“Wolke 9″ von Andreas Dresen
Deutschland hat keinen besseren Geschichtenerzähler als Andreas Dresen. Ende Gelände. Nachtgestalten, Halbe Treppe, Sommer vorm Balkon, das sind alles auf ihre Art kleine Meisterwerke, Kleinode, Perlen. Andreas Dresen dreht keine Filme. Er zeigt Menschen.
Wolke 9 ist wieder solch ein Meisterwerk geworden. Sie betrügt ihn, verliebt sich, er ist am Boden zerstört, sie weiß nicht, für wen sie sich entscheiden soll. Aber während Hollywood aus diesem Stoff einen Film wie Untreu macht, der der Geschichte nicht vertraut und zum Schluss in einen schwülen Thriller à la 9 1/2 Wochen abgleitet, muss Andreas Dresen nicht auf einen Mord zurückgreifen, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Der Betrug, die Affäre, die Zukunftsaussichten, die Schicksale – das ist Drama, das ist tragisch genug.
Und so ist es letztendlich völlig egal, dass die Protagonisten sämtlich um die siebzig Jahre alt sind. Es ist ein Detail, mehr nicht. Natürlich, die eine oder andere Szene zieht ihren Reiz, ihren Witz aus der Tatsache des Alters, wie in der Szene, in der der 76-jährige Casanova fragt, wie 80-jährige vögeln.
“Sie macht einen Kopfstand, und er hängt ihn einfach rein.”
Das ist nicht billig, nein, das ist witzig und tragikomisch zugleich, musste der Erzähler doch gerade am eigenen Leibe erfahren, welche Tücken der Sex im Alter mit sich bringt. Aber auch wenn Wolke 9 zahlreiche Sexszenen mit viel Haut bereithält, so ist er weder ein Erotikthriller noch stellt er seine in die Jahre gekommenen Protagonisten zur Schau. Andreas Dresen will auch gar nicht zeigen, dass Sex im Alter etwas völlig Normales ist, nein, das handelt er im Vorbeigehen ab, das erwartet er einfach, das ist geschenkt.
Wolke 9, dieses eindringliche, betörende, verstörende, hoffnungslose Meisterwerk aus dem Hause Dresen, zeigt mit seinen wunderbaren Darstellern in harten, eindringlichen Bildern, dass sich mit dem Alter vieles ändert, nur eines nicht. Die Liebe. Und alle damit verbundenen Schmerzen und Freuden. Betrug tut weh, egal wie alt man ist. Auch Schmetterlinge wirbeln wie verrückt durch den Bauch, trotz des Alters. Nur die Konsequenz, die passt sich dem hohen Alter, der verrinnenden Zeit an. Wer mit 80 verlassen wird, dem bleibt wirklich nicht viel anderes als der Tod. Denn da haben andere Mütter weniger schöne als viel mehr bereits tote Töchter. Wohin soll man da also noch gehen?
Verwandte Beiträge:
- Andreas Gursky Fotogott
- Das Beste von fast allem
- SPON über den Tag, an dem Jennifer Connelly still stand.
- “The Fall”: Wenn je das Wort berauschend Berechtigung hatte…
- How to lose friends and alienate people – New York für Anfänger
Related posts brought to you by Yet Another Related Posts Plugin.



















[...] Film: Andreas Dresen “Wolke 9″ [...]
Kommentar hinterlassen!