Die Ignoranz des Manfred Strecker
Manchmal habe ich ja schon geglaubt, ich wäre paranoid. War ich der einzige, der sich nicht verfolgt fühlte? Aber dann veröffentlicht die Neue Westfälische einen Artikel – diesmal der Kommentar des Ressortleiters Kultur -, der exemplarisch aufzeigt, aus welcher autistischen Luftblase heraus in Bielefeld Feuilleton gemacht wird. Eine Abrechnung. Nein. Eine Empörung.

(Foto: Loving Earth, Lizenz)
Der Fairness halber möchte ich voranstellen, dass Herr Manfred Strecker mit seinem Kommentar (NW vom 31. Oktober, “Einfach mal hingehen” im Rahmen der Serie “OWL unter der Lupe”, anschauen?) im Allgemeinen recht hat und Wichtiges anspricht. Vor allem, was Sie hinsichtlich Ostwestfalen und kultureller Provinz anmerken, unterstreiche ich, da bich bin ganz bei Ihnen.
Doch dann kommt das Thema “Kulturentwicklungspotenzial in Ostwestfalen-Lippe” und dieses Potenzial sieht Herr Strecker durchaus und mit Recht. Und zählt sie auf, die “jüngeren Kulturentwicklungen”, die freien Theater, die Schule der Fotografie und den Tanz, und das war’s dann. Den Tanz sieht er! Ich will hier niemandem zu nahe treten, ich respektiere die Arbeit beispielsweise eines Dan Agbetou sehr, aber das kann’s nicht gewesen sein. Herr Strecker, wo haben Sie denn Ihre kulturellen Fühler gelassen?
Ich fühle mich einfach mal stellvertretend für meine Kollegen und Kolleginnen aus der offliterarischen Szene und darüber hinaus beleidigt. Wo ist die blühende Bielefelder Streetart-Szene in Ihrem Bericht, wo die starke Bielefelder Schule des “Conscious Rap”, vertreten zum Beispiel durch Independenzia? Wo sind die Lesebühnen wie Sitzen 73 oder der Wortpalast, die jede für sich allein regelmäßig weit über 100 begeisterte Zuschauer anlocken? Oder der Poetry Slam, die größte regelmäßige Literaturveranstaltung Bielefelds, und sein Spin-Off, die Poetry All Stars, mit 400 Zuschauern im Cinemaxx (fragen Sie mal Ihren begeisterten Kollegen Herrn Kellaeter)? Was ist mit der Comic-und Cartoon-Szene um Ralph Ruthe, was mit dem Off-Kultur-Förderer Thomas “Schmitti” Milse, was mit den Impro-Theatergruppen, was mit veröffentlichten Nachwuchsschriftstellern wie meine Wenigkeit, der im nächsten Jahr bei einem der größten Verlage Deutschlands (Carlsen) veröffentlicht und jüngst beispielsweise eine Einladung der renommierten “Langen Leipziger Lesenacht” erhalten hat (ua. zuvor schon Clemenz Meyer)? Wo ist ein Volker Backes, wo ein Sacha Brohm, die mit ihren Texten auf Deutschland-Tour gehen, wo das Magazin Tentakel? Wo sind wir? Und ich habe hier noch nicht mal jeden erwähnt, die Liste könnte man ewig fortsetzen, und zwar nicht aus Quantität sondern aus Qualität.
Natürlich – und darum geht es ja auch nicht – können Sie nicht jeden einzeln würdigen. Aber ein simples “ebenfalls bemerkenswert: die blühende Untergrund-Literatur-Szene Bielefelds mit Lesebühnen, Poetry Slam etc.” hätte gereicht, und sagen mir jetzt nicht, dass dieser Satz gekürzt wurde, schließlich kürzen Sie vermutlich selbst. Was mich erzürnt: Wir finden in Ihren Augen einfach nicht statt; weder im Kommentar noch im fünfspaltigen (5!) Leitartikel der Seite, und darüber hinaus in einem Absatz in dem es explizit um das “Kulturentwicklungspotenzial” der Region geht! Stattdessen geben Sie dieser Alibi-Veranstaltung Bielefelder Literarische Gesellschaft eine Plattform; Alibi-Veranstaltung, wenn man sie mal mit den Literaturhäusern anderer Städte vergleicht, die Künstler wie uns längst für sich entdeckt haben und aktiv fördern. Auf unserer Matte stand unser Literaturhaus indes noch nie. Ein Armutszeugnis, aber bezeichnend für den Kommentar.
