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Do, 23.10.2008 | Markus Freise2 Kommentare

Die Schlacht ums Tannhäuser Tor ist verloren

Als wir jungjünger waren, da gab es noch viele tolle Dinge, die es heute nicht mehr gibt: Plattform-Videogames, Cola in Glasflaschen, Schnee und die Überzeugung, bis spätestens 2008 gäbe es riesige Raumstationen im Weltall auf denen man Urlaub machen könnte oder sein Studium oder seine Ex-Freundin hin verbannen könnte. Dann würde man die auch nicht wieder treffen.

Es gab die feste Überzeugung, eines baldigen Tages würden mennschgemachte Androiden zu uns so kostbar poetische Dinge sagen, wie es Batty (Rutger Hauer) in Blade Runner sagt:

I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time… like tears in rain. Batty, Blade Runner

Schon der Ausdruck „Attack ships“ (in der deutschen Fassung mies mit „gigantische Schiffe“ übersetzt) lässt mich – dank meines militaristischen Herzens – mit glasigen Augen an Monumentalschlachten um das Tannhäuser Tor denken. In einer Mischung zwischen dem finalen Kampf der Rebellen gegen das Imperium über Endor (als in Star Wars noch Männer gekämpft haben) und dem Angriff der Aliierten auf die Normandie. Ein Kampf, der nicht Stunden, nicht Tage, sondern Jahre dauern würde und Generationen an Freunden und Feinden verschleißen würde. Boah!

An alles das wurde ich zum einen durch den kürzlich zelebrierten 50. Geburtstag der Traumfabrik NASA erinnert.

Space Shuttle „Atlantis“, angedockt an die MIR. Bild: NASA

Zum anderen durch ein Posting auf dem Weblog „Sci-Fi-O-Rama“, in das ich kürzlich hineingeraten bin. Daran erinnert, dass es damals Hefte und Bücher voll mit visionären Bildern gab, wie die Menschheit sich einst das Universum würde erobern. In grellbunten Schlachtschiffen und windschnittigen Sausebolzen:

Titel unbekannt, von Chriss Foss. Viel mehr auf seiner Website. Dort kann man auch Poster seiner Bilder kaufen und sich die ins Büro hängen. (Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.)

Nun bin ich 20 Jahre älter und mehr und weiß, dass ein Schlachtschiff (Attack Ship!) im Weltall nicht knallebunt sein sollte, es im Orbit keinen Wind gibt, den man schneiden kann und so manches Weltraumabenteuer nicht „jenseits aller Grenzen”, sondern unter den Wolken mit einer Verpuffung geendet hat. Wir sind einfach nicht weitergekommen als bis in den Orbit. Und das Tor, dass wir in neue Welten aufstoßen wollten, ist ein Loch in der Ozon-Schicht. Ach. Alles was es an Urlaubsmöglichkeiten im Weltall gibt, werden bald kurze Parabelflüge in den Orbit sein, die schon preislich weit entfernt vom Pauschaltourismus sind. Und wenn in Kürze das Space Shuttle-Programm enden wird, ist auch wohl erstmal Schluss mit bemannter Raumfahrt. Zumindest in windschnittigen Raumfähren. Dann plumpsen wieder behäbige Kapsel in die russische Tundra.

Was uns bleibt sind dann Gemälde der Träume einer gescheiterten Generation.

Und Urlaub auf Borkum.

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2 Kommentare »

  • measiumeSig said:

    ??????? ?? ????! ??????? ???? ? RSS-?????, ?????? ?????? ???? ?????????..

  • Coenen said:

    Rund 18 Jahre nach dem ersten Sehen des Blad Runners erschüttert mich die Szene seltsamerweise wieder aufs Neue. Damals wie heute trifft sie mich bis ins Mark und ich kann immer noch nicht genau sagen, warum das so ist. Aber ich ahne, dass es etwas mit meiner Sehnsucht nach Wissen zu tun hat, nach Wissen um die entscheidenden Dinge dessen, was Mensch sein ausmacht.Auf der Suche nach unseren Wurzeln. Und ich bin weit entfernt davon zu akzeptieren, dass es auf die entscheidenden Fragen unseres Lebens keine Antworten gibt:
    Wo kommen wir her, wer sind wir, wo gehen wir hin….

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