wie bei Zeitungen, die sich die idealtypischen Leser vorstellen und für sie schreiben. Im Beispiel Politically Incorrect funktioniert dies über Demagogie gegenüber dem Islam und erzeugt damit erstaunliche Besucherzahlen. So versucht es jedes Medium auf seine Weise, sofern ihm überhaupt an Verkäufen oder Klicks gelegen ist.

Doch weiter im Text.

„Nervig ist auch, dass Internetfreaks sich in einer selbst angedichteten Herrlichkeit als mediale Avantgarde des 21. Jahrhunderts aufspielend auf die traditionellen Medien herabschauen – ungefähr wie der Floh auf den Hund. Auch der holt sich seinen Content durch Saugen.“

Wie gesagt, wir befinden uns auf der Meinungs-Seite, ergo teilt uns Wagner hier seine subjektive Ansicht mit. Außen vor gelassen, dass die meisten etablierten Medien sich ihren Inhalte ebenfalls anderswo beschaffen, könnte ich jetzt mit dem gleichen Recht psychologisieren und behaupten, hier spräche lediglich die laute Angst vor Relevanzverlust zu uns. Eine versuchte Besitzstandswahrung, die sich vor einem eventuellen Abstieg fürchtet, wie er im Zweitaufmacher vorweggenommen wird:

„Ein Publizist ist ein arbeitsloser Journalist. Ein Blogger ist ein arbeitsloser Publizist.“

Das ist interessant in einer Zeitung zu lesen, die immerhin selbst Blogger wie Stefan Niggemeier mit seiner dortigen Netzkolumne (und andere) beschäftigt.

„Beim Blick in die unendlichen Räume des Netzes macht einen das Gewimmel von bloß Gemeintem, Halbgaren, von Pöbeleien, Befindlichkeitstiraden und geistigen Feuchtgebieten grausen.“

An dieser letzten Aussage ist besonders bemerkenswert, dass Wagner in seiner kurzen Polemik nichts anderes tut als genau das, was er ankreidet: Er pöbelt. Er ist – wie ein Kommentator im Tivoli-Blog hierzu schreibt – ein „Papier-Blogger“. Darüber hinaus gibt er indirekt zu, mit dem Medium immer noch nicht recht vertraut zu sein. Wer etwas korrekt sucht, findet auch relevante Informationen dazu.

Ein in den neuen Medien nicht kompetenter Mensch kann natürlich schnell zu dem Eindruck gelangen, „im Netz labert sie [Anm.: die Nation] nur noch herum“. Mit den inzwischen guten und ausgereiften Techniken kann ich das Überangebot an Information aber hervorragend filtern und so der Flut Herr werden.

All das andere, was ich im Moment einer Recherche vielleicht nicht benötige, seien es zum Beispiel die sogenannten Katzen- und Strickblogs, haben daneben auch ihre Daseinsberechtigung und – vor allem – ihre Zielgruppen. Und zwar nicht zu knapp.

Gebt Herrn Wagner einen gescheiten Feedreader (mit semantischer Filtermöglichkeit), bringt ihm die korrekten Googlesuchen bei. Zeigt ihm eine vernünftige Blogsoftware und – ganz nebenbei – die Werbeeinnahmen von ein, zwei guten Blogs. Mal sehen, was er dann schreibt.

(Foto: antigone78, Lizenz)

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2 Kommentare »

  • Dominik said:

    Kleine Ergänzung: Hier gibt es einen Link zum Volltext http://lanu.blogger.de/stories/1258454/

    Was soll man sagen.

  • textexter said:

    Hi Rouven, erstmal Toitoitoi für die Blogboys. Was Wagner betrifft: Der labert schon geraume Zeit seinen Stuß in die Welt hinaus. Meist weitab jeglicher genauer Kenntnis der Dinge, über die er etwas absondert. Explizit das Zitat “PI” entlarvt ihn als Zeilenfüller ohne Belang.

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