Lassen Sie es mich so ausdrücken, lieber Herr Strecker: Wer als Leiter des Ressorts Kultur einer großen Tageszeitung das Thema “Kulturentwicklungspotenzial” anpackt und dabei eine komplette Sparte, die zu den Kulturszenen mit dem größten Entwicklungspotenzial in der Region zählt außen vor lässt, ja, noch nicht mal verreißt – das wäre ja schon mal ein Anfang -, sondern schlichtweg ignoriert und dafür Spielarten aufzählt, die ihr Entwicklungspotenzial vermutlich schon ausgereizt haben, muss sich die Frage gefallen lassen, wofür er eigentlich sein Gehalt bezieht. Ich habe sicherlich nicht Ihren rhetorischen Hintergrund, Herr Strecker, aber vielleicht verzeihen Sie mir, wenn ich Ihre Arbeit in meiner impulsiven Art “kulturelle Besitzstandswahrung” nenne. Das ist Verwaltung, Herr Strecker, nicht Journalismus.
Letztendlich – das möchte ich festhalten, da der Eindruck entstanden sein wird – habe ich noch nicht mal ein Problem mit der Person Manfred Streckers. Auch nicht mit der NW, die in schöner Regelmäßigkeit von Klein- und Offkunstveranstaltungen aller Couleur berichtet. Nein, es geht hier letztendlich nicht um Manfred Strecker, sein Name steht nur selbstvertretend für die Apathie Bielefelder Institutionen gegenüber den alternativen Künstlern ihrer Stadt, und das geht eben von einer Nichtbeachtung im heimischen Feuillton bishin zum Bielefeld Marketing, welches auf auf eine Sponsoring-Anfrage für die Poetry All Stars mit Nichtinteresse reagierte – und es ging dabei um Kleckerbeträge, die sie für junge deutsche Literatur nicht bereit zu zahlen sind, während das Büro des Herrn Holtkamp ohne mit der Wimper zu zucken gern tausende von Euro für austauschbare Top-40-Bands auf dem Leinewebermarkt ausgibt.
Und wenn jetzt der Einspruch kommt, ich könne das nicht objektiv sehen, ich sei gekränkt – dann sei dem Einspruch stattgegeben. Natürlich kann ich das nicht objektiv sehen! Ich bin nun mal einer von vielen ignorierten Künstlern dieser Stadt. Und ich bin gekränkt, natürlich, ich liebe meine Stadt, ich betrachte mich als Teil ihrer Kultur und ihr wichtigstes Sprachrohr nimmt mich – und eben andere – nicht wahr. Zum Glück bin ich mittlerweile in einer Position, in der es mir scheißegal sein könnte, ob die NW oder irgendein anderes lokales Blatt über mich berichtet, da zum einen die Kommunikationswege in der offliterarischen Szene auf anderen Kanälen laufen und ich zum anderen meinen Aktionsradius in den letzten Jahren auf das ganze deutschsprachige Europa ausgedehnt habe – eine Position, die zu erarbeiten schwer genug war. Aber dieses Privileg haben viele meiner Kollegen nicht. Und für jene wird es Zeit, dass ein Mann des journalistischen Gewichts eines Manfred Streckers – und das meine ich aus tiefem Respekt gegenüber seiner zweifellos guten Reputation – endlich begreift, dass das Problem nicht die Irrelevanz der heimischen Kultur ist, dabei völlig außen vor lassend, ob man diese heimische Kultur persönlich gut findet, nein, das Problem, und das ist meine persönliche Vermutung, liegt in der Unzufriedenheit der Kulturredaktion begründet. Durch jenen Kommentar und andere Berichte schimmert immer wieder die Verdrossenheit ob der Tatsache, “nur” für die NW, “nur” in Bielefeld arbeiten zu müssen. Man sehnt sich nach Hamburg, Berlin, München, in wirklich kulturrelevante Städte. Am Horizont die weite Welt, doch auf Papier nur Bielefeld. Ist es so?
