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Mo, 13.10.2008 | Rouven RidderKein Kommentar

Dann doch lieber das große Schweigen

Mein Hals fühlt sich innen an wie mit grobem Schmirgelpapier ausgekleidet. Jedes Schlucken reibt mir gefühlt die Innenwände auf. Womöglich habe ich mich bei der ebenfalls erkälteten Freundin angesteckt, doch ich will ihr dahingehend keine Vorwürfe machen. Wem sollte man für eine Virenübertragung schon die Schuld zuweisen können? Höchstens den Viren selbst, den grausligen. Man will schließlich nicht den ganzen Tag in Ganzkörperschutzanzügen in der Öffentlichkeit herumrennen.

Vielmehr könnte ich dankbar sein, denn ich darf meinen Hals und meine Stimme nicht überanstrengen. Ich sitze also ein paar Tage mit ärztlicher Berechtigung zuhause und bin mit Schweigen beschäftigt. Das ist für mich die pure Kontemplation, da ich ansonsten ziemlich viel reden muss („Es wird ja eh zuviel geredet“). Und wie interessant ist es doch – ohne Skrupel dem Arbeitgeber gegenüber haben zu müssen – hier einfach öffentlich zu sagen, dass man doch froh über die unverhoffte Freizeit ist.

Ein, zwei Tage schreiben, und darauf hoffen, dass die Stimme und die Kondition am Mittwochabend wieder vorhanden sind. Sonst sähe es alt aus für Lampes und mein Vorhaben, für eine Überraschung beim Saisonauftakt des Poetry Slams Bielefeld zu sorgen.

Viel reden können und tun andere. Zum Beispiel über Reich-Ranickis (Nicht-) Aussetzer. Oder über die Finanzkrise. Vor Jörg Haiders Tod ist derzeit auch keinerlei Rettung in Sicht. Viele Themen, zu denen mit Sicherheit alle eine Meinung haben. So auch ich. Doch wo der Blätterwald bereits ganz intensiv herbstlich-farbig rauscht, da brauche ich nicht mehr mitzurauschen. Man will ja niemandem auf die Nerven fallen.

Und darum werfe ich nun ein weiteres Ibuprofen ein und halte mein Maul.

Oder wie seht Ihr das?

(Foto: Pixel Addict; Lizenz)

Dieser Artikel erschien bereits und ist dem Archiv unseres Vorgänger-Blogs entnommen. Hier geht’s zum Originalbeitrag.

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