Fußball im Radio ist wie Musikfernsehen. Oder: Internet kills the radio star.
Vor gut einem Jahr habe ich bei einer Sonderaktion vom damaligen Bundesliga-Rechteinhaber Arena zugeschlagen: Bundesliga für 9,90 Euro im Monat. Gebucht über meinen Kabelanbieter unitymedia. Das hat auch prima ein Jahr lang funktioniert. Dann sind wir bekanntermaßen umgezogen. In ein Haus ohne Kabelanschluss. Aus vielerlei Gründen – unter anderem weil unitymedia den wohl miesesten Service hat, der mir jemals untergekommen ist – war es mir nicht möglich, meinen laufenden Arena-Vertrag mitzunehmen. Das ist sehr schade.
So suche ich derzeit nicht nur nach einer Alternative – derer es nicht sehr viele gibt – sondern sitze bei Auswärtsspielen von Arminia auch regelmäßig auf dem Trockenen. Auch, weil ich es irgendwie nie schaffe, rechtzeitig loszukommen um in irgendeiner Kneipe zu gucken. Was bleibt sind Live-Ticker und Radio.
Das Live-Ticker nicht geeignet sind, Spannung zu vermitteln („Vor drei Minuten hat Artur Wichniarek knapp das Tor verfehlt.“ Dem fehlt ein wenig die Dramatik.), sollte jeder verstehen. Damit geht mir ein wesentlicher Aspekt des Erlebnisses „Fußball“ verloren.
Kommen wir also zum Radio: Die beiden offensichtlichsten Sender für uns Bielefelder sind hier sicherlich der Klassiker aller Fußball-Sender WDR2 und Radio Bielefeld. Da – abgesehen ovm Freitag – aber meist parallel noch andere Partien laufen, schneiden wir hier selbst bei gerechter Verteilung der Sendeanteile schlecht ab. Bekommen also beim WDR am Samstag maximal 20% Anteil an der Berichterstattung. Besser geht es uns theoretisch mit Radio Bielefeld. Hier sind wir das einzig besprochene Spiel und haben 100% Anteil. Theoretisch. Leider ist das Radio aber Radio und damit ein Konzept, dass ich nicht begreife: Denn weshalb muss jede Sendung im Radio zu gefühlten 90% aus Musik bestehen? Warum kann Radio nicht auch ein Medium sein wie jedes andere: Jedes Thema wird für sich behandelt. Reportagen. Diskussionen. Fußball. Im Fernsehen kommt ja auch nicht alle drei Minuten für 15 Minuten Musik. Und in Zeitungen werden Artikel auch nicht alle fünf Zeilen für irgendetwas unterbrochen. Songtexte oder so. Liebe Radiomacher: Wenn ich Musik hören will, dann höre ich Musik.
Irgendwie ist das wie Musikfernsehen. Früher lief da mal Musik. Jetzt nur noch Reportagen. Ich verstehe das alles nicht mehr. Vielleicht, weil ich ein Kind der „3-Programme-Generation“ bin.
Wenn ich Fußball hören will, will ich Fußball hören. Ich ließe mir ja noch kurze Werbeunterbrechungen gefallen. Echt. Aber um ein Spiel von Arminia Bielefeld bei Radio Bielefeld zu verfolgen muss man mindestens eine Stunde lang die völlig unerträgliche „Adult Contemporary“-Dudelei von Radio NRW ertragen. Das geht nicht. Das macht keinen Spaß. Auch, weil Fußball nicht planbar ist. „So. Jetzt drei Songs und dann ein Tor.“ Deshalb meine Prognose:
Internet kills the radio star
Gestern kam mir bei der Suche eines geeignet Weges, unser Spiel in Frankfurt zu verfolgen, der Gedanke, dass es ja Fußball-Vereine gibt, die in der Medienverwertung weiter sein müssten als Arminia mit ihrem kleinen Video-Abspieler. Ich weiß zum Beispiel, dass man bei Stuttgart ganze Spiele im Internet schauen kann. Da dachte ich mir, dass ein Verein wie Frankfurt jawohl bei ihrem Anspruch mindestens einen Audio-Stream ihrer Heimspiele anbieten würden. Tun sie auch. Prinzipiell. Für faire 1,49 Euro. Das wäre ich gerne bereit gewesen zu zahlen. Doch leider wird das bislang nur für einige ausgewählte Begegnungen angeboten. Und aus einem unerfindlichen Grund war die mit uns wieder nicht dabei.
Wer das übrigens bei Arminia auch möchte, dem sei die Live-Übertragung des Sehbehinderten-Kommentars ans Herz gelegt. Den kann man bei Heimspielen kostenlos über die Arminia Supporters-Seite anzapfen! Das dies vom Hauptverein offiziell gar nicht an die Glocke, nicht mal an eine kleine, gehängt wird, ist mir bekannt und unverständlich.
Aber: Das gilt nur für Heimspiele. Und Frankfurt war auswärts.
Dann fiel mir ein, dass es ja noch www.bundesliga.de gibt und das ich dort auch schonmal gelegentlich die Konferenz per Audio-Stream angezapt hatte. Es gab zwar auch immer einige Spiele in voller Länge per Bundesliga-Radio zu hören gibt. Kostenlos. Arminia war jedoch selten dabei. Dennoch: Die Konferenz ohne Musik und Werbung wäre schon mehr als jeder Radio-Sender liefert. Ein wenig Hoffnung, dass am Sonntag zudem wir die glücklichen sein könnten, die in Gänze übertrageb würden, surfte ich also dahin und – gottlob – ich hatte Glück. Eine schnelle Registrierung auf der Seite und ich hatte einen 1A-Live-Stream aus Frankfurt. Und wie es mir scheint, hat die Bundesliga ihren Service gar soweit ausgebaut, dass nun alle Spiel in voller Länge und ohne Unterbrechung live gestreamed werden.
Der Kommentar war zudem sehr angenehm neutral und vermittelte echte Spannung. Toll. Ein würdiger und vollständiger Ersatz für WDR2 oder Radio Bielefeld. Es tut mir nur ein wenig Leid um den Herrn Zweetz.
Das ganze zeigt einmal mehr, dass das Radio endlich seinen Arsch hoch kriegen muss, will es gegen die Möglichkeiten des Internets bestehen. (Denn Musik höre ich auch schon längst nicht mehr dort sondern über last.fm.)
Ansonsten wird er ihnen nämlich aufs Grundeis gehen.
P.S. Mittlerweile habe ich wieder PREMIERE. Puh.
(Foto: © photocase.com, maiwald)
Dieser Artikel erschien bereits und ist dem Archiv unseres Vorgänger-Blogs entnommen. Hier geht’s zum Originalbeitrag.
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Das “Schöne” an der Fußballübertragung bei Radio Bielefeld ist, dass während der gesamten Berichterstattung manche Songs bis zu dreimal (!) gespielt werden.
Weil sie aber auch so gut ist!
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