Lieber Herr Strecker, bitte akzeptieren Sie einfach die Tatsache, dass wir “nur” in Bielefeld sind. Und akzeptieren Sie, dass Kultur auch das sein mag, was Sie nicht mögen oder nicht nachvollziehen können. Sie müssen uns nicht mögen, um Gottes Willen. Sie sollen uns einfach wahrnehmen. Ein weiterer Artikel der Serie ist übertitelt mit “Zukunftsregion OWL: Macher gesucht!” Die Macher sind längst da, man muss nur die Augen aufmachen. In meinem und dem Falle vieler anderer reift ob Ihrer Nichtbeachtung immer mehr der Vergleich des Prophets im eigenen Lande. Verstehen Sie, der Punkt ist ja der, wir sind auf Bielefeld nicht mehr angewiesen. Wir würden aber gerne bleiben.
Die besagte Folge der NW-Serie “OWL unter der Lupe” kann dank des freundlichen nw-news.de-Services hier als PDF heruntergeladen werden!
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Nun, ich bin überrascht.
Wollen wir mal hoffen, dass Du die Kulturredaktion nicht allzu sehr verärgert hast. Ansonsten bräuchte ich dort mit meinen Vorschlägen gar nicht mehr auftauchen.
Warum “wir”? Und warum machst du dir Hoffnung, das niemand verärgert ist?! Das ist doch die Intention, dass jemand sich im Anschluss damit auseinandersetzt, ich muss mich grad wirklich wundern, lieber Rouven. Schon so tief im System? Abgesehen davon muss man als “große Tageszeitung” Kritik vertragen und ertragen können.
Und was deinen letzten Satz betrifft: Das wäre ein erheblicher Eingriff in die Meinungs- und Pressefreiheit. Kann mir nicht vorstellen, dass so etwas einer “großen Tageszeitung” passieren würde.
Stark! Ganz stark! Ich bin zugezogen und bei Gott – Bielefeld ist sicherlich nicht die erste Wahl, wenn man als junger Mensch den Finger über der Deutschlandkarte kreisen lässt. Zu Unrecht!
Ich kenne keine Stadt, in der eine vergleichbar aktive, kreative und blühende “jugendkultur”-Szene besteht. Eine Szene, von der ich Menschen aus allen Landen erzähle, wenn ich gefragt werde, ob Bielefeld denn schön ist. Eine Szene, die im Wesentlichen dazu beiträgt, dass ich gerne hier bin und die es mich bereuen lässt, dass ich aus beruflichen Gründen weiterziehen werde.
Die Kulturredaktion verärgern? Auf Grund von Kritik vielleicht keine Vorschläge mehr angenommen bekommen? Ich mag nicht glauben, dass dem so ist. Und falls doch – was könnte deutlicher die völlige Irrelevanz einer solchen Kulturredaktion zeugen? Bielefeld hat sowas gar nicht nötig.
Danke, Mischa. Ein klein wenig Verärgerung zu Anfang mag der Sache gut tun. Denn wenn Kultur ja eines soll, dann zum Diskurs anregen, zeigen, dass man sich den Gegebenheiten nicht hingibt sondern versucht, sie zu verdrehen. Zumindest zu beschreiben. Und wir wissen: Dies soll nur der Anfang des Aufbegehrens werden. Und, lieber Rouven: Ein Journalist darf alles, aber sich niemals seine Meinung nehmen lassen. Ganz gleich, wer danach „beleidigt“ ist. Wenn wir schon hier eine „Zensur“-Grenze ziehen, dann können wir gleich wieder einpacken und uns in unserer popkulturellen Ecke ausheulen.
@Mischa: Ich verstehe das Visual mit den Bunststiften nicht!?
hui, ein klassischer vérollet´scher rundumschlag. vorweg, ich finde ihn ein bisschen hart. aber dafür ist er ja auch ein klassischer vérollet.
ich fühle mich eigentlich von der nw immer genug beachtet. und du schreibst ja auch selber, dass die berichterstattung über die lesetermine in bielefeld immer da ist. deshalb scheint es mir, wenn mal ein autor nicht über die schreiber aus bielefeld berichtet, etwas weit ausgeholt von einer nichtbeachtung oder gar ignoranz zu sprechen. kann ich nicht ganz nachvollziehen.
vielleicht kommt in dieser reihe ja noch was über slam und lesebühnen. vielleicht sparen die sich dieses riesenthema ja für eine mehrseitige sondernummer auf.
so sehe ich das mal.
und rumpel den rouven nich so an
@brohm: das schon hart?! du weichei
aber du hast nicht richtig gelesen. wie ich schrub werden wir im lokalteil durchaus mal erwähnt – direkt neben den kaninchenzüchtern und dem awo-sommerfest. das ist auch schön, und darüber freue ich mich, habe ich ja auch erwähnt.
meine kritik richtet sich an das feuilleton der nw. die kulturredaktion ist eine ganz andere. und es hat nicht mit einmaliger nichtbeachtung zu tun, sondern ist eine kette von ereignissen, die in meiner jetzigen kritik gipfelt. es hat sich bereits der eine oder andere per mail gemeldet, der meine kritik positiv sieht und diese meinung teilt, aber eben sich nicht wie ich öffentlich dazu äußern kann. insofern fühle ich in meiner kritik sehr bestätigt.
und mit rumpeln hat das schon mal gar nix zu tun. siehe dominik, siehe markus
vielleicht doch noch mal zu rouvens kommentar. rouven jetzt als duckmäuser und zensator hinzustellen finde ich nicht nur gewagt, sondern auch absolut daneben. will ich auch gar nicht weiter erläutern, was mich sicherlich in teufels küche bringen wird. sollte klar sein, dass es albern ist, in rouvens kommentar ein drohendes auferstehen einer neuen ZENSUR zu lesen.
was ist gegen popkulturelle ecken einzuwänden? ich sehe dieses blog als genau das: eine popkulturelle ecke.
das ist mitnichten albern, mein lieber brohm, sondern aus persönlicher erfahrung selbst erlebtes – und hat nix mit rouven zu tun in dem fall. rouven möchte ich da mal ganz außen vor lassen, denn das hat tatsächlich nichts mit zensur sondern eher mit loyalität seinem arbeitgeber gegenüber zu tun. was auch ok ist, wobei ich dennoch der meinung bin, dass bei einer zeitung mit anderlei maß gemessen werden sollte.
aber weg von diesem meta-diskurs, zurück zum thema
ja, aber jetzt mal ehrlich. ich meine, ich finde das ja auch alles ganz toll, was wir hier so machen. die ganzen lesungen und slams etc. aber es ist nun mal so, dass das feuilleton einer lokalzeitung nicht die i-d ist oder die faz.
und noch mal ganz ehrlich, ich selber sehe mich mit dem was ich schreibe, also rein vom niveau, nicht im feuilleton und um noch mal ehrlich zu sein, mir fiele momentan auch niemand aus dem weiteren slam/lesebühnenumfeld ein, den ich da persönlich sehen würde. vielleicht doch mal bitte an die öffentlichkeit treten, also die die dir positive mails geschickt haben. ich meine, wer sich nicht traut, dazu zu stehen, dass er gerne mehr beachtung erfahren würde, und dann aber nicht in einem blog dazu stellung nimmt, dem kann es auch nicht ganz so wichtig sein, wahrgenommen zu werden.
du widersprichst dich, sacha: wenn das feuilleton unseres lokalblatts nicht die faz ist (womit du recht hast), dann passen wir da ja mit unserem “niveau” erst recht rein.
noch mal: es geht um den kulturteil unseres lokalblatts. und ganz egal, ob du wen auf feuilleton-niveau siehst oder nicht (was ohnehin sehr subjektiv ist), geht es nicht darum, von einem manfred strecker abgefeiert zu werden, sondern darum, dass ein manfred strecker beim thema “Kulturentwicklungspotenzial” eine komplette Szene ignoriert, völlig dahingestellt, ob er sie gut oder schlecht findet. Das tut überhaupt nichts zur Sache. Sacha, du zielst mit deiner Kritik meiner Kritik am Thema vorbei, aber um deinem Exkurs kurz zu folgen: Ich persönlich schreibe sowieso nicht fürs Feuilleton, zum einen, weil ich humorvolle Texte schreibe, die das deutsche Feuilleton per se selten goutiert, zum anderen weil es viel schöner ist, von 400 Zuschauern in einem Theater irgendwo in Deutschland minutenlang beklatscht zu werden, als kurz von einem frustrierten Journalisten besprochen zu werden. Und zudem ist es ja so, dass ob und wer hier in Bielefeld Feuilleton-Niveau ist zum Glück nicht unserer Beurteilung obliegt.
Nur so viel dazu.
Und jetzt bitte zurück zum Thema!
warum liegt das nicht in unserer beurteilung? ich kann doch sagen, dass ich die meisten autoren aus bielefeld nicht neben christian kracht im feuilleton sehe. nur weil ich selber nicht ein feuilleton bin, kann ich mir doch eine natürlich subjektive bewertung erlauben, die sicherlich auch einige leser per mail befürworten würden.
erbsenzählerei, aber für dich zwischen den zeilen hervorgeholt: es obliegt nicht uns, zu ENTSCHEIDEN wer ins feuilleton kommt
darüber hinaus bin ich voll deiner meinung: neben christian kracht sehe ich da auch niemanden
na, haben sich ja mehrere aneinandervorbeikritiker gefunden: um es auf den punkt zu bringen, und das maße ich mir nun mal an, da ich mischa länger kenne, als bush junior an der macht ist (war):
es geht hier um:
a) die nichtbeachtung der gesamten (innovativen) szene der literatur durch herrn manfred strecker und deren daras resultierenden konsequenzen der nichtbeachtung (die sich nicht auf die erwähnung der veranstaltungen (ankündigungen) an sich in der zeitung (feullition), sondern viel mehr um diskretierung eines gesamten innovativen strangs (in form von literatur, die wir machen
b) das brohmsche missverständnis, dass das besagt, dass sb die erwähnung der veranstaltungen innerhalb der presse mit der (nicht)erwähnung streckers gleichsetzt
c) die daraus resultierende missverständelei
d) rouvens eventuelle (vollkommen zu unrecht, wenn der fall eintrifft, denn dann würde mischa recht bekommen und es würde eine wahrhaftige zensur geben, was sich dadurch wieder amortisieren würde, dass man zensurtechnische konsequenzen hier im forum weitab vor der eigentlichen zensur besprochen hat, also unmöglich) zensur (auch hier wieder: missverständnis!)
auf den punkt gebracht: manfred strecker ist ein mensch, der kulturtechnisch, aus irgendwelchen gründen, die literarische kultur bielefelds, missachtet. warum das so ist, wird er wahrscheinlich nicht mitteilen. und dass dieser marketing verein bielefeld nicht mehr alle an der waffel hat und alle ihre bekannten, vettern, hach vielleicht sogar söhne und töchter, aber auf jeden fall beziehungen in ihre projekte einbezieht, sieht man spätensten bei der “nacht der langen museen!” eine top veranstaltung. aber auch eine top veranstaltung, die fast jährlich mit 5.stellig defizitär arbeitet, was abstellbar wäre, ohne amigo connection.
kurzkurzum: so zu berichten, wie manfred strecker es tut, ist in etwa, als wenn man wichniarek auf grund von mangelnder einstelltung ab jetzt für den rest der saison auf die tribüne setzt!
hab ich das nun verstanden?
sonne!
Natürlich gehören Slams und Lesebühnen in den Kultur-Teil der NW. Und zwar in den überregionalen. Denn zum einen ist es ja Kultur. Und die Zuschauerzahlen bei den Veranstaltungen und Verkäufe diverser Publikationen aus dem Dunstkreis zeigen: Es ist eine vom Volke OWL akzeptierte Kultur. Und wenn sich das Volk dafür interessiert, dann ist es die Aufgabe des Journalismus, darüber zu informieren. Außer der Journalismus will sich selbst befruchten. Aber dann will ich dafür auch nichts mehr zahlen. Das ist ja so, als ob die NW nicht mehr über Arminia berichten würde, weil der Chef der Sportredaktion (das ist nur ein Gedankenspiel!) lieber Rhön-Rad-fahren mag und Fußball doof findet.
Und sie gehören in den überregionalen Teil weil seine Protagonisten überregional auftreten.
Ach ja: Ich freue mich, dass diese Hütte hier brennt. Danke an alle Kontributoren. Das haben wir gewollt. Bleibt uns gesonnen. Wohl oder übel. Aber gesonnen.
sacha heidenreich und mischa reich ranitzki stellen nach tiefgreifender kommentar- und weiterführender fruchtbarer e-mail-diskussion fest, dass offkultursparten wie lesebühnen, poetry slam, streetart etc. nicht per se in den als feuilleton zu betrachtenden kulturteil einer tageszeitung gehören, einzelne autorInnen und veranstaltungen es aber durchaus verdienen besprochen zu werden, gerade dann, wenn es in einem artikel um das kulturentwicklungspotenzial einer region geht.
leute, der feine herr hat EINMAL vergessen, “uns” zu erwähnen. das kann doch nun echt nicht dazu führen, dass er für die zeit, die er noch auf der erde herumwandert von “uns” zurückmissachtet werden muss.
oder?
@markus:ich hoffe, ich bin nicht “übel”.
auch wenn ich nun nur für mich spreche, was man als objektiv bezeichnen kann, wenn mehrere dieser meinung sind, ich bin nicht nachtragend, zumindest sagt das mein therapeut.
von daher sollte man herrn strecker, nach wiedergutmachung seinereits, eine zweite chance geben. so werde ich das auf jeden fall halten und das obwohl ich kein dachdecker bin.
jürgen lippert durfte ja auch wieder tv-shows moderieren, nachdem er eine zange aus dem baumarkt entwendet hat. (www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2002/0906/lokales/0056/index.html)
katze klaut!
Markus: Mensch, das Visual, das ist doch natürlich die “bunte Vielfalt”!
brohm: Es geht – und so fasse ich es auf – nicht so sehr um diesen aktuellen Anlass oder geschweigedenn um eine einzelne Person als vielmehr die Tendenz. Den Kalk. Das behäbig bis letargische pseudotraditionelle “Wir machen das, wie wir es schon immer gemacht haben und diese neuen Modeerscheinungen sind ja keine vollwertige Kultur”.
Doch. Sind sie. Und ich würde soweit gehen, zu sagen, dass genau diese hier so starke “Offkultur” einer der Eckpfeiler in der Überlegung junger Leute sein kann, Bielefeld nicht nur als Durchreiseort fürs Studium zu sehen.
(So. Und jetzt ist übrigens der passende Augenblick für den Auftritt der empörten Kaninchenzüchter
christian kracht hat gestern sein wunderbares buch im fernsehen lobhuldigen können, was er und der moderator gemeinsam auch taten.
wunderbar allerdings: er sagte, es lohnt sich in argentinien zu leben und er will nun an die macht dieses staates um die falkland inseln zurück zu erobern. mit gewalt, aber ohne ihn in der ersten reihe der panzergrenadiere.
ad hoc fällt mir nur noch noch einer ein, der feullitonaffin und machbar ist: andy strauss. der könnte das bestimmt auch sehr fein
(vergleich beruht auf der einstellung meinerseits, dass a.s dem schlingensief sehr ähnelt. )
hupos, war das nun gewagt?
el gato ist schuster? das wusste ich bisher nicht. ich stimme allem zu, was el gato gesagt hat
ich hatte mal ein skateboard, was “el gato” hiess.
jahre später fand ich heraus, dass das spanisch für die katze heißt. darauf schrub ich einige geschichten über besagtes tier.
das brohmsche theorem der ´katzialen zustimmung wird für gut gefunden und kann nur in der gegenseitigen positiven rückkopplung des gut-findens zurück-gegeben werden.
daher: brohm=wohl (auf einen vorherigen beitrag einzugehen, s.o)
hui, spannende diskussion. ich würde es befürworten, wenn man der off-kulturszene mehr beachtung schenkte. schließlich geht es für eine tageszeitung wie die nw auch um kundengewinnung und -bindung. was liegt da näher, als “neue” kulturbereiche zu erschließen und transparent zu machen? ein geben und nehmen.
übrigens gibt es auch eine tolle improtheatergruppe in bielefeld. ab januar spielt diese gruppe – sie nennen sich die stereotypen – regelmäßig im kamp. immer am 2. mittwoch im monat, also eine woche vor dem slam. wenn der mittwoch mal nicht einen großen artikel wert ist: mittwochs in bielefeld. schubidu…
[...] (und das sag ich als assimilierter Ostwestfale) Stadt in das richtige Licht rücken? Der Start war gutViel Glück und vielen Dank! Tags: bielefeld, [...]
@Sven: Euch hatte ich auch im Sinn
[...] jedenfalls gab es heute gleich den ersten sehr lesenswerten und verständlichen offenen brief (um mal ganz einspunktnullig zu bleiben) in richtung neue westfälische und deren ressortleiter kultur manfred Strecker. [...]
@ Mischa: Das ist toll! Und noch toller ist, dass wir mittlerweile problemlos öffentlich, also hier z.B., über solche Dinge diskutieren können. Früher hättest du dich auf den Jahnplatz stellen und laut schreien müssen, um Gehör zu finden. Wobei dich da niemand gehört hätte.
@ blogboys.de: An eure neue URL muss ich mich erst noch gewöhnen. Blogboys.de, nicht boysclub.de, wie ich fälschlicher Weise zunächst eintippte… Da war ich doch im ersten Moment etwas überrascht.
Wie man’s macht, man macht es falsch, ist doch in jedem Beruf das gleiche.
Wer auf Adelung durch NW und von Kulturbeauftragten hofft, ist nicht mehr off. Oder kommt aus Güterloh.
Wer von der NW überhaupt beachtet wird ist: Kind von Abbonenten. Opa von Abbonenten. Schwiegertochter von Abbonenten. Abbonent. Schnarch. Langweilig. Oder taucht auf der Seite “Todesanzeigen” auf.
Wer mit Lesungen 400 Zuschauer hat, ist erfolgreich und braucht keine NW, um die Hütte voll zu bekommen. Da ist doch alles easy und cool.
Sparrenblog.de war ein lässiger Name. Blogboys.de ist eine Name für Leute, die in der NW (oder Schlimmerem) geadelt werden wollen.
@esgibtsie: Quatsch, der Name klingt schwul, das hatten wir doch schon hier.
Also ich muss bei dem Namen immer an Take That oder NKOTB denken.;)
“Blogboys” klingt wie eine regionale Tanzkapelle.
Mischa, man könnte denken, du versuchst, dich auf Biegen und Brechen aus der Off-Szene heraus ins kulturelle Establishment zu schimpfen. Da willst du doch eigentlich gar nicht hin, oder?
“….Büro des Herrn Holtkamp ohne mit der Wimper zu zucken gern tausende von Euro für austauschbare Top-40-Bands auf dem Leinewebermarkt ausgibt……..”
Das ist gottseidank lange vorbei! Die einzigen Top 40 Bands die es beim leinewebermarkt noch gibt, sind ein oder zwei dei mal auf der Bühne von Radio Bielefeld spielen (und auch von denen bezahlt werden).
Ansonsten bemüht sich das Team von Anette KLinkert und Inka Stückemann (die Frauen die bei Bielefeld Marketing den Leinewebermakt organisieren)sehr darum, eben kein Top 40 Programm zu organisieren.
Die Bühne am Rathausplatz von Auftakt und Newtone, die Kleinkunstbühne von Carsten Hormes oder die Kulturamtbühne auf dem Klosterplatz bieten eine große Mischung alternativer Kultur und so manches unerwartetes Bonbon.
Ausserdem ist gerade Herr Holtkamp jemand, der viel weniger Scheuklappen aufhat als Mancher meint.
Zur grundsätzlichen OWL Kulturdiskussion: ich bin seit über 20 Jahren dabei den Leuten klar zu machen, welche Kleinode die Bielefelder/OWL Kultur so zu bieten hat. Aber es werden immer wieder nur die Sachen aufgezählt, die auch Herr Strecker so aufzählt…
Aber wir arbeiten dran…..
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